Der 63-Jährige Bremer, seit bald zwei Jahrzehnten im Amt, erhielt vom heutigen Präsident Scharping trotz mehrerer Vorwürfe zu Dopingfällen vor den Spielen 2008 in Peking überraschend den aus öffentlichen Mitteln bezahlten Vertrag bis 2011 verlängert. Böhmer, Scharpings Vor-Vorgänger, hat sich nie zu der Sache geäußert, er lebt zurückgezogen. Fritz Ramseier gehört noch heute dem BDR-Präsidium an. Ramseier soll sich auch dafür eingesetzt haben, dass sein enger Freund Bremer das Bundesverdienstkreuz erhielt (der Vorschlag stammt angeblich von Frau Bremer). Sylvia Schenk, die später Böhmer beerbte, trat 2004 wegen der ihrer Meinung nach unzureichenden Doping-Aufklärung im Verband zurück und machte Details aus Plouay 2007 öffentlich. Auch Harald Pfab, Scharpings Stellvertreter und 2000 als Schatzmeister im Vorstand, sowie Generalsekretär Martin Wolf - der in Plouay weilte - dürfte die Causa Sinkewitz bekannt sein.
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Da offenkundig die Spitze des Radsportverbandes einen für Laien erkennbaren Dopingfall verschwiegen hat, ist es aus ihrer Sicht fast logisch, dass an Aufklärung kein Bedarf besteht - die mutmaßlichen Fakten sind ja bereits bekannt gewesen. Und zwar nicht erst im Sommer 2007, wie Scharping ehedem eingeräumt hatte. Sondern schon im Herbst 2000. "Ich habe das dann alles schriftlich festgelegt in meinem Jahresbericht", sagte Weibel in Hamburg vor Gericht aus, "und das war binnen einer Woche nach Abschluss der WM (in Plouay). Da steht alles so, wie ich es erzählt habe."
Für Bremer und auch für Arzt Schumacher ist die Angelegenheit besonders unangenehm. Erst vor zwei Wochen hatte ja das Kammergericht Berlin in einem Beschluss zu einem Verfahren gegen den Grünen-Politiker Winfried Hermann (er hatte sich kritisch zu Bremer geäußert) festgestellt: Bremer "hat im Jahre 2004 daran mitgewirkt, den Doping-Fall Lademann innerhalb des BDR zu verschweigen" (SZ 8.5.).
Auch der frühere Bahnfahrer war mit hohen Blutwerten aufgefallen - die erneut Schumacher ermittelt hatte -, sie der damaligen Präsidentin Schenk jedoch verschwiegen. Deshalb trat sie zurück. York Olaf Schumacher tauchte mehrfach im Umfeld von Dopingaffären auf. In Plouay, dies hatte Weibel 2007 geäußert, sollen er und Kretsch bei Sinkewitz sogar doping-maskierende Plasmaexpander eingesetzt haben. Schumacher wie auch Kretsch hatten auch diese Vorwürfe klar zurückgewiesen.
Der BDR und auch Schumacher, der beim Radverband weiter als "Koordinator Medizin/Verbandärzte" tätig, reagierten am Mittwoch nicht auf Fragen zu Weibels Prozess-Aussagen. Sekretär Wolf teilte mit: "Es liegen dem BDR keine Gerichtsakten vor, um auf deine Fragen konkret antworten zu können." Die Urteilsverkündung zu den Verfahren in Hamburg soll in knapp einem Monat erfolgen.
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(SZ vom 26.05.2010/jbe)
Berliner Zeitung
Ermittlungen gegen Sinkewitz
Durchsuchung bei Sinkewitz
Von Johnson bis Pechstein