Von Johannes Aumüller

Er ist Rekordnationalspieler und schon seit sieben Jahren Trainer: Dennoch drückt Lothar Matthäus nun wieder die Schulbank, um den offiziellen Trainer-Sonderlehrgang des DFB zu absolvieren. Er verbindet damit eine große Hoffnung.

Lothar Matthäus ist das große Sorgenkind unter den ehemaligen Profifußballern, die sich für eine Trainerlaufbahn entschieden haben. Völler, Klinsmann, Brehme - sie alle haben es in der Nationalmannschaft oder bei einem Bundesliga-Verein schon versuchen dürfen. Nur Lothar Matthäus nicht. Der wanderte von Trainerstation zu Trainerstation, und mindestens 99 Prozent aller Fußball-Interessierten fragten sich, was Matthäus denn als Trainer von Partizan Belgrad erreichen wolle - und wie er das auch noch als besonders erstrebenswerten Job verkaufte.

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Back in Munich: Lothar Matthäus in der Sportschule Oberhaching (© Foto: Getty)

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So sehr Matthäus als Spieler angesehen war, so wenig nimmt ihn jemand als Trainer ernst. Und es ist die Frage, wie sehr zur Verbesserung dieses Images beiträgt, dass Matthäus nun noch einmal die Schulbank drücken will und muss - und dass er dies auch noch mit aller Ernsthaftigkeit der Öffentlichkeit klarmachen will. Jedenfalls will er bei der Pressekonferenz zu seiner Spezial-Ausbildung zeigen, dass er während seines Lehrganges so sein will wie schon immer in seiner Karriere: voll bei der Sache.

Er präsentiert sich als eifriger, strebsamer Schüler. Als ihn ein Journalist fragt, was man dem Trainer Matthäus noch beibringen könne, zeigt der 46-Jährige schon mal, dass er ein ganz aufmerksamer Lernender und Zuhörer geworden ist. "Die Frage hat eben schon der Herr Rutemöller beantwortet", blafft er den Frager an. "Ich habe das auch schon verstanden, weil ich aufgepasst habe."

Pressekonferenzen mit Lothar Matthäus leiden generell unter einem Ernsthaftigkeitsproblem, spätestens seit er in New York "I hope, we have a little bit lucky" ins Mikrofon diktierte. Aus der jüngsten Pressekonferenz wird es keine Aussage zu solch einem Bekanntheitsgrad schaffen. Es ist vielmehr die Gesamtsituation, die in der Sportschule Oberhaching zum Schmunzeln anregt. Man stelle sich vor, hier säße ein Mathematik-Nobelpreisträger, der aus irgendwelchen Gründen in der Schule keinen Mathematik-Unterricht hatte und nun das kleine ein mal eins wiederholt. Man stelle sich vor, wie in den nächsten Wochen DFB-Ausbilder Erich Rutemöller im Einzel-Unterricht den Stock hebt, weil der kleine Lothar gerade nicht aufgepasst hat.

Doch so lustig nimmt Matthäus die Sache nicht. 300 Unterrichtseinheiten umfasst der Kurs. Von montags bis freitags, von morgens bis abends, am Wochenende ist frei. Meistens sitzt er alleine bei Rutemöller oder einem anderen Dozenten, manchmal auch mit anderen Trainerschein-Anwärtern. Die Unterrichtsmodule reichen von sportmedizinischen Fragen über trainingswissenschaftliche und pädagogische bis hin zu fußballpraktischen Fragen. "Er soll den wissenschaftlichen Hintergrund für die Entscheidungen bekommen, die er bis jetzt aus dem Gefühl heraus schon richtig gemacht hat", sagt Rutemöller.

Das letzte Mal hat Lothar Matthäus vor etwa 30 Jahren auf einer Schulbank gesessen, damals als Pennäler in einer Schule im mittelfränkischen Herzogenaurach. Wahrscheinlich hat er als Vorbereitung auf die Pressekonferenz in seinen Philosophie- oder Lateinbüchern von damals geblättert und da einen Satz gefunden, der ihm besonders gefiel. Der lautet: "Solange wir leben, wollen wir lernen." Jedenfalls sagt er ihn, in verschiedenen Variationen, ziemlich oft.

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