Von Andreas Burkert

Sogar IOC-Labore sollen über Mittelsmänner negative B-Proben anbieten - und auch die Antidoping-Programme der Teams erhöhen die Glaubwürdigkeit nur bedingt.

Am Ende des Gesprächs bittet er, seine Nationalität und seinen Namen aus dem Artikel herauszulassen. Er habe Angst um seinen Job, denn es sei ja im Grunde so wie bei den deutschen Doping-Kronzeugen Patrik Sinkewitz und Jörg Jaksche: Wer erzählt, kommt nicht mehr unter. Dieser Fahrer (Name der Redaktion bekannt) ist in der Vergangenheit positiv getestet worden, seit längerem fährt er wieder für einen durchaus bekannten Profirennstall. Nach dem positiven Test und noch vor Öffnung der B-Probe habe er einen Anruf erhalten, "von einem Spanier, er hat sich nicht namentlich vorgestellt". Wohl aber sein Anliegen: "Wir können deine B-Probe negativ machen, schon in der Vergangenheit ist das in dem Labor möglich gewesen", so in etwa habe sich der Unbekannte ausgedrückt. Deutlich wurde ebenso die Gegenleistung, die für den Deal zu leisten sei: "Mindestens 100.000 Euro."

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Offenbarung nach dem Rauswurf: Leonardo Piepoli hat gegenüber dem Team-Management von Saunier-Duval Epo-Doping gestanden. (© Foto: dpa)

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"Im Großen und Ganzen keine Angst vor Tests"

Von derlei ungeheuerlichen Geschichten hört man immer wieder im Radsport, aber diese hier ist real, denn von dem Vorgang liegen sowohl der Welt-Antidoping Wada als auch dem Landesverband des Fahrers Notizen des vergebens Umworbenen vor. "Ich habe das weitergeleitet", bestätigt der Zeuge, für ihn sei der Handel nicht infrage gekommen. Sein Bericht ist auch deshalb bemerkenswert, weil es sich bei dem betroffenen Labor naturgemäß um ein mit der B-Probe betrautes und somit offiziell lizensiertes IOC-Institut handelte; in dem konkreten Fall befindet es sich in Südeuropa.

Dass den Radsport ein unsichtbares System umgibt, welches eben nicht nur aus dopenden Sportlern und ihren Lieferanten besteht, hat gerade Jaksche zuletzt immer wieder mit Eifer vorgetragen. Er selbst habe in zehn Profijahren "im Großen und Ganzen keine Angst vor Tests" gehabt, sagt der Ansbacher, "denn unsere Ärzte waren so gut informiert, die sagten dir, welcher Stoff wie lange nachweisbar ist.". Nicht nur Mittelsmänner verdienten ganz gut daran.

Früher indes haben sich die Mannschaften noch nicht mit so genannten internen Antidoping-Programmen geschmückt, wie sie dies in den aktuellen Zeiten des latenten Imageverfalls tun. Wissenschaftlern ist diese Art der Selbstkontrolle suspekt. Wilhelm Schänzer vom IOC-akkreditierten Labor an der Kölner Sporthochschule nennt sie "eine Möglichkeit, den Betrug abzusichern". Nach außen hin könne die Maßnahme "schön dargestellt werden", sagt Schänzer, "aber die Glaubwürdigkeit ist dadurch nicht größer."

Drei Fahrer auffällig

Als Heilsbringer der mit nicht sonderlich hohen Imagewerten ausgestatteten Teams Astana und CSC gilt neuerdings der Däne Rasmus Damsgaard, auch das deutsche Milram-Team nimmt bei Zweifelsfällen und vor der Verpflichtung neuer Fahrer seine Dienste in Anspruch. Damsgaard hat zuletzt betont, "zehn, 20 oder 30 Prozent der Fahrer" würden wohl positiv auf die neuerdings entdeckbare Epo-Variante Cera getestet, wenn man das komplette Feld kontrollierte. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung müsste dann auch einer jener CSC-Fahrer dabei sein, deren Mannschaft der renommierte Experte bei Kosten von jährlich rund 600.000 Euro nachstellt.

Als CSC zuletzt wieder die Blutprofile veröffentliche, fanden sich in den Parametern einige Ausreißer. Dem Vernehmen nach seien drei Fahrer auffällig gewesen. Man habe, sagt Damsgaard, einen Kandidaten gefragt: "Was ist los mit dir, isst du genug, hast du andere Probleme, die diese Werte erklären?"

Dem ZDF sagte er, ein Fahrer sei "wegen einer Krankheit zu einem normalen Arzt geschickt" worden. Damsgaard gilt als unverdächtig, etwas zu vertuschen. Vielleicht ist er letztlich nur machtlos, er sagt: "Die juristische Ebene hinkt hinterher, die Mediziner sind einen Schritt davor."

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