Diego führt Wolfsburg zum 3:1 gegen Bayer Jubelnd an die Brust des neuen Mentors

Unter Felix Magath war er frustriert, jetzt zeigt er wieder großen Fußball: Wolfsburgs Spielmacher Diego glänzt beim 3:1 gegen Leverkusen mit zwei Treffern und einer inspirierten Leistung. Bei den Gästen offenbart sich, dass der Mannschaft derzeit einfach zu viele prägende Spieler fehlen.

Herkommen! Drücken lassen: Lorenz-Günther Köstner und Diego, der beste Wolfsburger an diesem Tag. 

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Ein paar Charaktertests haben die Spieler von Bayer 04 Leverkusen zuletzt bestanden, mit Widerstandsfähigkeit und auch ein wenig Glück waren zwölf Pflichtspiele ohne Niederlage zusammengekommen, darunter das schmucklose 3:0 vom Donnerstag in der Europa League gegen Rapid Wien. Die schöne Serie endete am Sonntag jäh im 13. Spiel, im Duell der Betriebssportgruppen der Bundesliga: 1:3 (0:3) hieß es nach einer trotz aller Verletzungsprobleme unbefriedigenden Leistung der Rheinländer beim VfL Wolfsburg.

Leverkusen rutschte damit aus den Champions-League-Rängen und muss nun nächsten Samstagabend gegen den Zweiten Schalke 04 den Anschluss an die Spitze wieder herstellen. Der frischer wirkende VfL, weiter Tabellen-16., kam zum zweiten Erfolg im dritten Ligaeinsatz unter Trainer Lorenz-Günther Köstner, der in der Autostadt immerhin die Türen geöffnet hat für ein wenig Frischluft nach der offenbar erdrückenden Regentschaft des Zuchtmeisters und Spielermaklers Felix Magath.

"Personell sieht es etwas dünn aus bei uns", hatte Bayer-Trainer Sascha Lewandwski vor dem Anpfiff vermelden müssen, und das stimmte: Ein Septett fehlte Leverkusen beim VfL: Nach Leno (Ellenbogen), Rolfes (Sperre), Kadlec (Knie), Bellarabi (Schambein) und Schwaab (Bänderriss) mussten vor der Abreise auch die zuletzt starken Sam (Muskelverletzung, längere Pause) und Toprak (Rücken) passen. Es war dann eine Standardsituation, die den in englischen Wochen beanspruchten Gast gleich ins Hintertreffen brachte.

Feintechniker Diego nutzte in der vierten Minute einen Freistoß aus gut 20 Metern zum 1:0, Leverkusens Torwart, Leno-Ersatz Rensing, blieb dabei seltsam regungslos. Diego, unter Magath am Ende wieder verbannt gewesen, eilte jubelnd an die Brust Köstners, seines neuen Mentors. Ein wenig Personalpolitik kann ja wohl nicht schaden angesichts der vielen Debatten beim VfL und in Bremen.

Leverkusen kontrollierte danach gut zehn Minuten das Geschehen, ohne sich aber Torchancen zu erarbeiten. Die erste Kombination des VfL führte vielmehr zum 2:0, wieder durch Diego: Olic setzte sich auf seinem linken Flügel durch und spielte Mittelstürmer Dost an, dem gegen Wollscheid eine hochwertige Ablage auf den Regisseur gelang - der nachstoßende Brasilianer ließ Rensing keine Chance (16.). Kießling hatte darauf zwar die Chance auf den Anschluss, als er nach Schürrles Vorarbeit aus vollem Lauf an Benaglio scheiterte (22.). Doch der VfL verschob geschickt und lauerte auf Konter, einer entschied zeitig das Spiel: Diego setzte Schäfer ein, nach der Hereingabe kam der Holländer Dost erneut vor Wollscheid an den Ball (33.).

Nach der Pause gab Linksverteidiger Boenisch sein Debüt für Bayer, auch der lange verletzte Renato Augusto kam. Boenisch führte sich mit Trikotzupfern ein und sah Gelb; Augusto traf mit einem scharfen Eckball die Latte (81.). Sein Team dominierte die zweite Hälfte, es kämpfte und zeigte ein wenig Charakter; Kießling gelang in der Schlussminute das 1:3, sein siebter Treffer, aber die Partie war gelaufen. Manager Rudi Völler gab sich nachsichtig: "Wir verbuchen das nach den anstrengen letzten Wochen als Ausrutscher."