DFB-Testspiel in Holland Trübes Spiel mit einem Sieger: Joachim Löw

Nach den heftigen Debatten um die vier Gegentore gegen Schweden spielt eine schon im Vorhinein personell dezimierte deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam kontrolliert und legt Wert auf Defensive. Die Zuschauer langweilen sich, doch Spieler und Bundestrainer sind sehr zufrieden mit sich.

Aus dem Stadion in Amsterdam von Carsten Eberts

Schöner Jahresabschluss für Joachim Löw: Einmal keine Debatten um die Defensive seiner Mannschaft.

(Foto: dapd)

Joachim Löw hatte noch nicht gehört, was der englischen Nationalmannschaft widerfahren war. In Stockholm hatte England eine Viertelstunde vor Schluss 2:1 gegen Schweden geführt, am Ende stand es 2:4 - vier Gegentore gegen die Skandinavier, das war auch der DFB-Elf vor einigen Wochen passiert. Löw guckte erst interessiert, dann ernst, schließlich musste auch der Bundestrainer schmunzeln. "Die Schweden haben durch das 4:4 gegen uns unglaubliche Moral gewonnen", versuchte er sich in einer ersten Einschätzung. Was er nicht sagte, was jedoch sein Gesicht verriet und beinahe hörbar durch den Raum surrte: Seht ihr, anderen Teams passiert das auch!

Sechs Tore zwischen England und Schweden, davon konnte der Betrachter bei der Partie Niederlande gegen Deutschland am Mittwochabend in Amsterdam nur träumen. 0:0 endete der früher einmal so emotionale Klassiker; es war kein fußballerisch schlechtes Spiel, jedoch eines arm an Höhepunkten, zwischen zwei stark dezimierten Mannschaften. Das Spiel wird eingehen als Schlusspunkt des Fußballjahres 2012, das für die junge deutsche Elf viel Lobpreis, jedoch auch große Enttäuschungen mit sich brachte. Aus dieser Partie jedoch eine prägende Szene zu benennen, dürfte bereits am Donnerstagnachmittag schwer fallen.

Für Löw hat sich der Abend trotzdem gelohnt. Sein Gesicht zeigte eindeutig Spuren von Zufriedenheit. Gleich zwei Debatten konnte der Bundestrainer kurz vor der Winterpause für beendet erklären. Erstens: Keiner seiner Spieler ging verletzt aus dem Kräftemessen mit den Niederlanden heraus. Die Angst vor dem ungeliebten November-Termin war also unbegründet. Und zweitens - noch wichtiger: Nach zähen Wochen, in denen nach dem Schweden-Spiel ausgiebig über die mangelhafte defensive Ausrichtung der DFB-Elf debattiert wurde, hat die Mannschaft zu null gespielt. Nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern gegen Holland, das trotz Verletzungssorgen immer noch ein Land mit großem offensivem Potenzial ist.

Letzteres war für Löw wichtig. Die vier Schweden-Treffer hatten doch arg aufs Trainergemüt geschlagen. Von überall her kamen gute Ratschläge, in der Analyse hieß es, Löw sei der Kunst des defensiven Wechsels nicht mächtig. Schließlich hatte er es nicht geschafft, einen Vier-Tore-Vorsprung über die Zeit zu retten. Zuletzt erklärte sogar der sonst öffentlich brave Torwart Manuel Neuer, die Mannschaft müsse in Zukunft defensiver spielen. Löw fand sich selbst in der Defensive wieder.

Gegen die Niederlande stand die Null wieder. Wenn auch gegen ein holländisches Team, das sich über weite Strecken in Destruktivismus übte und kaum am Offensivspiel teilnahm. "Wir waren sehr positionstreu, sehr diszipliniert, sehr kompakt", befand Löw. Alles Attribute, die er seiner Mannschaft beim 4:4 gegen Schweden in der letzten halben Stunde nicht zuschreiben konnte. Löw sagte weiter: "Wir haben heute die Ruhe behalten. Hätten wir das auch gegen Schweden gemacht, hätten wir nicht so viele Tore bekommen."