Der Report der französischen Anti-Doping-Agentur ist schockierend: Er dokumentiert nicht nur Dopingpraktiken, sondern vor allem eine fahrlässige Haltung des Weltverbands.
Es ist ein Kreuz mit den paar unabhängigen Organisationen, die ständig in die innersten Angelegenheiten des Sports reinfunken. Das kriegt jetzt der Radweltverband UCI zu spüren. Bei der Tour 2009 ließ er offenbar nichts unversucht, um die bedrohlichen Risse im eigenen Gemäuer zu kitten, die 2008 die französische Anti-Doping-Agentur AFLD mit ihrer akribischen Detektivarbeit verursacht hat.
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Lance Armstrong und Astana sind die Haupt-Protagonisten des Radsports - da darf es bei den Kontrollen schon mal etwas laxer zugehen. (© Foto: Reuters)
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Damals besaß die AFLD erstmals die Alleinzuständigkeit für die Tour-Kontrollen, sie fand ein effektives neues, nicht mal in Apotheken erhältliches Blutdopingmittel: Cera. Ein Zufallsfund beim Führenden Ricco, und nachdem ein Kollege die Nerven verlor und ebenfalls Cera-Konsum beichtete, entwickelte die AFLD ein Testverfahren. Nachträglich fand sie mehr Positive, die Gerolsteiner Schumacher und Kohl, weitere verdächtige Proben wanderten auf Eis.
Nun hat der anfänglich umstrittene Test Serienreife, die AFLD macht weiter - und kompromittiert so die UCI. Die hatte den Pariser Detektiven - mit Hilfe diskretester Drähte zur Tourveranstaltergruppe Amaury - die Regie über die Dopingtests 2009 entrissen. Resultat: Alles super sauber beim furiosen Comeback des alten Helden Lance Armstrong. Na bitte. Ist der Radsport jetzt nicht voll rehabilitiert?
Natürlich nicht, das belegt die AFLD jetzt mit ihrem schockierenden Report zur Tour 2009. Klugerweise veröffentlicht sie diesen vor der Verkündigung der Resultate ihrer Cera-Tests von 2008. Falls da weitere prominente Sünder auftauchen, wie ja zu vermuten ist, stürzen sich die Sportmedien nur noch auf diese klaren Fälle - und ignorieren das Thema, wie die UCI ihr System absichert. Dabei ist das der größere Skandal: Wer so fahrlässig testet, will Dopingfälle offenbar vermeiden.
Der Radsport trudelt immer tiefer in die Existenzkrise. Wieder geht es um Spitzenfahrer, um Spitzenteams, jetzt aber auch um die brisante Frage, was es heißt, wenn ein Verband alles unternimmt, um ein Team zu schützen, dessen Protagonisten die kommerzielle Zukunft der Sportart verkörpern: Astana, Armstrong, Contador.
Neu ist das nicht, nun aber mit der Autorität des Fachorgans beglaubigt. Die Skandalvermeidungspolitik im Radsport nährt den Verdacht, dass es anderswo genauso läuft. Im Sport geht es um alles: Man male sich nur aus, wie ein Sündenfall des weltschnellsten Jamaikaners mit den unglaublichen Temporeserven den Sport erschüttern, ja: zerstören würde. Ob der Sport das wirklich testen will?
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(SZ vom 06.10.2009)
Drogeriekette wird abgewickelt
Hallo SZ! Die AFLD meldet gerade alle Nachtests von 2008 negativ. Tja, eigentlich erfreulich, aber die SZ wird sicher wieder auch darin genug Indizien finden, das dies zur großen Verschwörungsaktion der Verbände gehört. Aber zum Glück gibt es ja noch Bluttests, deren Ergebnisse selbst die Experten nicht interpretieren können. Aber die SZ kann das bestimmt!
Diese Zeitung wird immer peinlicher, zwar mag der Verdacht gegenüber dem Astana
Team berechtigt sein, wer aber den Artikel über Linus Gerdemann gelesen hat, dem
dürfte es übel geworden sein. Denn dort wurden die angeblich unnormalen Blutwerte erwähnt, nicht aber die Begründung, warum diese so sein könnten. Es wurden absichtlich
die Begründungen weggelassen, die diese Werte erklären. Selbst viele Mediziner fanden die Werte unter besonderen Verhältnissen normal. Eigentlich sollte man in einem demokratischen Land immer 2 Seiten betrachten, doch Sensationsgier und Meinugsbildung steht anscheinend hier über allem!!! Peinlich
Sicher gibt es Radsport viele Doping probleme. Nur es ist Schwachsinn anzunehmen dies gäbe es nur dort. Jeder Sport ist davon betroffen, aber bei anderen Sportarten redet man nicht so viel darüber und kontrollier auch nicht so viel
Was für eine Enthüllung. Bei der Tour de Farce wird gedopt und dem Verband ist es wurscht. Wenn das in die Medien gelangt...
wie immer :) yippi ist aber wirklich einen Artikel wert. Das man auch sowas mal sieht. kann mich der Kritik nicht anschließen.
Paging