Diskuswerfer Robert Harting fragt sich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben. Immer wieder gibt es diese Debatte, doch der Vorschlag ist und bleibt inakzeptabel.
Falls jemand eine hinführende Debatte zur Leichtathletik-WM in Berlin vermisst haben sollte neben den ganzen Fanfarengesängen auf den Leistungsaufschwung der Sportler im gastgebenden Verband DLV - hier ist sie: Robert Harting, WM-Zweiter im Diskuswurf, Schüler des früheren DDR-Doping-Vollstreckers Werner Goldmann, findet den Anti-Doping-Kampf aussichtslos, weshalb er sich manchmal frage, "ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben".
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Der WM-Zweite im Diskuswerfen, Robert Harting, fragt sich, "ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben?". (© Foto: dpa)
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Glückwunsch, das musste nochmal gehört werden aus deutschem Athletenmund, sonst wäre fast der Eindruck entstanden, alle Aktiven stünden kompromisslos hinter der strengen Anti-Doping-Haltung ihres DLV. Und der Erfolg wird nicht schmäler durch den Versuch des Sportdirektors Mallow, Harting zu verteidigen. Er meine doch nur, dass es keine Chancengleichheit gebe. Ach so? Sagt Harting nicht eher, dass Doping schon okay sei?
DDR als abschreckendes Beispiel
Es ist nicht zu ertragen, dass manche Halbdenker die Freigabe der künstlichen Leistungssteigerung im Sport immer noch als Lösungsansatz gegen die Muskelmast anbieten. Als hätte die Geschichte nicht längst gelehrt, wohin es führt, wenn Sportsysteme, kommerzielle Chemiepantscher und Athleten sich vor der Dopingfahndung sicher fühlen: Hinter den Mauern der DDR bekamen schon Minderjährige Anabolika - mit bösen gesundheitlichen Folgen. Im Westen brillierten Privatsportler in der Disziplin Tabletteneinwurf, bis ihr Herz nicht mehr funktionierte, und erfahrenen Sportmedizinern entglitten ihre Gedopten auch mal aus Versehen ins Jenseits.
Im Ausdauersport der neunziger Jahre war das Blutdopingmittel Epo de facto frei, weil noch nicht nachweisbar. Die Folge: so sauerstoffsattes Blut bei Elite-Sportlern, dass es deren Adern zu verstopfen drohte und besorgte Mediziner Hämoglobin-Grenzwerte einführten, um die Erfolgsjäger vor sich selbst zu schützen.
Anstand und Moral
Vielen ist die Moral als Argument gegen den Sportbetrug zu weich, weil sie es irgendwie spießig finden, Anstand von einer Leistungsgesellschaft zu verlangen. Viele verstehen auch nicht, dass der Sport seine Bestimmung verrät, wenn die Wettkämpfer nicht mehr ihre natürlichen Kräfte vergleichen, sondern die Wirkung ihrer Hausapotheken. Aber zumindest das müssten die Freunde der Freigabe doch begreifen: Dopen kann tödlich sein, erst recht das Wettdopen eines regellosen Unterhaltungssports.
Eltern könnten ihre Kinder nicht mehr in den Verein schicken, ohne Angst zu haben, dass sie irgendein Trainer dort für dopenswerte Talente hält. Nach der Freigabe des Dopings gäbe es keinen Leistungssport mehr. Nur noch eine Spektakelindustrie der Menschenzucht, in welcher der nachdenkliche Meister Harting erst recht keine Chance mehr hätte - sofern er wirklich so sauber bleiben wollte, wie er jetzt angeblich ist.
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(SZ vom 05.08.2009/jbe)
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Doping alleine reicht nicht aus, um im Hochleistungssport vorne zu stehen.
Auch wenn ein Sportler irgendein leistungssteigerndes Medikament nimmt, muss er hart trainieren um seine Ausdauer, Muskelkraft, etc. zu erhöhen.
Es ist völlig gleichgültig wo die Grenze zwischen erlaubtem und unerlaubtem Doping gezogen werden würde.
Es würde immer noch Sportler geben die jenseits des Erlaubten arbeiten würden. Folglich würde eine teilweise Freigabe das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern.
Logische Folge: Vollständige Freigabe oder vollständiges Verbot.
Eine vollständige Freigabe wäre der reine Wahnsinn. Sämtliche Spitzensportler müssten sich um des Erfolges Willen zu Laborratten von Medizinern machen, da der mit dem besten Mittelmix gewinnen wird. Und zwar schon elterngesteuert ab dem Kindesalter. Unvorstellbar.
Bleibt nur das Verbot.
Spitzensport hat eine Vorbildfunktion. Nur weil in anderen Bereichen des Lebens "Doping" normal ist, heißt es nicht, dass es wünschenswert ist und nun ganz offiziell zur Leistungsgesellschaft gehören darf. Ich habe lieber eine bigotte Diskussion als eine zutiefst zynische.
Grenzwert X wird genauso wenig eingehalten wie Grenzwert null. Wie bereits angemerkt würde eine Teilfreigabe rein gar nichts am Hase-Igel-Spiel ändern, außer dass die Wenigen die bisher sauber bleiben wollten, zum mitmachen gezwungen werden. Die Diskussion als solches bliebe die selbe bis man eine Totalfreigabe herbeiführt. Die Jagd nach den Sündern gehört leider schon immer zum Sport. Die Jagd abzuschaffen kann aber nicht die Lösung sein.
Lieber 'Dopingfreigabe', als immer diese Heuchelei über Siege, oder Weltrekorde etc.(man muss bloß die Artikel über die Schwimm-WM lesen). Oder das Beispiel 'Pechstein'...
@Tisogno: Die Dopingfreigabe die Herr Harting vorschlägt ist ein ganz alter Hut und damit alles andere als eine neue Idee. Dabei hat er anscheinend überhaupt nicht nachgedacht in welchem Rahmen und mit welchen Folgen solch eine beschränkte Dopingfreigabe durchgeführt werden soll. Ich kann dem Kommentar von Herr Hahn nur zustimmen. Meiner Meinung nach ist es so offensichtlich dass eine Dopingfreigabe keine bestehenden Probleme löst sondern nur neue schafft, dass die immer neue Diskussion darüber endlich mal aufhören sollte.
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