Doping bei Olympia 30 alte Fälle

Viel Lärm um nichts: Die zunächst höchst brisante Meldung von mehr als 30 positiv getesteten und von den Winterspielen ausgeschlossenen Athleten erwies sich als Bluff.

Das Startverbot für über 30 Athleten bei den Olympischen Spielen in Vancouver hat sich als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entpuppt. Erst nach vielen bohrenden Fragen von Journalisten wurde am Tag vor dem Olympia-Auftakt Stück für Stück deutlich, dass am Ende nur viele alte Fälle addiert wurden, um glauben zu machen, dass Dutzende von Athleten von der Startliste gestrichen worden und die Spiele sauberer denn je seien.

Die Botschaft, die gesendet werden sollte, war laut WADA-Chef John Fahey jene: "Der Anti-Doping-Kampf ist erfolgreicher denn je, und in Vancouver werden deutlich weniger Betrüger starten als bei anderen Olymischen Spielen." Doch am Ende wurde deutlich, dass die Zahl der überführten Athleten sich in ganz normalen Dimensionen bewegt.

WADA-Generaldirektor David Howman räumte ein, dass auch ein Jahr alte Fälle darunter seien. Man durfte daraus schließen, dass auch die Affäre um die Berliner Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein mit eingerechnet war. Enthalten sind laut Howman in dieser Zahl auch rund ein Dutzend russische Fälle von 2009, so auch die von Skilanglauf-Olympiasieger Jewgeni Dementjew und Julia Tschepalowa.

WADA-Chef John Fahey hatte Minuten zuvor noch glauben gemacht, dass es sich bei dieser "außerordentlichen hohen Zahl an positiven Fällen" um Verstöße aus den letzten "Wochen und Monaten" handele, die zu einem kurzfristig erlassenen Startverbot geführt hätten. Er betonte, Namen könne man nicht nennen, da dies laut Statuten in die Hoheit der nationalen Verbände falle. Die Zahlen hatte am Vorabend IOC-Sprecher Mark Adams genannt und auf die WADA-Pressekonferenz am folgenden Morgen verwiesen.

Adams konnte ansonsten nur mitteilen, dass seit Öffnung des Olympischen Dorfes alle 554 Tests (407 Urin, 147 Blut) negativ gewesen seien. Insgesamt will die WADA in Vancouver 2000 Proben nehmen, davon 500 auf Blut.

In Zukunft will das IOC im Kampf gegen Doping verstärkt das Umfeld des Sportlers ins Visier nehmen. "Wenn ein Athlet erwischt wird, hat er in der Regel nicht alleine gehandelt", sagte Adams. Im Gespräch ist, dass Athleten künftig die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer auflisten müssen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach hatte schon seit Langem gefordert, dass "die Hintermänner des Dopings" zur Verantwortung gezogen werden müssen.