SZ: Versuchen wir es so: Ihr Nachfolger Michael Preetz wurde vom Hertha-Präsidenten mithilfe eines Assessment Centers auf seine Führungstauglichkeit hin geprüft. Sie entscheiden - ähnlich wie Ihr Bruder - mehr aus dem Bauch heraus. Wie altmodisch!

Anzeige

Hoeneß: In der Wirtschaft ist so ein Assessment Center schon ein sinnvolles Verfahren, vor allem bei Leuten, die von außen kommen. Die man nicht kennt.

SZ: Michael Preetz war bei Hertha BSC seit mehr als zehn Jahren bekannt.

Hoeneß: Ich möchte diese Details wirklich nicht kommentieren. Ich habe mich bei Hertha aus der Frage, mit welchen Verfahren man meine Nachfolge regelt, bewusst immer rausgehalten.

SZ: Ihr Bruder Uli hatte als Bayern-Manager 29 Dienstjahre auf dem Buckel, ehe er ins Präsidenten-Amt wechselte. Sie sind nun fast 18 Jahre im Geschäft. Elf bräuchten Sie noch, um ihn einzuholen. Das wäre dann die Rente mit 68.

Hoeneß: Das ist nicht das Ziel. Mein Vertrag mit dem VfL wird bis zum 30. Juni 2013 laufen, also dreieinhalb Jahre. Jetzt darüber hinaus zu denken, ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn.

SZ: Etwas scheint die Familie Hoeneß resistent zu machen gegen den Trend, dass sich immer mehr Klubs von smarten Jungmanagern leiten lassen. Jan Schindelmeiser in Hoffenheim, Martin Bader in Nürnberg...

Hoeneß: Die Genannten werden ja auch mal 15 oder 20 Jahre auf dem Buckel haben. Ich glaube, wir sehen derzeit einen Generationswechsel mit den Abschieden von Assauer, Calmund, Uli Hoeneß. Das ist ein Prozess, kein Trend.

SZ: Es ist auch eine Typenfrage. Die Vermarkter mit BWL-Abschluss werden wichtiger.

Hoeneß: Na ja. BWL lernt man im Leben. Uli und ich kommen aus einer kleinen Stadtteilmetzgerei, in der musste man kämpfen, damit man ordentlich leben konnte. Da ist dir täglich vorgeführt worden, wie du Verhandlungen führen musst. Das ist mehr wert als 15 Semester BWL, die man nicht richtig einsetzt.

SZ: Sie wollten nach Ihrer aktiven Karriere nicht sofort Manager werden.

Hoeneß: Weil ich mich damals nicht bereit gefühlt habe. Ich habe erst praktische Berufserfahrungen bei Commodore (ein Computer-Unternehmen; d. Red.) gesammelt, dann habe ich mit Manni Müller (ehemaliger Torwart des FC Bayern) zusammen TV-Produktionen gemacht. Das Spektrum, das ich abgedeckt habe, ist riesengroß. Das hat mich geprägt.

SZ: VW-Chef Winterkorn ist auch Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern und ein Vertrauter Ihres Bruders. Hat diese Beziehung bei Ihrer Verpflichtung eine Rolle gespielt?

Hoeneß: Definitiv nicht. Als der Kontakt hergestellt wurde, hat der Uli das zunächst nicht erfahren. Es gibt Dinge, die man erst mal für sich behält. Als es dann konkret wurde: Da tausche ich mich mit dem Uli natürlich aus.

SZ: Sie waren auch als Nachfolger Ihres Bruders beim FC Bayern im Gespräch. Wäre das nicht die Gelegenheit gewesen, in Ihre Lieblingsstadt München zurückzukehren?

Hoeneß: Aktuell war das kein Thema. Vor fünf Jahren habe ich mich damit auseinandergesetzt, damals habe ich geschwankt, und es wäre verlockend gewesen. Uli wollte ja ursprünglich schon 2006 aufhören und hat das Thema an mich herangetragen. Aber ich habe mich dann für einen erneuten Fünf-Jahres-Vertrag bei Hertha entschieden, weil der Klub in einer kritischen wirtschaftlichen Phase war und ich ihn nicht so hinterlassen wollte. Und noch aus einem weiteren Grund: Ich habe überlegt, ob es überhaupt möglich ist, aus dem Schatten von Uli beim FC Bayern herauszutreten, der den Verein geprägt hat wie kein Zweiter. Das ist jetzt ja auch die große Herausforderung für Christian Nerlinger.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. "Wenn ich einen Raum betrete, bin ich auch da"
  2. "Die Champions League kam sicher zu früh"
  3. Sie lesen jetzt "BWL lernt man im Leben"
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 16.01.2010/dop)