DFB-Torhüter Manuel Neuer Fehlerfreies Harakiri

Waghalsig, aber gut: Manuel Neuer (rechts) gegen Islam Slimani.

(Foto: Getty Images)

Wer ist der beste Torhüter der Welt? Nach Manuel Neuers starkem Auftritt im WM-Achtelfinale gegen Algerien ist die Frage leicht zu beantworten. Neuer rettet das DFB-Team mit seinen Ausflügen. Nur Oliver Kahn hat etwas zu mosern.

Von Thomas Hummel, Porto Alegre

Ist Manuel Neuer der beste Torwart der Welt? Andreas Köpke wehrte ab, er halte nichts von derartigen Einstufungen. Stattdessen erklärte er: "Er ist auf jeden Fall der kompletteste. Im Moment sehe ich auch keinen besseren." Der Torwarttrainer der Nationalmannschaft möchte keine Welttorwart-Rangliste erstellen, um dann Manuel Neuer auf Platz eins zu setzen.

Aber was sollte er anderes tun? Nach diesem Abend in Porto Alegre zumal, an dem der 28-Jährige der Fußballwelt gezeigt hatte, dass Deutschland nicht nur den vermutlich besten Torwart des Universums dabei hat. Sondern dass dieser fabelhafte Kerl gleichzeitig auch Abwehrspieler ist. Und zwar der beste, der für Deutschland im Achtelfinale gegen Algerien auf dem Feld stand.

Manuel Neuer zeigte in der kühlen Hafenstadt im Süden Brasiliens eine famose Leistung. Ausnahmsweise können die Statistiker keinen Hinweis darauf liefern, wie groß sein Anteil am 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft war. Oder daran, dass er bis zur 121. Minute kein Gegentor hinnahm. Die Statistiker zählen bei Torhütern nur Dinge wie Paraden, Fehler, gefangene Flanken et cetera. Doch damit hatte Neuer kaum zu tun. Genau einen gefährlichen Schuss musste er halten und in der 122. den letzten Kopfball-Versuch des nimmermüden Stürmers Islam Slimani. Sonst sah die Welt einen Torwart, der ständig weit vor seinem Gehäuse die Bälle klärte, bevor die flinken Algerier sie überhaupt aufnehmen konnten.

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Beim ersten Ausflug nach 13 Minuten war er noch zu spät gekommen, drängte Slimani aber geistesgegenwärtig ab und blockte den Schuss zur Ecke. Danach klappten seine Berechnungen besser. Algerien versuchte es mit weiten Flanken über die deutsche Abwehr hinweg auf die schnellen Offensivkräfte Slimani und Sofiane Feghouli, doch als diese sich schon freuten, allein Richtung Tor rennen zu können, stand der Mann im blauen Trikot da und klaute ihnen die Kugel.

Was von außen wie ständige Rettungsaktionen in allerhöchster Not aussah, erklärten die Beteiligten später als geplantes Vorgehen. Neuer selbst ist ohnehin nicht der Typ dafür, sich selbst auf einen Thron zu setzen. "Das ist für mich kein Fehler im System, das ist eine Vertrauensgeschichte. Das sind Automatismen, die zwischen mir und der Abwehr greifen", sagte er mit einem Gesichtsausdruck, als würde er darüber sprechen, dass der Ball rund sei und das Spiel 90 Minuten dauere. Völlig banal das Ganze. Philipp Lahm kennt seinen "Manu" vom FC Bayern, deshalb zuckte auch er mit den Schultern und sagte: "Durch seine Spielweise ist er der beste Torwart der Welt."

Andere reagierten etwas euphorischer. Ko-Trainer Hansi Flick zum Beispiel: "Ich hab immer die Bälle gesehen, und hab gedacht: Wow, jetzt wird's gefährlich. Aber dann war Manu da gestanden. Das war eine gute Rückversicherung, er hat das sensationell gelöst." Oder Köpke: "Manu hat das phantastisch gemacht. Er war weniger im Tor gefragt, sondern durch antizipieren, mitspielen. Er findet da immer mehr Spaß dran. Draußen hat man trotzdem die Ruhe, man wird nicht nervös, weil man immer das Gefühl hat, er weiß was er tut."