Von Senta Krasser

Unterhaltung im Abseits: Auch Frauen gucken lieber Fußball

Mehr als 20 Millionen Menschen haben am Freitag im ZDF das WM-Eröffnungsspiel der deutschen Elf gesehen. Und es ist wirklich keine Überraschung, dass mit dem Anpfiff Daily Soaps und Telenovelas ihr Quoten-Waterloo erlebten: Lenßen & Partner (Sat 1), Marktführer um 18 Uhr, gab fast drei Millionen Zuschauer ab.

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Da sage noch einer, Frauen würden sich nicht für Fußball begeistern. (© Foto: dpa)

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Verbotene Liebe (ARD), sonst mit rund 15 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen dabei, verschlechterte sich auf drei Prozent, und die dauerschwache Lotta (Pro Sieben) erreichte mit zwei Prozent ihren Tiefpunkt.

Ein schwacher Trost: Haben die Deutschen spielfrei wie am Montag, halten Serienfans wieder die Treue: Gute Zeiten, schlechte Zeiten (RTL) erreichte mit 22,2 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe beinahe wieder die übliche Marke.

Größte WM-Verlierer sind jene Programme, die eher von Männern eingeschaltet werden. Der Marktanteil vom Pro-Sieben-Magazin Galileo sackte am Freitag beim Gesamtpublikum von regulär rund 10 auf 1,4 Prozent.

Was nicht heißt, dass alle Männer nur noch Fußball gucken und Frauen sich mit Schnulzen wie Antonia (Sat 1) trösten. "Frauen haben die Gabe, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden", sagt ARD-Quotenforscher Camille Zubayr.

Männer verfolgen also jeden noch so öden Bundesliga-Kick, Frauen schauen dagegen erst Fußball, wenn es um die Wurst geht. So stand das Verhältnis Frau/Mann beim Eröffnungsspiel 47 zu 53 Prozent - ähnlich wie bei früheren Weltmeisterschaften.

Fragt sich, wie sich die bis zu sechs Millionen Fußballverweigerer, von denen immerhin 30 Prozent männlich sein sollen, anderweitig amüsieren. Sie tun es ausgewogen: bei Serien, Krimis, Volksmusik und Quizshows.

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(SZ vom 14.6.2006)