DHB-Pokal Ist Handball zu kompliziert für seine eigenen Schiedsrichter?

Wegweisende Entscheidung: Timm Schneider sieht die Rote Karte und es gibt Strafwurf

(Foto: imago/foto2press)
  • Weil die Schiedsrichter eine Regel anwenden, die nur in der Liga gilt, wird ein Achtelfinale im DHB-Pokal wiederholt.
  • Am Abend treffen die Rhein-Neckar Löwen deshalb erneut auf die MT Melsungen.
  • Der eigentliche Verlierer hat nun leichte Vorteile.
Von Saskia Aleythe

Aus der Halle kamen sie nur noch mit Personenschutz. Schiedsrichter zu sein, kann eine undankbare Sache sein, vor allem im Handball: So viele Regeln, so viel Ermessensspielraum, so viel Abwägung in kürzester Zeit - und so viele Gefühle um einen herum. Der 16. Dezember 2015 endete für die Referees Christoph Immel und Ronald Klein im Chaos. Eine falsche Entscheidung, tobende Spieler und dann sogar das: Wegen dieses letzten verheerenden Pfiffs gibt es an diesem Mittwochabend ein Wiederholungsspiel. Das ist so noch nie passiert.

Viertelfinale im DHB-Pokal, es steht 21:21 zwischen der MT Melsungen und den Rhein-Neckar-Löwen, nur noch sieben Sekunden zu spielen. Melsungen misslingt der Angriff, der Schiedsrichter entscheidet auf Ballbesitz Rhein-Neckar Löwen. Timm Schneider, Handballer im Dienste der MT Melsungen, will den schnellen Angriff der Gegner verhindern und eine Verlängerung erzwingen. Er schnappt sich unerlaubt den Ball, läuft zwei Schritte, lässt ihn los. Dann wird es kurios.

Die Schiedsrichter zeigen Schneider Rot, zusätzlich gibt es Siebenmeter für die Rhein-Neckar Löwen. Nationalspieler Uwe Gensheimer versenkt ihn in der allerletzten Sekunde zum 22:21. Nix Verlängerung, Melsungen ist raus aus dem DHB-Pokal. Der Verein wütet. Denn: Den Strafwurf hätte es so nicht geben dürfen.

Das Eigenartige ist aber auch: Der Strafwurf wäre vollkommen in Ordnung gewesen, hätte die Partie nicht im DHB-Pokal stattgefunden. Die angewandte Regel gibt es seit Beginn der laufenden Saison in der ersten und zweiten Bundesliga. Begeht ein Spieler in den letzten 30 Sekunden einer Partie eine Regelwidrigkeit, wird er nicht nur persönlich bestraft, sondern auch mit dem Siebenmeter für den Gegner. Damit soll genau das unterbunden werden, was Schneider im Sinn hatte: den letzten, entscheidenden Angriff unfair zu verhindern.

Den Schiedsrichtern wurde der falsche Wettbewerb zum Verhängnis. Melsungen legte Protest gegen die Entscheidung ein, drei Tage später gab das Bundessportgericht dem Verein recht. Die Partie muss wiederholt werden.