Interview: Andreas Burkert

Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France, kündigt die Zusammenarbeit mit dem Radsport-Weltverband auf und spricht über die Veränderungen bei der Tour.

Christian Prudhomme tippt sein Gegenüber ständig an, damit dieser auch wirklich versteht, was er meint. Der Direktor der Tour de France war in diesem Jahr erstmals allein für das Rennen verantwortlich - und nun steht auch er trotz zahlreicher Initiativen im Antidoping-Kampf in der Kritik wegen der Skandale um Winokurow oder dem späten Abschied des Dänen Rasmussen, der als Träger des Gelben Trikots suspendiert wurde. Dabei könne er nichts dafür, sagt der 46-jährige Familienvater aus Lille, der zuvor 18 Jahre lang Frankreichs beliebteste Sportsendung beim Staatskanal "France 2'' moderiert hat. Schuld an der ganzen Misere sei die UCI, und so wird das Gespräch zur regelrechten Abrechnung mit dem Weltverband: Prudhomme kündigt der UCI die Zusammenarbeit auf.

Christian Prudhomme

Christian Prudhomme: Versuch, die Tour zu retten. (© Foto: dpa)

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SZ: Monsieur Prudhomme, vor drei Wochen haben wir in London zusammengesessen, weil wir hören wollten, wie Sie die Tour zu retten gedenken . . .

Prudhomme: . . . ja, und ich habe gesagt, ich sei nicht Red Adair (weltberühmter Spezialist fürs Löschen von Großbränden, d.Red). Dabei hätte ich ein Adair sein müssen, um diese Tour zu retten. Aber es war leider unmöglich.

SZ: Roger Legeay, der Manager von Crédit Agricole, ist der Ansicht, diese Tour sei restlos zerstört und wertlos.

Prudhomme: Ich finde, man muss die Tour jetzt nicht noch schlechter machen, als sie schon ist.

SZ: Auch die deutschen Staatssender ARD und ZDF haben sich von den Live-Übertragungen verabschiedet. Hat der frühere Fernseh-Kollege Prudhomme Verständnis dafür?

Prudhomme: Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Denn wenn man davonläuft, macht man es sich sehr einfach. Und es ändert sich damit auch gar nichts, nicht im Radsport und nicht im Sport insgesamt. Und hat es vor einem Jahr bei der Fußball-WM in Deutschland ARD oder ZDF interessiert, dass es dort keine einzige Blutkontrolle gab? Zero, null! Nein, hat es nicht. Hier gab es 120 Bluttests, damit haben wir Winokurow gefangen. Bei der Tour ist nicht alles schlecht.

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