Von Thomas Hummel

Bundestrainer Joachim Löw beruft den Bayern-Torwart Jörg Butt in den WM-Kader. Jens Lehmann und Borussia Dortmund üben deutliche Kritik.

Nach dem Ausfall der eigentlichen Nummer eins im deutschen WM-Tor, René Adler, hat Bundestrainer Joachim Löw den erwarteten Nachrücker gewählt: Jörg Butt vom designierten deutschen Meister FC Bayern München.

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Hans-Jörg Butt. (© Foto: ddp)

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Damit müssen alle anderen deutschen Torhüter ihre teils vagen Hoffnungen auf eine Nominierung begraben. Der Dortmunder Roman Weidenfeller etwa - und natürlich auch Jens Lehmann vom VfB Stuttgart.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte am Mittwoch keine Stellungnahme zu dieser Personalie abgeben und verwies auf die Pressekonferenz am Donnerstag in Stuttgart (12 Uhr), bei der Bundestrainer Joachim Löw seinen erweiterten WM-Kader bekanntgibt. Beim FC Bayern sollte Jörg Butt am Vormittag eine Pressekonferenz geben, wurde dort aber genauso wie Thomas Müller, ebenfalls Kandidat für den WM-Kader, kurzfristig abberufen. Der Verein wolle keine Spekualtionen zu diesem Thema schüren und verwies auf eine eigene Pressekonferenz in München am Donnerstag um 14 Uhr.

Seitdem der Ausfall von René Adler (Operation wegen Rippenbruch) bekannt ist, gab es kaum einen Kommentatoren oder sogenannten Experten, der eine andere Wahl als Butt erwartet hat. Löw hat dem 40-jährigen Alphatier Lehmann schon vor längerer Zeit eine Absage erteilt und der Bundestrainer neigt nicht dazu, seine Entscheidungen zu revidieren. Deshalb dürfte nun Manuel Neuer von Schalke 04 als Nummer eins zum Turnier reisen, dahinter Tim Wiese (Werder Bremen). Und als dritter Torwart ist Jörg Butt die ideale Wahl.

Schon 2002 war Butt als dritter WM-Torwart mit in Japan und Südkorea, als stiller Mitarbeiter hinter den heißen Köpfen Oliver Kahn und Lehmann. Er bringt zumindest auf Klubebene viel Erfahrung mit. Butt wird am 22. Mai gegen Inter Mailand sein zweites Champions-League-Finale bestreiten nach 2002, als er mit Bayer Leverkusen gegen Real Madrid 1:2 verlor. Er gilt als integrer Charakter und wird in dem abgeschotteten Mannschaftshotel dazu beitragen, wider den Lagerkoller zu arbeiten und eine gute Atmosphäre zu schaffen.

Die Karriere des Jörg Butt erlebt damit wohl einen weiteren, unerwarteten Höhepunkt. Diese Laufbahn schien ja schon einmal Ende zu sein, sie deutete mehr in Richtung Torwarttrainer als Champions-League-Finale und zweite WM-Teilnahme. Im Februar 2007 sah Butt im Trikot von Bayer Leverkusen einmal die rote Karte - und landete danach auf der Ersatzbank. Ausgerechnet ersetzt vom heutigen Unglückskollegen Adler.

Danach wechselte Butt zu Benfica Lissabon - und landete wieder auf der Ersatzbank. Überraschend holte ihn 2008 der FC Bayern München, um als stiller Begleiter Kahns designierten Nachfolger Michael Rensing zu unterstützen. Doch Rensing hielt dem Druck nicht stand, weshalb ihn zuerst Jürgen Klinsmann und in dieser Saison auch Louis van Gaal durch Butt ersetzten. Mit soliden Leistungen und vor allem mit seiner ruhigen Ausstrahlung trug er seinen Teil zur erfolgreichen Saison der Münchner bei.

Noch am Sonntag hatte Butt erklärt: "Über die Nationalmannschaft und die Weltmeisterschaft mache ich mir keine Gedanken. Das ist kein Thema für mich." Zudem ergänzte er, dass die Saison bisher ja "großartig" gelaufen sei für ihn und die Bayern und "das wollen wir jetzt zu Ende bringen, dann fahre ich den Urlaub". Jetzt reist Butt am 24. Mai erst zum Trainingslager nach Südtirol und am 6. Juni nach Südafrika.

Im Vergleich zu seinen Torwart-Partnern bei der WM hat Butt sogar einen Vorteil: Während Neuer und Wiese erst je zwei Länderspiele bestritten haben, kommt Butt schon auf drei: 2000 (8:2 gegen Liechtenstein), 2002 (4:2 gegen USA) und 2003 (4:1 gegen Kanada) durfte er jeweils die zweite Halbzeit ins deutsche Tor und kann auf eine makellose Bilanz blicken.

Derweil übte Stuttgarts Torwart Jens Lehmann, bei der WM 2006 die deutsche Nummer eins, Kritik an der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw. "Wenn man Weltmeister werden will, ist es schwierig mit Manuel Neuer als Nummer eins. Er hat immer wieder Fehler gemacht", sagte Lehmann am Mittwoch am Rande des VfB-Trainings, fügte aber immerhin an: "Ich mag Neuer sehr. Er wird ein sehr guter Torwart werden ..."

Für Butt hat der 40 Jahre alte Lehmann eine Empfehlung parat: "Wenn ich Butt wäre, würde ich mich nicht hinter Neuer und Wiese auf die Bank setzen wollen. Butt hat eine gute Saison gespielt und er hat ja auch Ansprüche." Er selbst, so Lehmann weiter, hätte sich bei der WM "nicht hinter die zwei (Neuer und Tim Wiese, Anm. d. Red.) auf die Bank gesetzt und nicht gespielt."

Indirekt nahm Lehmann laut Bild zudem den Bremer Wiese ins Visier. "Bei einer Personalie bin ich mir nicht sicher, ob mit großem Sachverstand gehandelt wurde", sagte er.

Kritik kommt auch aus Dortmund: "Die Entscheidung für Jörg Butt kann ich nicht nachvollziehen", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc der Bild-Zeitung: "Für mich wäre es logisch gewesen, Roman Weidenfeller mitzunehmen. Er hat in dieser Saison und in der Saison davor hervorragende Leistungen gebracht. Zudem ist er sportlich und menschlich gereift."

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(sueddeutsche.de/dpa/sid/aum)