DFB-Urteil nach Angriff auf Schiedsrichter Rekordsperre für Kobiaschwili

So lange wurde im deutschen Fußball noch kein Spieler gesperrt: Nach seinem tätlichen Angriff auf Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem Relegationsspiel in Düsseldorf hat der DFB den Hertha-Profi Lewan Kobiaschwili zu einer Sperre von siebeneinhalb Monaten verurteilt. Spieler und Klub haben die Strafe bereits akzeptiert.

Irgendwann in dieser Woche muss bei Lewan Kobiaschwili der Sinneswandel eingesetzt haben. Noch am vergangenen Donnerstag hatte der Profi von Hertha BSC offiziell Einspruch gegen die vom DFB-Sportgericht beantragte Ein-Jahres-Sperre gegen ihn erhoben. "Lewan Kobiaschwili schwört Stein und Bein, dass er nicht geschlagen hat", sagte Klubpräsident Werner Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung, der scheidende Coach Otto Rehhagel erklärte Kobiaschwili zum "fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg".

Rekordstrafe für Lewan Kobiaschwili von Hertha BSC.

(Foto: dpa)

Am Montagmittag hat das Sportgericht Kobiaschwili nun erwartungsgemäß mit einer Rekordstrafe belegt. Nach den skandalösen Vorfällen rund um das Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und den Berlinern (2:2) wurde der Georgier jedoch nur zu einer Sperre von siebeneinhalb Monaten bis zum 31. Dezember 2012 verurteilt - und nicht zu einem ganzen Jahr.

Die Strafmilderung hatte einen speziellen Grund: Kobiaschwili hatte zuvor zugegeben, Schiedsrichter Wolfgang Stark nach dem Abpfiff geschlagen zu haben.

"Bei der Bemessung der Sperre für Lewan Kobiaschwili wurde insbesondere sein Geständnis berücksichtigt, das auch auf das Strafverfahren und einen möglichen Zivilrechtsstreit ausstrahlen kann", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts: "Im Übrigen erleidet der Spieler durch die Sperre hohe Einkommensverluste."

Kobiaschwili erklärte knapp: "Ich werde dieses Urteil akzeptieren, damit ich weiter Fußball spielen kann. Meine Familie und ich haben in der letzten Zeit sehr gelitten, daher bin ich jetzt sehr froh, dass das Verfahren abgeschlossen ist." Sein Vertrag in Berlin läuft noch bis Ende Juni 2013.

Strafen auch für Kraft und Mijatovic

Stark hatte Kobiaschwili noch in der Schiedsrichterkabine wegen Körperverletzung angezeigt. Der Unparteiische aus Ergolding erlitt einen Bluterguss im Nackenbereich. Die Hertha-Akteure Thomas Kraft und Andre Mijatovic wurden wegen Schiedsrichterbeleidigung für vier beziehungsweise drei Spiele gesperrt. Das Urteil gegen Christian Lell, dem vorgeworfen wird, den Düsseldorfer Assani Lukimya-Mulongoti angespuckt und Stark ebenfalls beleidigt zu haben, steht noch aus und soll in dieser Woche fallen.

Für siebeneinhalb Monate wurde in der Bundesliga-Geschichte noch nie ein Spieler wegen einer Tätlichkeit aus dem Verkehr gezogen. Timo Konietzka hatte in der Saison 1966/67 eine Sperre von sechs Monaten erhalten.

Auch Hertha BSC hat die Urteile gegen seine Spieler bereits angenommen. "Wir haben uns gemeinsam mit unseren Spielern unter Berücksichtigung der Sachverhalte und einer rechtlichen Einschätzung dazu entschlossen, diese Strafen zu akzeptieren", sagte Herthas Manager Michael Preetz.

Nicht nur den Spieler, auch die Berliner trifft die Strafe nach dem sportlichen Abstieg hart. Noch auf der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche hatte Preetz den Abwehrspieler als wichtige Stütze für den angepeilten Wiederaufstieg bezeichnet - und dafür Pfiffe und Buhrufe geernet.