Eine Zeile über Mohammed sorgt für Aufregung ums Schalke-Lied. Wie es entstand - und warum solche Texte weder wissenschaftlich noch politisch korrekt sein müssen.
"Es gibt Leute, die denken, Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist." An dieses berühmte Zitat von Bill Shankly, Trainer des FC Liverpool in den sechziger und siebziger Jahren, fühle ich mich erinnert, wenn ich die Diskussion um das angeblich an einer Stelle den Islam verhöhnende Vereinslied des FC Schalke 04 miterlebe und erleide. Als Erstes dachte ich an die Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen. Als ob es um einen Kampf der Kulturen gehe.
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Wegen einer Passage über den Propheten Mohammed gab es viel Aufregung um das Schalke-Lied. (© Foto: AP)
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Seit den siebziger Jahren fahre ich regelmäßig auf Schalke, habe unser Vereinslied "Blau und weiß, wie lieb ich dich" vor Spielbeginn ungezählte Male und mit Inbrunst gesungen. Und seit vielen Jahren ist dieses Lied mein Klingelton auf dem Handy. Ich habe die Liebe zum FC Schalke 04 von meinem Vater übernommen wie Millionen Anhänger zuvor und habe sie erfolgreich an zwei meiner drei Kinder weitergegeben (während das dritte Kind wenigstens Eintracht Frankfurt und nicht Borussia Dortmund anhängt).
Schalke 04, das ist kein normaler Fußballklub. Das ist Tradition mit den Erfolgen der Vergangenheit, das ist die seit einem halben Jahrhundert ungestillte Sehnsucht nach der achten Deutschen Meisterschaft. Zur Tradition dieses Klubs gehört auch eine Zuneigung der Anhänger, die manchmal fast religiöse Züge annimmt. Die Aufs und Abs des Klubs treiben uns alle um, nie aber könnten die Abs uns dazu bringen, dem Klub ade zu sagen.
Als Jugendlicher miterleben zu müssen, dass auch Schalke 04 mit allen damaligen Lieblingen 1971 in den Bundesliga-Skandal verstrickt war, und wie man sich damals attackiert fühlen musste - das tat richtig weh. Wie uns die Meisterschaft 2001 durch einen völlig ungerechtfertigten Freistoß des FC Bayern in der letzten Spielsekunde beim Hamburger SV weggenommen wurde - selten haben wir so gelitten. Dass ausgerechnet Gazprom Hauptsponsor des Klubs wurde: Es verursachte schon leichte Bauchschmerzen. Eine gewisse Leidensfähigkeit gehört für einen Schalke-Fan einfach dazu.
Und zu unserer Tradition gehört auch und gerade unser Vereinslied. Es ist Teil der Seele des Vereins. In ihm wird mit Inbrunst besungen, dass dieser Verein niemals untergehen wird, weil - wie es im Text heißt - "tausend Freunde zusammenstehn".
Zu ihnen gehören längst auch viele türkische Muslime, für die das Vereinslied ebenfalls selbstverständlicher Teil der gewachsenen Fankultur ist, und die - wie ich, der Enkel eines deutschen Bergmanns - niemals auf den Gedanken gekommen wären, bei der diskutierten Stelle handele es sich um eine Beleidigung Mohammeds. Darüber habe ich mir auch niemals überhaupt Gedanken gemacht, obwohl ich einen Beruf ausübe, in dem man täglich mit Begriffen umgehen muss: sorgsam, abwägend und manchmal auch auf die Goldwaage legend.
Auf der nächsten Seite: Wie der Textdichter auf die Liedzeilen kam und warum es absurd ist, aus der sinnfreien Textpassage einen Kulturkampf entfachen zu wollen.
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muss man selbst als Linker dem Sprecher von Herrn Koch zustimmen. Hier zum Beispiel.
Leute, die einen Kulturkampf wollen, lassen sich aber nicht davon abhalten, immer neue Gründe dafür zu suchen, seien sie noch zu absurd. Der nächste "Skandal" kommt bestimmt.
Ostfriesen, Holländer, Moslems .... nur eben, genau jene, an die Sie jetzt geade noch dachten, die darf man natürlich nicht. Das wäre dann echt unschicklich.
Paging