DFB-Pokal Sammer findet Verbeek "ungeheuerlich"

Matthias Sammer mahnt gerne - und er mag es nicht, wenn andere seine Spieler kritisieren.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Weiterer Debattenstoff nach dem Pokalspiel in Bochum: Bayerns Sportvorstand reagiert mit drastischen Worten auf die Kritik an Arjen Robben.

Matthias Sammer musste in Bochum seine Nerven arg strapazieren - und auch am Tag danach hatte sich der Bayern-Sportvorstand nicht beruhigt - im Gegenteil. "Man kann gerne über die Rote Karte diskutieren. Aber was wir ungeheuerlich finden, sind die Aussagen von Herrn Verbeek", sagte er nach dem 3:0 (1:0)-Sieg im Pokal-Viertelfinale beim Zweitligisten VfL Bochum.

VfL-Trainer Gertjan Verbeek hatte seinen Landsmann Arjen Robben wegen dessen vermeintlicher Fallsucht attackiert. Diese machte er am Mittwochabend auch in der spielentscheidenden Szene aus. "Das war niemals ein Elfer und niemals Rot. Ich bin auch Holländer - und schäme mich", sagte Verbeek mit Blick auf Robben und dessen Flug in der 43. Minute. Wenn Robben Kontakt spüre, führte Verbeek aus, dann "geht er liegen", das wisse ja jeder von ihm.

Obwohl auch Bochumer Spieler gegen Robben gifteten (Torwart Manuel Riemann: "Robben lag 90 Minuten lang am Boden. Das geht mir auf die Eier"), knöpfte sich Sammer ausschließlich Verbeek vor: "Das macht man nicht, dass man als gegnerischer Trainer Arjen Robben dermaßen diskreditiert - und auch ins Persönliche geht. Das kann man überhaupt nicht akzeptieren", sagte der Europameister von 1996: "Wenn Herr Verbeek den Elfmeter nicht so sieht, kann er das äußern. Aber er kann einen Spieler nicht so angreifen, wie er es getan hat. Er hat eine Vorbildfunktion als Trainer."

Anscheinend fürchtet Münchens Obermahner allmählich um Robbens Ruf und damit auch um ein Stück Klub-Reputation. Am Donnerstag steuerte er vehement dagegen: "Arjen ist einer der ehrlichsten Profis, die ich kennengelernt habe. Über Fleiß und Besessenheit braucht man bei ihm sowieso nicht zu reden." Die Kritik sei "völlig unberechtigt".

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Verbeek ist als Heißsporn bekannt, seine Fehde aus Nürnberger Zeiten mit Freiburgs Trainer Christian Streich ist legendär. In Bochum mussten sie den streitbaren Coach auch schon zurückpfeifen, nachdem er Reporter der Bild-Zeitung vor einigen Monaten als "Arschlöcher" beschimpft hatte. Und Verbeek ist unnachgiebig. Noch am Mittwochabend ließ er in der Pressekonferenz nach dem Spiel vom Podium herab einem Vertreter des Boulevardblattes durch den neben ihm sitzenden Pressesprecher ausrichten, dass er Fragen von ihm nicht beantworte.

Unabhängig von der umstrittenen Szene, in der Robbens Fall eine Rote Karte gegen Jan Simunek und einen Foulelfmeter (den Thomas Müller allerdings verschoss) nach sich gezogen hatte, waren sich alle Beteiligten einig: Die Dreifachbestrafung aus Elfmeter, Platzverweis und Sperre ist ein einziges Ärgernis. Bayern-Coach Pep Guardiola fiel während der Pressekonferenz in Bochum das deutsche Wort "lächerlich" nicht ein, mit dem er seine grundsätzliche Meinung zur umstrittenen Regel ausdrücken wollte. Er flüchtete sich ins Englische und betonte jede einzelne Silbe. "Ri-di-cu-lous - ihr versteht mich schon", sagte Guardiola.

Auch Sammer hofft, dass die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) auf ihrer Jahresversammlung am 5. März in Cardiff einen Schlussstrich ziehen werden. "Wir wollen das auch nicht, das ist völliger Schwachsinn. Da bin ich mit den Bochumer Verantwortlichen auf einer Linie", sagte er. Das Spiel selbst, das neben der Roten Karte von Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) die Torschützen Robert Lewandowski (39., 90.) und Thiago (61.) entschieden, hakte Sammer schnell ab. Stattdessen warnte er vor allem vor den anstehenden Auswärtsspielen in Augsburg, Wolfsburg und Dortmund sowie in der Champions League bei Juventus Turin.

Die Mannschaft müsse in den Mittelpunkt rücken, sagte Sammer: "Es gab genug Diskussionen in letzter Zeit, aber leider zu wenig über das rein Sportliche und die Spieler. Das muss sich ändern."