Die schönsten Schwalben Wochen des Fliegens

Die Schwalbe in der Literatur, auf dem Feld und als Geschenk des Himmels

Von Christian Zaschke

Zum Thema Schwalbe hat die Literatur einiges zu bieten, so heißt es zum Beispiel in der Chemnitzer Rockenphilosophie: "Wer eine Schwalbe todtschlägt, verursacht vier Wochen anhaltenden Regen." Das bedeutet, dass in Hamburg in beunruhigender Regelmäßigkeit Schwalben totgeschlagen werden, denn bekanntlich regnet es in Hamburg immer (daher fahren viele Hamburger oft in Richtung Norden, passieren die Wetterscheide bei Neumünster und erreichen bald ihre in Dänemark vertäuten Boote. In Dänemark scheint bekanntlich immer die Sonne).

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In den Weiten des Internets findet sich zum Thema zudem ein Hinweis aus Dönhöffstädt: Man solle sich, wenn man im Jahr die erste Schwalbe sieht, schnell waschen und abtrocknen. Ist die Schwalbe dann noch zu sehen, so werde man seiner Sommersprossen ledig oder bleibe von Sommersprossen gänzlich verschont.

Als die Hamburger am Samstag der ersten Schwalbe angesichtig wurden - Mehdi Mahdavikia war durch den Dortmunder Strafraum geflogen - wuschen sie sich nicht und trockneten sich folglich auch nicht ab, was wiederum daran lag, dass sie gerade andere Sorgen haben als Sommersprossen. Sie sahen die Schwalbe als ein Geschenk des Himmels, denn der Schiedsrichter honorierte Mahdavikias Flug mit einem Elfmeter, den Rafael van der Vaart zur Führung für den HSV nutzte. Mahdavikia selbst wurde später noch reicher belohnt, als er nach einer hübschen Einlage von Dortmunds Tormann Roman Weidenfeller das 3:0 erzielen konnte.

"Die Schutzschwalbe"

Die noch immer legendärste Schwalbe hat Andreas Möller hingelegt, der sich einmal fallenließ, als sein Gegenspieler noch eine gute Tagesreise von ihm entfernt war. Möller erläuterte später, es habe sich um eine "Schutzschwalbe" gehandelt, weil er fürchtete, sein Gegenspieler (Dirk Schuster vom Karlsruher SC) könnte die Entfernung schnell überbrücken und ihn dann umtreten.

Selbstverständlich ist es höchst unsportlich, sich einfach fallenzulassen, um einen Vorteil zu gewinnen. Doch in gewisser Weise war auch Mahdavikias Flug eine Schutzschwalbe, denn anders war dem HSV nicht mehr zu helfen. Und da bekanntlich eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, sind beim HSV nun die Wochen des Fliegens einleitet.