Doping im Biathlon Schwere Vorwürfe gegen Frank Ullrich

Eine Anschuldigung erschüttert den Biathlon-Sport: Ein neuer Zeuge belastet Bundestrainer Ullrich und einen weiteren Coach als aktive Doper zu DDR-Zeiten.

Schwere Vorwürfe gegen Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich erhob am Sonntagabend die ARD-Sportschau. In dem Beitrag wurde dargestellt, dass Ullrich in seiner Zeit als DDR-Coach selbst - sehr im Widerspruch zu seinen bisherigen Beteuerungen - Doping angeordnet haben soll. Die ARD präsentierte einen neuen Belastungszeugen.

Zu Ullrichs damaligen Schützlingen in Oberhof hatte Jürgen Wirth gezählt, der 1987 und 1988 in der DDR-Auswahl fuhr. Wirth sagte dem Sender: "Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen, damit wir schneller wieder regenerieren, das heißt, schnellere Erholungsphasen haben und bessere Trainingsleistungen bringen können." Oral-Turinabol war das klassische DDR-Anabolikum. Wirth, damals Spitzenathlet als Staffel-Weltmeister und Olympiateilnehmer, sagt, er habe die blauen Pillen regelmäßig von Ärzten ausgehändigt bekommen, und dies in Abstimmung mit den Trainern. Einer soll demnach Frank Ullrich gewesen sein.

Der Bundestrainer wiederum dementierte dem Sender gegenüber vehement in Schriftform. Es müsse ja bekannt sein, dass er als junger Co-Trainer, der erst im Jahre 1987 seine Trainerlaufbahn begann, weder zu Anordnungen noch zu Kontrollmaßnahmen befugt war. "Niemals", so Ullrich weiter, sei in seinem Beisein in Trainersitzungen "über Doping diskutiert" worden. Und ohnehin sei für ihn klar: "Als verantwortlicher Trainer lehne ich jede Art von unerlaubter Leistungsmanipulation strikt ab."

Auch Verbandstrainer Bock unter Verdacht

Zeuge Wirth aber bleibt bei seinen schweren Vorwürfen, er fügt sogar einen weiteren Namen hinzu: Wilfried Bock, damals DDR-Verbandstrainer und Chef von Ullrich. Bock war fast zehn Jahre außer Dienst, seit 2002 ist er wieder Trainer. Nach ARD-Recherchen zunächst aus Steuergeldern mitfinanziert, ab 2006 dann vom Deutschen Skiverband (DSV). Belastungszeuge Wirth beschreibt ein infames Prozedere: "Wir haben die Tablette in den Mund genommen und sollten sie runterschlucken und dann Zunge rausstrecken, dass man's sieht, ob die Tablette noch im Mund ist."

Auf Nachfrage sagte er: "Die Trainer Bock und Ullrich haben die Einnahme auch kontrolliert, damit jeder wirklich diese Tablette nimmt." Bock coacht unter anderem Staffel-Olympiasieger Michael Rösch. Er war auch Stasi-Mitarbeiter. Der DSV, so die ARD, habe bis Redaktionsschluss nicht sagen können, ob ihm das bekannt sei. In Sachsen wurde Bock 2007 Biathlon-Trainer des Jahrhunderts. Mit Doping, sagt er, habe er nie etwas zu tun gehabt: "Ich mach's nicht und ich habe es nicht gemacht", wird Bock zitiert.

Das Innenministerium teilte auf Anfrage mit, es gälten die alten Empfehlungen: "Danach sollten Cheftrainer, Verbandsärzte oder andere Funktionsträger des DDR-Spitzensports grundsätzlich nicht mehr im Sport beschäftigt werden, es sei denn, sie erbringen den Nachweis fehlender Beteiligung am Dopingsystem."

Das dritte Auge

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