Die Karriere danach Mike Tyson versucht es mit einer Marihuana-Plantage

Neue Geschäftsidee: Mike Tyson ist nun Besitzer einer 16 Hektar großen Marihuana-Plantage in Kalifornien.

(Foto: Getty Images)
  • Expertenjobs und Trainerposten galten lange Zeit als klassische Berufsfelder für die zweite Karriere. Mittlerweile sind die Ideen vielfältiger.
  • Auch Ex-Weltmeister Mike Tyson wagt sich nach dem Ende seiner Box-Karriere an neue Projekte - und investiert in eine Cannabis-Plantage.
Von Benedikt Warmbrunn

In dem an Skandalen nicht armen Leben des Mike Tyson gehört eine Episode aus dem Oktober 2000 allenfalls zu den Skandälchen. Tyson war auf dem Weg zu einem weiteren Kampf um die Box-WM im Schwergewicht, wenige Minuten zuvor hatte er gegen Andrej Golota gewonnen. Als Tyson zurück in der Kabine war, stand die Dopingkontrolle an. Und Tyson war sauer. Nicht wegen der Kontrolle, darauf hatte er sich vorbereitet. Er war zwar nicht sauber geblieben, in den Wochen zuvor hatte er gelegentlich gekifft. Vorbereitet war er, weil ein Mitarbeiter eine Penisattrappe mit sauberem Urin dabei hatte. Aber ausgerechnet jetzt fand er den Mitarbeiter nicht.

Tyson musste ohne Penisattrappe zur Dopingkontrolle, er wurde positiv getestet. Der Kampf gegen Golata wurde aus der Wertung genommen. Gesperrt wurde Tyson allein deshalb nicht, weil er 200 000 Dollar für einen guten Zweck spendete, so läuft das im Profiboxen.

Die Sitten verlottern

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Wenn die zweite Karriere von den Fehlern der Vergangenheit profitiert

Jahrelang war Tysons Leben eine Flucht vor den eigenen Dämonen gewesen, das Boxen war die erfolgreichste Flucht, aber schon in jungen Jahren bekämpfte er seine Ängste auch mit Drogen. In seiner Autobiografie "Undisputed Truth" schrieb er, dass er schon als Kleinkind Alkohol bekommen habe; Kokain habe er erstmals als Elfjähriger geschnupft. In den Griff bekam Tyson sich selbst erst, als er mit dem Boxen aufgehört hatte. Er züchtete Tauben, schrieb Bücher, wurde Veganer, machte Erziehungstherapien, ging mit seiner Geschichte über die eigenen Schwächen an den Broadway und auf Tournee. Er, der als Sportler immer ein Antiheld war, wurde nach dem Karriereende zu einem positiven Beispiel.

Ob Fußballer, Leichtathlet oder Boxer - der größte Kampf ist für viele die Zeit nach der Zeit als Sportler. Dann, wenn es keinen Applaus mehr gibt. Wenn kein Fernsehreporter mehr wissen will, wie sich irgendetwas anfühlt. Dann, wenn all die Helden feststellen, wie gewöhnlich das Leben als Mensch auch sein kann.

Jahrzehntelang wurden ehemalige Profis häufig Trainer, Manager, Experte, Kioskbesitzer oder Alkoholiker, nur selten ließ einer auf seine erste eine zweite erfolgreiche Karriere folgen. In den vergangenen Jahren jedoch sind viele kreativer geworden. Marcell Jansen verkauft Kompressionsstrümpfe, Maximilian Beister (der gerade als Fußballprofi pausiert) erfand den Snaxcup, einen Becher mit aufgesetztem Teller. Magdalena Neuner betreibt eine Homepage mit "ausgewählter Strickmode zum Ausdrucken, Sammeln und Nachstricken". Unter den Boxern war am einfallreichsten bisher George Foreman, von dessen fettreduzierendem Grill mehr als 100 Millionen Exemplare verkauft wurden. Dann allerdings hatte zum Jahreswechsel Mike Tyson wieder eine Idee.

Der 51-Jährige, dem die Drogen so viele Probleme bereitet haben, hat sich in der Mojave-Wüste in Kalifornien mit Geschäftspartnern ein 16 Hektar großes Grundstück gekauft. Auf der "Tyson Ranch" soll eine Marihuana-Plantage entstehen, die Pflanze soll dort nicht nur gezüchtet, sondern auch wissenschaftlich erforscht werden; zum Jahresbeginn wurde Marihuana in Kalifornien legalisiert. Es ist eine extravagante Idee, es ist aber auch konsequent für eine zweite Karriere, die aus den eigenen Schwächen eine gute Einnahmequelle gemacht hat.

Das Beispiel von Tyson zeigt also, dass auf die ruhmvolle erste Karriere kein ewiges Loch folgen muss. Nicht nur in Kalifornien dürfen Ex-Sportler immer kreativer sein. Auch um die Zukunft von Lukas Podolski muss sich niemand Sorgen machen. Podolski spielt zwar noch Fußball, in Japan, er hat aber schon vorgesorgt. In Köln, wo er bereits eine Eisdiele und einen Klamottenladen betreibt, wird er am Samstag einen Döner-Imbiss eröffnen.

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