"Wir wissen, dass es zwei neue Fälle gibt", sagt ein Sprecher des Radsport-Weltverbandes. ARD und ZDF erwägen einen Tour-Ausstieg, harte Kritik kommt auch aus dem Bundestag.
Der Radsport-Weltverband UCI hat bestätigt, dass im Zuge der Nachuntersuchungen zur Tour de France zwei weitere Fahrer positiv getestet worden sind. "Wir wissen, dass es zwei neue Fälle gibt", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani. Dies habe die Französische-Anti-Doping-Agentur AFLD dem Weltverband mitgeteilt. Namen nannte Carpani nicht. Es müsse noch die B-Probe abgewartet werden, ergänzte er.
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Gelbes Trikot und zwei gewonnene Etappen: Stefan Schumacher bei der Tour de France 2008. (© Foto: AFP)
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Währenddessen wird nach den neuerlichen Doping-Erkenntnissen gegen den deutschen Radfahrer Stefan Schumacher innerhalb der ARD über einen Ausstieg aus der Tour-Berichterstattung diskutiert. "Da packt einen die kalte Wut, wenn man sieht, wie solche Betrüger den Radsport kaputt machen", sagte ein ARD-Sprecher. "Dabei ist es kein Unterschied ob ein Deutscher, ein Spanier oder ein Amerikaner erwischt wird." Die ARD-Intendanten hatten auf ihrer bisher letzten Sitzung eine Entscheidung über einen neuen TV-Vertrag vertagt. Vor einem Jahr hatten ARD und ZDF während der Frankreich-Rundfahrt aus Protest gegen die ständigen Dopingfälle ihre Live-Übertragungen eingestellt.
Eine Entscheidung über die zukünftige Tour-Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders soll nach den jüngsten Ereignissen kurzfristig fallen. "Die Überführung von Schumacher zeigt zwar, dass das Kontrollnetz immer effektiver wird und die Betrüger aussortiert. Aber letztendlich stellt sich doch die Frage, wem man im Radsport überhaupt noch trauen kann", sagte der ARD-Sprecher.
Ist der Radsport noch zu retten?
Das ZDF hat ähnliche Vorstellungen und will zunächst die weiteren Entwicklungen verfolgen. "Wir werden in Ruhe abwarten, was noch so alles unter dem Tisch hervorgefegt wird und ob der Radsport überhaupt noch zu retten ist", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und stellte klar: "Alle Konsequenzen - auch ein Ausstieg - sind möglich." Anfang des nächsten Jahres wolle das ZDF eine Entscheidung fällen, so Brender. Der neuerliche Fall sei für ihn "ein Schlag", erklärte der ZDF-Chefredakteur: "Zum wiederholten Mal wurde uns gesagt: das sind die neuen Jungen, die nichts mit Doping zu tun haben."
Ganz in die Röhre gucken müssen die leidgeprüften Radsportfans aber wohl dennoch nicht: Der Sportsender Eurosport will auch künftig vom Radsport berichten. Bereits bei der Tour de France 2007 hatte Eurosport - im Gegensatz zu ARD/ZDF - seine Berichterstattung trotz des Dopingfalls Patrik Sinkewitz fortgesetzt.
Am Vorabend hatte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer bestätigt, dass Stefan Schumacher, immerhin zweifacher Tour-Etappensieger 2008, laut Tour-Direktor Christian Prudhomme in der A-Probe positiv auf EPO getestet worden sei. Er habe den 27-jährigen Zeitfahrspezialisten Schumacher umgehend suspendiert, da er "keinen Zweifel habe, dass die Ergebnisse stimmen", ergänzte Holczer. Der Beschuldigte hat bisher stets jegliches Doping bestritten.
"Das ist eine Scheißsache"
Nach der positiven Dopingprobe durch die nachträglichen Auswertungen bei der Tour de France wartet das Lager von Stefan Schumacher vor einer offiziellen Stellungnahme auf die Unterlagen aus Frankreich. "Das ist eine Scheißsache. Die Nachricht ist bestürzend. Soweit ich weiß, sind die Unterlagen aus Frankreich unterwegs. Eine Stellungnahme meines Mandanten kann es natürlich erst nach Kenntnis der konkreten Beschuldigungen geben. Bis jetzt liegt uns außer dem Inhalt der Pressemitteilungen nichts vor", sagte Lehner am Dienstag auf Anfrage.
Schumacher ist offenbar das neue Testverfahren der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) zum Verhängnis geworden. Bei der neuen Methode kann Epo im Blut noch deutlicher nachgewiesen werden als bei den Kontrollen vorher im Urin. Schumachers Heimatverein hat unterdessen mit Entsetzen auf den Dopingverdacht gegen den Radprofi reagiert. "Die Enttäuschung sitzt sicherlich bei uns noch tiefer als bei vielen. Wir sind fassungslos", sagte Rudi Ertinger, Vorsitzender des Radsportclubs Nürtingen 1949.
Gerolsteiner-Teamkollege Sebastian Lang sagte nun im Rückblick. "Als bekannt wurde, dass es ein neues Testverfahren auf Cera gibt, haben wir uns alle gefreut. Wir saßen im Bus und haben richtig gejubelt. Das ganze Team, außer Stefan. Er war plötzlich ganz still und zurückgezogen. Bis zum Schluss", sagte Lang der Thüringer Allgemeinen. Sein gut dotierter Vertrag beim Quick-Step-Rennstall im kommenden Jahr dürfte - so die B-Probe das Ergebnis bestätigt - damit hinfällig sein. Beim belgischen Rennstall sollte Schumacher keinen Geringeren als den zweimaligen Weltmeister und Athen-Olympiasieger Paolo Bettini ersetzen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie der neue Dopingfall im Bundestag kommentiert wurde und wie knapp Schumcher bisher mehrmals einer Doping-Überführung entgangen war.
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Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Etwas zu dem Herrn Bach:
http://www.wdr.de/tv/sport_inside/sendungsbeitraege/2008/1013/doping.jsp
Ich glaube dieser Herr sollte sich sehr zurückhalten und vor der eigenen Haustür reine machen, bevor er etwas gegen den Radsport sagt.
Wenn man Doping in einzelnen Sportarten oder insgesamt freigeben würde und zwar mit allen Konsequenzen, wäre jedermann klar, dass er es bei den besten nur mit Junkies zu tun hat.
Für das ÖR-Fernsehen wären die Sportveranstaltungen nicht mehr interessant und man sieht jetzt schon womit sogenannte Randsportarten am meisten zu kämpfen haben: Wird kaum berichtet, gibts kaum Sponsoring. Solche Sportler können nicht von ihrem Sport leben und überlegen sich schon allein deswegen, ob es sich lohnt, die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
Eben weil es offenbar nicht mehr möglich ist, den Dopingbetrug wirkungsvoll zu bekämpfen, wäre es ehrlicher, Doping ganz zu zu lassen und es damit den Sportlern selbst zu überlassen, wie sie mit ihrer Gesundheit umgehen. Schade um den Sport, aber die Dummen sind doch jetzt schon die Nicht-Doper.
Und was die Moral anbelangt: Es wird bei uns offenbar auch nicht als unmoralisch angesehen, wenn sich Erwachsene mit Alkohol zuschütten oder mit Zigaretten ihre Gesundheit ruinieren.
Das olympische Radrennen wurde praktisch in voller Länge übertragen. Man hörte nahezu nichts davon, dass es u. U. sein könnte, dass nur solche Radfahrer das Tempo bis zum Ende mitgehen können, die sich entsprechend "präpariert" haben.
Die Sieger wurden umjubelt und es wurde Quote bei den ÖR-Sendern gemacht.
Wäre man konsequent, dann dürfte eine Olympia-Berichterstattung maximal so umfangreich sein, wie bisher immer bei den Paralympics.
Die Rufe nach der Freigabe des Doping kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Sie erinnert mich ehrlich gesagt stark an die Beteuerungen der Banker "bloß keine Regulierung, keine moralischen Fußfesseln, alles unmodern, der Markt reguliert sich selbst!"
Beinahe hätten wir es alle geglaubt. Aber es war nur eine moderne Blase.
Und genauso wenig hat Doping etwas mit Sport zu tun, eine Aufgabe der moralischen Haltung und Regeln wäre fatal.
Leider sind die bisherigen Entscheidungsträger dem Dopingsystem nicht gewachsen, sind in den Strukturen mit verstrickt.
ganz deiner meinung langbernhard.
seit wieviel jahrzehnten hat es keinen gedopten olympiasieger im 100m-lauf gegeben? hat es irgendwann die forderung gegeben aus der berichterstattung des 100m-laufs auszusteigen? hier wird permanent mit zweierlei mass gemessen!
Paging