Doping-Geständnis von Schumacher Angriff auf die Hinterleute

Im Interview hat Stefan Schumacher jahrelanges Doping zugegeben.

(Foto: Manuel Bruque/dpa)

Der deutsche Radrennfahrer Stefan Schumacher hat gedopt. Na und? Die Dopingfahnder haben ihn längst überführt, nur mit den Medien spricht er erst jetzt. Sein Fall ist nicht sonderlich spektakulär. Aber sein Geständnis könnte wichtige Hintermänner auffliegen lassen.

Ein Kommentar von Thomas Hahn

Das Geständnis als Ausdrucksform dopender Radprofis hat einen langen Anlauf gebraucht, ehe es sich in der zeitgenössischen Sportberichterstattung durchsetzen konnte. Fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch war diese interessante Stilart im Grunde nicht vertreten. Gestanden wurde allenfalls hinter verschlossener Tür oder im Gebet, aber selbst dort mit dem Hinweis auf die Gepflogenheiten des Wettfahrgeschäfts ("Machen doch alle").

Festzustellen ist außerdem, dass es seinerzeit noch keinen echten Markt für Doping-Geständnisse gab, weil eine rettungslos romantisierende Fangemeinde ihr helles Vergnügen hatte an den zurechtgespritzten Berufspedaleuren. Mit den ersten Skandalen zur Jahrtausendwende lockerte sich allmählich das verkrampfte Verhältnis der Doper zum Geständnis. Wobei es noch eine Weile dauern sollte, ehe große Geständnis-Pioniere wie Jef d'Hont oder Jörg Jaksche dem Geständnis zu seinem gesellschaftlichen Durchbruch verhalfen.

Heute gehört es als Radsport-Doper fast schon zum guten Ton, ein Geständnis abgelegt zu haben. Selbst Lance Armstrong, der gefeierte Held der Ampullen-Industrie, hat sich irgendwann eines aus den Rippen leiern lassen, womit er noch mal einen schönen Publikumserfolg hatte. So viele Doping-Geständnisse von Radsportlern hat es mittlerweile schon gegeben, dass nur noch besonders sonnige Optimisten davon ausgehen können, dass die Radsportelite bis vor wenigen Jahren nicht zu hundert Prozent verseucht war.