DFB-Team im WM-Finale Im Rausch nach Rio

Jubel und Enttäuschung in Belo Horizonte: Deutschland führt im WM-Halbfinale Brasilien vor.

(Foto: dpa)

Die deutsche Mannschaft spielt im WM-Halbfinale entfesselt auf und gewinnt mit 7:1 gegen Brasilien, den Rekordweltmeister. Kroos, Schürrle, Müller, Khedira und Klose erzielen die Treffer. Erstmals seit 2002 steht die DFB-Elf wieder in einem WM-Endspiel. Die Seleção weint.

Als dieses emotionale Spiel nur noch eine Stunde lang dauern sollte, stopfte sich Joachim Löw das Hemd in die Hose, rückte den Gürtel zurecht, es saß nun alles glatt. Hinter ihm lagen sechs Minuten, die seine gesamte Ära als Bundestrainer prägen werden, sechs Minuten, in die all die Spielfreude hineinpasste, die er seiner Mannschaft an manchen Abenden vermittelt. Sechs Minuten. Und 200 Millionen Träume waren zerplatzt, der Traum von ganz Brasilien, eines Landes, das so stolz auf seine Fußballer ist. Ein paar Meter neben Löw hüpfte der brasilianische Trainer Felipe Scolari auf und ab, sein Gesicht warf mehr Falten als sein Polo-Shirt.

30 Minuten waren da gerade einmal gespielt. Fünf Tore waren gefallen. Keines für Brasilien. Fünf für Deutschland. Brasilien, der Rekordweltmeister, im Schock.

Wie Xavi und Iniesta zusammen

mehr...

Es sollte ein emotionaler Abend werden, das hatten Scolari und seine Spieler vor diesem Halbfinale in Belo Horizonte immer wieder betont, fast schon: gebrüllt. Sie wollten für Neymar spielen, ihren verletzten Volkshelden. Vor dem Stadion verteilten Anhänger Neymar-Gesichtsmasken, Scolari verließ den Mannschaftsbus mit einer Neymar-Kappe, vor dem Spiel reckten Innenverteidiger David Luiz und Torwart Júlio César ein Neymar-Trikot in die Luft.

Als Joachim Löw den deutschen Mannschaftsbus verließ, hatte er keine Neymar-Kappe auf. Er hatten einen klaren Blick. Sachlich, nüchtern. Und so verlief dann auch dieses Spiel: ein überemotionalisiertes brasilianisches Team gegen eine kühle, effiziente deutsche Mannschaft. Die sich an der eigenen Nüchternheit berauschte. Und nach 90 Minuten 7:1 (5:0) gewann.

Die nun am Sonntag in Rio de Janeiro um den Titel spielt. "Die Spieler sind sehr, sehr geerdet", sagte Löw nach dem Spiel sehr, sehr geerdet, "sie sind bereit, den letzten Schritt zu machen."

Gott gibt auf

Thomas Müller jagt Ronaldo Angst ein und schießt die Fußballwelt ins Paralleluniversum, André Schürrle bewirbt sich um den schönsten Treffer des Turniers - und am Ende heult ganz Brasilien. Das 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien zum Nachlesen im SZ-Liveticker. mehr ...

Aber 90 Minuten, das war nicht die Zeiteinheit in diesem Halbfinale. Es war ein Halbfinale, das in sechs Minuten entschieden wurde. Vielleicht sogar in drei. Oder, womöglich sogar das: in zwei Minuten. Wie unemotional nackte Zahlen klingen.

Erstmals bei dieser WM hatte Löw seine Aufstellung nicht geändert, es spielte also rechts in der Abwehr Philipp Lahm, im Mittelfeld spielten Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. Und im Sturm stürmte Miroslav Klose. Der seine eigene Geschichte an diesem Abend schreiben sollte.