Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell soll einen jungen Kollegen sexuell belästigt haben. Der DFB schweigt, der 62-Jährige wehrt sich.
Wann immer es in den vergangenen Jahren um strittige Schiedsrichter-Entscheidungen im deutschen Fußball ging, war er so etwas wie die Stimme seiner Zunft: Manfred Amerell.
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"Da lache ich mich kaputt": Manfred Amerell wehrt sich gegen Anschuldigungen. (© Foto: imago)
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Der waschechte Bayer - früher selbst ein charismatischer Bundesliga-Referee - kam in seiner Funktion als Sprecher der Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) immer dann zum Einsatz, wenn wieder einmal ein vermeintliches Tor nicht gegeben wurde oder ein Spielleiter wegen einer Tatsachenentscheidung am Pranger stand.
Nun befindet sich Amerell selbst im Kreuzfeuer der Kritik: Am Montag wurde die Meldung verbreitet, dass der 62-Jährige gebeten habe, ab sofort aus "gesundheitlichen Gründen vorläufig von seinen umfangreichen Tätigkeiten im DFB-Schiedsrichterausschuss" entbunden zu werden. Dieser Bitte sei "entsprochen worden".
Doch was sich zunächst wie eine plötzliche Krankmeldung las, könnte nun große Wellen schlagen.
Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, sei der "Fall Amerell" der eigentliche Grund für die außerordentliche Sitzung des DFB-Präsidiums am vergangenen Donnerstag gewesen, in der es nach außen hin vor allem um Joachim Löw und Oliver Bierhoff ging.
Amerell soll sich voriges Jahr einem jungen Erstliga-Schiedsrichter sexuell "genähert" haben. Amerell wehrte sich in der FR umgehend gegen die Vorwürfe: "Da lache ich mich kaputt, die Vorwürfe sind haltlos und aus der Luft gegriffen." Amerell hat nach eigenen Angaben einen Münchner Rechtsanwalt beauftragt.
In der Aufregung um die Causa Löw/Bierhoff contra DFB-Spitze schien diese Angelegenheit untergegangen zu sein. Der von Amerell angeblich bedrängte Schiedsrichter kontaktierte gemäß dem Bericht der FR im Dezember 2009 hilfesuchend den Chef des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, Volker Roth - und von da landete die Sache schließlich auf dem Tisch des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.
Auf Nachfrage von sueddeutsche.de sagt DFB-Sprecher Ralf Köttker, man wolle "den Fall derzeit in keiner Richtung kommentieren, da es sich um ein sehr sensibles Feld handelt".
Amerell war seit Mitte der neunziger Jahre seiner Arbeit im Schiedsrichter-Ausschuss nachgegangen und hatte somit beträchtlichen Einfluss darauf, welcher Spielleiter in den Regionalligen sowie in der A-Junioren-Bundesliga welche Partien leiten sollte. Damit entschied er über Verdienste, Renommee und Aufstiegsmöglichkeiten junger Referees.
Ob, und wenn ja, wie Amerell seine Macht missbraucht haben soll, versuchen Zwanziger und DFB-Vize Rainer Koch an diesem Mittwoch zu erörtern.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/hum)
Drogeriekette wird abgewickelt
Das Schiedsrichterwesen beruht - das weiß ich aus eigener Erfahrung als ehemaliger Schiedsrichter - zum Großteil auf die sogenannte "Vätterles Wirtschaft". Hier zählt oftmals weniger die Leistung, sondern das sogenannte Vitamin B bzw Einschmeichelei bei der Zunft der alten Herren, die am Hebel der Macht sind und über Auf- und Abstieg entscheiden.
Ohne jeglichen klaren Beweis dafür zu haben, verwundert es mich jetzt nicht, dass ausgerechnet Herr Kempter in solch eine Situation verwicklet wird.
Sollte Herr Amerells homosexuell sein, was ich nicht weiss, dann hat er es halt bei seinem jüngeren Kollegen versucht. Das machen Männer bei Frauen sehr häufig und kein Mensch regt sich áuf. Sollte es doch hier eine gewisse Homophobie geben, auch bei denen die gegen die Moslems wettern, weil die mit Homosexuellen nicht zurecht kommen.
Ich meine ruhig Blut. Der Fall Kiesling hatte gezeigt, dass man den Ruf eines Menschen schnell ruinieren kann.
...ein 27 jähriger durchtrainierter Erstligaschiedsrichter kann sich also gegen einen 62 jährigen Senior nicht körperlich durchsetzen.
Da bin ich ja mal gespannt....welche Geschichte erzählt wird..
ich kann langsam keinen Schnee und schlechte Nachrichten mehr sehen
Das Tabu-Thema Homosexualität erhält eine neue Dimension durch die Causa Amerell/Kempter.
Allerdings eine recht unschöne und wenig hilfreiche. Für den schneidigen Herrn Amerell ist das schlichtweg eine Katastrophe. Für Herrn Kempter ist die Situation ebenfalls schwierig. Nicht zuletzt deshalb, weil ihm seitens radikaler Fangruppen und in einschlägigen Internetforen schön häufiger unterstellt wurde, schwul zu sein.
Paging