Diskussionen um Vorzeige-Skifahrerin Wie viel Höfl ist die Riesch?

Maria Höfl-Riesch ist eine Marke und sie fühlt sich wohl in der Welt des Glamours. Damit passt sie nicht mehr unbedingt zu ihren deutschen Kolleginnen. Der Verband soll bereits erwogen haben, ihr ein eigenes Team nahezulegen. Die Frage nach den Gründen und den Lehren dieser Saison führt unweigerlich zu ihrem Mann und Manager.

Von Michael Neudecker

Es war im Frühling des vergangenen Jahres, als Maria Höfl-Riesch über ihren Geldbeutel erzählte. Dass sie darin eine Plastikkarte mit den von der Anti-Doping-Behörde verbotenen Medikamenten trage, einen Faltkalender, ein Urlaubsfoto mit ihrem Mann und Manager Marcus Höfl, und, das auch, seine Visitenkarten. "Allen, die etwas von mir wollen", hat Maria Höfl-Riesch damals gesagt, "gebe ich die Karte von Marcus. Das bin quasi ich."

Ein wenig Sonne zum Saisonabschluss: Maria Höfl-Riesch mit Ehemann Marcus

(Foto: REUTERS)

Natürlich war das als Scherz gemeint, aber doch passt dieser Satz gut in diese letzten Wochen der alpinen Ski-Saison. Ist das nicht die Frage, um die sich in dieser Saison bei Maria Höfl-Riesch alles drehte? Wie viel Höfl ist die Riesch?

Maria Höfl-Riesch bestreitet am Wochenende die letzten beiden Rennen der Finalwoche in Schladming, so etwas wird gerne als Anlass genommen, zurückzublicken auf das, was war. Man könnte auf ihre Resultate blicken, ihre Ausfälle, aber auch ihre Siege, man könnte sagen: Sportlich gesehen war es ein Jahr mit Höhen und Tiefen für Maria Höfl-Riesch, sie hatte Probleme mit ihrem Körper, weshalb sie nicht unzufrieden ist, dass sie im Gesamtweltcup, den sie vergangenes Jahr gewonnen hat, Dritte ist.

Aber das ist so eine Sache: Kann man nur das Sportliche betrachten, wenn man auf das Jahr von Maria Höfl-Riesch schaut? Sie begreift sich doch selbst längst nicht mehr nur als Sportlerin.

Am Freitag verschickte Höfls Firma MHM einen Verweis auf die neue Homepage, auf der Startseite steht: "Es gibt wenige, die über ein solch großes Potential verfügen, dass sie die Besten werden können bei dem, was sie tun. Diejenigen, die dieses Ziel konsequent verfolgen und darüber hinaus noch mehr wollen, nämlich zu einer starken Marke werden, sind unsere Partner." Darunter ein Link zu den Klienten der MHM: "Marken".

Maria Höfl-Riesch ist eine Marke, das ist unbestritten. Sie mochte die Welt des Glamours und Glitzers schon immer, und jetzt ist sie eben regelmäßig in Bunte und Gala, erzählt über High Heels ("habe ich durch Marcus kennengelernt"), über Abendkleider und Schminke, aber das ist nicht der Kern des Konfliktfeldes, das es im Skizirkus zu geben scheint; High Heels gehören schließlich zum Frauensport, im Tennis ist das nicht anders. Der Kern liegt vielmehr in der Frage, wie Höfl und Höfl-Riesch innerhalb der Skiwelt auftreten - und welche Auswirkungen das auf den Sport hat.

Marcus Höfl selbst sieht das naturgemäß anders, er findet, gerade diese Frage sei ein reines Medienthema. "Manche Journalisten haben ein Problem mit Veränderungen", sagte Höfl am Freitag im Gespräch mit der SZ. Nun: Ungezählte Trainer, Funktionäre, Athleten und Athletinnen gaben immer wieder ungefragt kritische bis abfällige Kommentare zu diesem Thema ab, ohne dass sie öffentlich zitiert werden wollten.

Nicht einmal jene wollen das, die dem Skizirkus gar nicht mehr angehören. Stefan Krauß, ehemals Marketingchef des Deutschen Skiverbandes (DSV), der qua Funktion immer wieder inhaltliche Überschneidungen mit Höfl erlebte und vergangenes Jahr etwas überraschend kündigte und als Geschäftsführer zu infront Austria wechselte, lässt auf Anfrage lediglich wissen: Seine Zeit sei ihm "zu kostbar", um sich "mit diesem Thema und insbesondere Herrn Höfl zu beschäftigen".

Ralph Eder, Sprecher des Verbands, sagt nur: "Nach anfänglichen Irritationen sind wir jetzt auf einem guten Weg", er betont, dass "Irritationen" wertfrei gemeint sei. Der Verband ist bemüht, die Wogen zu glätten, man hat sich ausgesprochen, man will und muss noch zwei oder drei Jahre zusammenarbeiten.

Höfl sagt: Es gebe gar keine zu glättenden Wogen, die Zusammenarbeit mit dem Verband "war und ist sehr gut". Es sei "normal, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis sich Umstellungen einspielen". Außerdem: Bei der Amerikanerin Lindsey Vonn, der Schweizerin Lara Gut und der Slowenin Tina Maze sei alles viel extremer. Nur würde das die deutschen Medien eben nicht interessieren.

Die Medien sind schuld: Das ist die einfache Wahrheit, die sich Marcus Höfl und Maria Höfl-Riesch inzwischen zurechtgelegt haben. Es ist die alte Frage, wer zu verurteilen sei, der Verursacher der Nachricht oder ihr Überbringer.