Zum Abschluss des Länderspiel-Jahres 2006 will die deutsche Elf den guten Eindruck bestätigen.
Aufgaben wie das EM-Qualifikationsspiel in Nikosia gegen Zypern findet Michael Ballack ,,notwendig und schön'', was man verstehen kann: Es ist angenehm für einen Nordeuropäer, mitten im November bei Sonnenschein in einem Garten unter Palmen zu sitzen und Vogelgezwitscher zu hören, gelegentlich garniert von diesen leicht hysterisch klingenden Ambulanzsirenen, die im Süden typisch sind. Und Zypern mit seiner levantinischen, quirligen Atmosphäre ist selbst für weitgereiste Nationalspieler noch eine neue Erfahrung.
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Darüber hinaus sind solche Reisen aber auch ein bisschen lästig: Den Spielern, weil sie gegen Ende eines besonders intensiven Jahres auch gern mal eine Pause machen würden. Und erst recht den Vereinen, die noch mehr als sonst in Sorge geraten um ihr kickendes Kapital, weshalb in der Bundesliga mal wieder, wenngleich wenig gehaltvoll, über die notwendige Anzahl der Länderspiele und die Anrechte des DFB diskutiert wird.
Die Folgen der Hochbelastung im Super-Fußballjahr 2006 lassen sich ja sogar an jugendlichen Spielern wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger ablesen, obwohl man bei ihnen annehmen möchte, sie könnten niemals ermüden an ihrem Sport. ,,Aber das ist doch vollkommen normal'', sagt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, ,,wenn man sich Schweinsteiger anschaut: er spielt alle drei Tage und hat keine Zeit zu regenerieren, nicht mal zu einem Mini-Aufbau.''
Tatsächlich glichen seine Leistungen beim FC Bayern zuletzt eher einem auf Verschwinden zielenden Abbau. Am Samstag in der Partie gegen Leverkusen, als Schweinsteiger obendrein als Spielgestalter im Zentrum Entscheidendes inszenieren sollte, begleitete die Erschöpfung jeden Schritt.
Ballack lobt die Kollegen
Bei der Nationalmannschaft ist man jedoch zuversichtlich, Schweinsteiger noch mal für ein starkes Spiel gewinnen zu können. Hinter vorgehaltener Hand wird sogar ganz entschieden die Prognose verbreitet, dass der Mittelfeldspieler am Mittwoch im Nationalstadion von Nikosia gegenüber seinen jüngsten Auftritten im Bayern-Trikot nicht wiederzuerkennen sein werde. Beim DFB-Eliteteam glaubt man mittlerweile, manche Dinge besser zu machen als die Betriebsleiter der Bundesliga.
Aus dieser Überzeugung spricht ein starkes Selbstbewusstsein, wie es die Nationalelf und ihre Verantwortlichen viele Jahre nicht besessen haben. ,,Diese Phase, die mit der WM begonnen hat, ist sehr, sehr gut'', sagt Michael Ballack, ein Spieler, der nicht zum Schwärmen neigt. ,,Sie ist konstant. Da ist eine klare Entwicklung zu erkennen'', fügt er hinzu, ,,und das war in der Vergangenheit nicht so. Da gab es jedes Mal Rückschläge und Durchhänger.'' Von den 17 Spielen im Jahr 2006 hat Deutschland 14 gewonnen, die beiden Niederlagen stammen aus den Partien mit Italien, das einzige Remis passierte gegen Japan. ,,Das ist das letzte Spiel im Jahr, da kann man mit einem Sieg den guten Eindruck bestätigen und in die Winterpause mitnehmen'', verlangt der Kapitän.
Damit Ballacks frommer Wunsch in Erfüllung geht, hat sich der Bundestrainer Joachim Löw nach eigenem Bekunden ,,noch mehr als sonst'' auf den Gegner vorbereitet. Sein Chefscout Urs Siegenthaler hat Dossiers in Bildern und Schriften erstellt, und nach stundenlanger Analyse ist der deutsche Trainerstab nun offenkundig minutiös orientiert über die Hausherren. ,,Bei schnellen Doppelpässen bleiben sie oft stehen und gucken hinterher'', weiß beispielsweise Löws Assistent Hans Flick zu verraten, und dass schnelle Flügelläufe ebenfalls ein gutes Mittel seien, um den spielstarken, aber defensiv anfälligen Gegner zu treffen.
Während in der Deckung wieder Per Mertesacker einrückt und sich um den gefährlichsten Zyprer kümmert - Angreifer Konstantinou -, überlegt Löw noch, ob er im Mittelfeld den schnellen David Odonkor auf der rechten Flanke postiert oder den viel weniger schnellen Thomas Hitzlsperger auf der linken (und dann Bastian Schweinsteiger auf rechts versetzt). Ob Oliver Neuville oder Mike Hanke den verletzten Lukas Podolski ersetzen, ist einstweilen auch noch nicht annonciert. Auf jeden Fall hat Löw bereits eine Vision von der Partie. ,,Mein Gefühl sagt mir, dass wir nicht mit dieser Euphorie spielen werden wie in der Slowakei'', sagt er, was zunächst mal schade ist, denn in Bratislava hatte der Aufschwung der deutschen Mannschaft den vorläufigen Höhepunkt erfahren.
Diesmal ist aber wohl eher kühle Effizienz gefragt, glaubt Löw und verlangt von seiner Elf eine ,,Organisation wie ein Schweizer Uhrwerk: klar strukturiert und sehr seriös''. Was die Seriosität betrifft, ging Löw mit gutem Beispiel voran: Nachdem er die Zyprer zunächst aufs Höchste gelobt hatte (weit über Rudi Völlers These von den verschwundenen Zwergen hinausreichend), gestand er: ,,Die Aufgabe ist schwierig, aber lösbar. Wir wollen sie ja nicht stärker machen als sie sind.''
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(SZ vom 15.11.2006)
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