DFL Fußball-Bundesliga: Zentralvermarktung bleibt!

  • An der Verteilung der TV-Erlöse unter den Fußballklubs der ersten und zweiten Bundesliga soll nicht gerüttelt werden. Das beschloss der Ligaverband, ein Zusammenschluss aus den 36 Klubs.
  • Obwohl der FC Bayern München mit den geringen Einnahmen hadert, kann der Rekordmeister seine Heimspiele damit auch weiterhin nicht selbst vermarkten.

Die Führung der Deutschen Fußball Liga (DFL) will nicht von der Zentralvermarktung der Medienrechte abrücken und hat die Profivereine zur Geschlossenheit aufgefordert. "Wir haben unsere Einschätzung mitgeteilt, dass die Liga bei dem Thema ein einheitliches Bild abgeben soll. Unsere Partner erwarten Sicherheit und Verlässlichkeit", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach der Mitgliederversammlung der 36 Erst- und Zweitligisten am Mittwoch in Frankfurt.

Er ermahnte alle Beteiligten, die Diskussion über einen Verteilerschlüssel erst zu führen, "wenn bekannt ist, wie hoch die nationalen und internationalen Erlöse des neuen TV-Vertrages sind". Im Vorfeld des Treffens hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit einigen Äußerungen für Wirbel gesorgt. Er forderte künftig jährliche Einnahmen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro aus dem TV-Vertrag und eine Veränderung der Verteilermechanismen.

"Es ist uns bisher immer gelungen, einen Verteilerschlüssel zu finden, der den unterschiedlichen Interessen gerecht wird", konterte Seifert. Und Ligapräsident Reinhard Rauball ergänzte: "Wir haben empfohlen, dass sich alle Beteiligten diszipliniert äußern."

Bei der Zentralvermarktung der Medienrechte verhandelt einer für alle Vereine - bei der Bundesliga ist das die Deutsche Fußball Liga. Sie kassiert das Geld von Sky, ARD & Co., um es anschließend an die Clubs zu verteilen. Bei der Einzelvermarktung würde jeder Verein alleine verhandeln und kassieren.

Meister FC Bayern München hat in der abgelaufenen Saison aus der Zentralvermarktung 50,605 Millionen Euro erhalten. Branchenkenner schätzen, dass der Rekordmeister pro Jahr 200 Millionen Euro kassieren könnte, wenn er seine Medienrechte individuell aushandeln könnte. Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat diese Summe schon genannt. Bei einer Einzelvermarktung könnte jeder Club seine 17 Heimspiele an einen Sender seiner Wahl verkaufen.

Der FC St. Pauli hatte seinen Antrag, wonach die "Werksklubs" zukünftig nicht mehr an den TV-Erlösen beteiligt werden sollen, bereits vor der Sitzung zurückgezogen. Manager Andreas Rettig hat sich selbstkritisch gezeigt. "Nach Gesprächen am Dienstagabend haben wir festgestellt, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war", sagte Rettig nach der Sitzung in einem Frankfurter Hotel und meinte: "Wir haben leider festgestellt, dass die Solidarität zwischen erster und zweiter Liga auf dem Spiel steht. Um Ruhe hereinzubringen, haben wir uns entschieden, den Antrag zurückzuziehen."

Dieser hatte vorgesehen, die Erstligaklubs Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim und Hannover 96 von der Verteilung der TV-Gelder auszunehmen. "Unsere einzige Motivation war die Stärkung der 50+1-Regel. Das war der Geist unseres Antrags. Das ist ein hohes Gut. Deshalb kämpfen wir auch weiter dafür", betonte Rettig, der glaubt, dass viele das Ansinnen der Hamburger falsch verstanden hätten. Deshalb habe er sich auch gefreut, "dass es für unseren Grundgedanken Zustimmung gab - auch aus der ersten Liga".

In allen großen Fußball-Ligen wird zentral vermarktet, außer in Spanien. In der Primera División haben die Vereine ihre Fernsehverträge zuletzt noch individuell ausgehandelt. Real Madrid und der FC Barcelona bekommen derzeit noch zusammen knapp 40 Prozent der Gesamteinnahmen von geschätzten 755 Millionen.

Seit dem 30. April gilt in Spanien ein Dekret über den zentralisierten Verkauf der TV-Rechte ab der Saison 2016/17. Für eine Regulierung waren auch Real und Barça eingetreten, weil sie sich von einem Verkauf der Rechte als Paket selbst bei einer ausgeglicheneren Verteilung mehr Geld erhoffen.