Der Bund Deutscher Radfahrer trennt sich von U23-Bundestrainer Weibel, dem vorgeworfen wird, in den achtziger Jahren junge Fahrer gedopt zu haben.
Nach einem Vier-Augen-Gespräch am Mittwochabend in der BDR-Zentrale Frankfurt hat der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, den des Dopings beschuldigten Bundestrainer der U23-Straßenfahrer, Peter Weibel, praktisch im Alleingang suspendiert. Der Ex-Verteidigungsminister hatte bereits am Wochenende den Vorgang im Präsidium zur Chefsache erklärt und sich Grünes Licht für jede Entscheidung geholt.
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Soll aktiv gedopt haben: U23-Bundestrainer Peter Weibel. (© Foto: dpa/Archiv)
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Er fühle sich von Scharping korrekt behandelt, wolle aber zur Sache vorerst keine Aussagen machen, sagte der 56-jährige Weibel, kurz nachdem am Donnerstag seine sofortige Beurlaubung offiziell bekanntgegeben worden war. Offensichtlich hatte der seit 1985 in BDR-Diensten stehende Pfälzer die schweren Vorwürfe nicht entkräften können.
Seine damaligen Schützlinge Jörg Müller und Christian Henn hatten in der Süddeutschen Zeitung erklärt, Ende der achtziger Jahre von Weibel mit den verbotenen Substanzen Andriol und Kortison versorgt worden zu sein. "Das ist eine Riesensauerei", sagte der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke dazu: "Andriol ist das kürzest wirkende Steroid und rezeptpflichtig."
Der Freiburger Olympiaarzt Georg Huber hatte bereits am Wochenende gestanden, dass die Manipulationen im Vorfeld der Sommerspiele 1988 von Seoul unter seiner Regie vorgenommen wurden.
Jan Ullrich begann Karriere unter Weibel
Unter Weibel haben zahlreiche deutsche Amateure den Sprung ins Profilager geschafft, allen voran Jan Ullrich, der 1993 in Oslo den WM-Titel gewann. Henn, der 1988 Olympiadritter wurde, ist heute sportlicher Leiter beim Team Gerolsteiner. Er hat inzwischen Epo-Doping während seiner Telekom-Zeit gestanden.
Durch Weibels Talentschmiede gingen auch bekannte Namen wie Andreas Klöden, Patrik Sinkewitz, Fabian Wegmann oder zuletzt Markus Fothen, U23-Weltmeister im Zeitfahren 2003. Sie alle beteuern bis heute, niemals gedopt zu haben. Fothen: "Mir hat auch noch nie jemand ein unerlaubtes Mittel angeboten."
Das gesamte Umfeld der achtziger Jahre unter Verdacht
In welchem Umfang Weibel die Aussagen von Müller und Henn bestätigt hat, ist unklar. "Dem BDR liegen zu den Vorgängen in den Achtzigern unterschiedliche Aussagen vor. Diese sind zu klären, auch mit Hilfe der unabhängigen Kommission, deren Einsetzung das Präsidium des BDR am 26. Mai 2007 beschlossen hat", sagte Scharping. Da Weibel seit mehr als 20 Jahren BDR-Angestellter sei, seien auch arbeits- und sozialrechtliche Fragen noch zu erörtern.
Manches spricht dafür, dass nicht nur Weibel und Huber in die damaligen Dopingpraktiken verwickelt waren. "Das gesamte Umfeld der achtziger Jahre sowie das konkrete Handeln der Beteiligten ist zu klären", heiß es in der BDR-Erklärung.
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(sid)
Als nach dem Ende der DDR juristisch gegen Trainer und ärzte vorgegangen wurde, die Dopingmittel eingesetzt hatten, war der neue Staat der vergrößerten BRD schnell mit Sonderstaatsanwaltschaften und einer Zentralen Ermittlungsstelle präsent. Da aber auch in der DDR kein Gesetz existierte, daß den Besitz und die Anwendung von Dopingmitteln unter Kriminalstrafe stellte, war guter Rat teuer. Man ermittelte wegen Körperverletzung durch Trainer und ärzte. Nun fordert das Gesetz bei Körperverletzung aber eine nachgewiesene körperliche Schädigung. Dies konnten im Pilotprozeß aber die bestellten Gutachter nicht bestätigen. Die Prozesse drohten zu platzen. Flugs entschied das Kammergericht Berlin, daß die medizinisch nicht inizierte Abgabe von Medikamenten mit Dopingcharakter eine Körperverletzung darstellt. Es gab ca 2000 Prozesse und Strafbefehle, davon 5 Verurteilungen auf Bewährung. Warum wird nach dieser Rechtsgrundlage jetzt nicht gehandelt? Entweder wurde damals das Recht gebeugt oder es geschieht heute durch Unterlassung.