DFB Vorsicht, Fallhöhe

Die deutsche Mannschaft, Titelfavorit, weiß um die Bedeutung des ersten Spiels: Gewannen die Deutschen zum Auftakt, holten sie stets den Pokal.

Von Anna Dreher, Utrecht

Wer im Frauenfußball die Gewinner der vergangenen Europameisterschaften chronologisch aufzählen will, der muss kein außergewöhnlich gutes Gedächtnis haben. Das liegt zum einen daran, dass die erste EM bei den Frauen erst 1984 gespielt wurde; im Vergleich zu den Männern gibt es also sechs Namen weniger zu merken. Es liegt aber auch an der deutschen Nationalmannschaft. Sie hat erheblich dazu beigetragen, dass die europäische Siegerliste sehr übersichtlich gehalten ist, Kritiker würden vielleicht sagen: langweilig. Aber Kritiker haben ja bekanntlich immer etwas zu bemängeln. Die erste EM gewann Schweden, die Liste geht weiter mit Norwegen, Deutschland, Deutschland, Norwegen. Und dann eben: Deutschland, Deutschland, Deutschland, Deutschland, Deutschland, Deutschland.

Die zwölfte Europameisterschaft der Frauen findet in diesem Jahr in den Niederlanden statt, der Gastgeber hat das Turnier am Sonntagabend gegen Norwegen eröffnet. Für viele war aber schon vor dem Auftakt klar, wer sich nach dem Finale (6. August) als Gewinner von 2017 in die Liste eintragen lassen kann: Deutschland. Auch für den Favoriten selbst steht das außer Frage, die Spielerinnen sagen das entspannt und voller Überzeugung. Natürlich erinnern sie ein paar Sätze später daran, dass auch andere Teams wie Frankreich, Schweden, Norwegen, England und Spanien nicht zu unterschätzen seien und es sicher nicht einfach werde. Am Ende aber bleibt der Glaube ans Erreichen des Ziels: "Wir wollen wieder Europameister werden", sagt Bundestrainerin Steffi Jones. "Ich habe eine sensationelle Truppe, das einzige Team, das uns schlagen kann, sind wir selbst."

Dieses Selbstbewusstsein hat sich über Jahre aufgebaut, das DFB-Team hat sich, Zuschauern und Gegnern immer wieder gezeigt, dass es zu den besten gehört. Nicht nur spielerisch. Die typisch mentale Stärke zeichnet auch diesen für die EM neu zusammengestellte Kader aus. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Rekordsieger auch vor dem möglichen neunten Titelgewinn. Dem Auftaktspiel gegen Schweden am Montagabend (20.45 Uhr/ARD) kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, die Fallhöhe ist groß. Eine Niederlage würde gleich einen Dämpfer bedeuten; ein Sieg dagegen würde nicht nur die gelassene interne und externe Stimmung erhalten, er wäre auch ein gutes Omen: Bisher hat Deutschland bei Europameisterschaften kein Auftaktspiel verloren, wenn die Nationalmannschaft nach dem Finale jubeln durfte.