Tim Wiese hält im Elfmeterschießen drei Mal und sichert Bremen den Einzug ins Pokalfinale. Dann setzt der Torwart zum Sprint über den ganzen Platz an.
Am Ende war es einfach nur ein Pokalspiel. Die Serie, die der Hamburger SV und Werder Bremen vor sich haben in den verbleibenden 18 Tagen, diese noch folgenden drei Spiele in weiteren zwei Wettbewerben - sie zählten nicht in dem Augenblick, als es in einer Partie um das eine entscheidende Tor ging, das den Sieg und eine Reise nach Berlin verhieß.
"Elfmeterkiller" Wiese bei der Arbeit (© Foto: dpa)
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Und als ob sie sich nicht noch oft genug sehen würden, dehnten die ewigen Nordrivalen ihr erstes Date bis weit in die Nacht aus. Die spuckte dann, nach Verlängerung und Elfmeterschießen, Werder Bremen als Pokalfinalisten aus - am 30. Mai Gegner von Bayer Leverkusen.
Sollten allerdings die kommenden Ausgaben dieser norddeutschen Vier-Chancen-Tournee ähnlich intensiv werden wie der Auftakt, dann müssen sich die Bremer Spieler wohl liegend in die Hauptstadt transportieren lassen. Am Ende der 120 Minuten standen sich die Teams wie angeschlagene Boxer gegenüber.
Die Hamburger, ab der 90. Minute nach einem Platzverweis für Jarolim in Unterzahl, hofften auf den Lucky Punch - und Werder Bremen rannte, einen knappen Punktsieg vor Augen, ohne Deckung an. Der letzte Hieb aber, den setzten sie nicht. Den setzte Tim Wiese mit drei gehaltenen Elfmetern in letzter Instanz. Dem 3:1 im Elfmeterschießen (1:1, 1:1) folgte eine Stadionrunde des Bremer Keepers wie im Rausch.
Beide Mannschaften hatten sich diesem Saisonhöhepunkt auf sehr unterschiedlichen Wegen angenähert, die aber für den Spielverlauf von erheblicher Bedeutung waren.
Die gesamte Saison ein Vorspiel
Der Hamburger SV spielt schon die gesamte Spielzeit über konstant in der Spitze der Bundesliga, dominierte seine Gegner zumeist auch im Uefa-Cup und hatte im DFB-Pokal einen leichten Lauf, 1860 München zuhause, SV Wehen-Wiesbaden zuhause, solche Leichtgewichte.
Für die Hamburger war die gesamte Saison ein Vorspiel, jetzt kommen die Zahltage: Was bleibt von all den Läufen und Serien am Ende übrig? Titel oder nur Statistik? Der HSV steht unter dem Druck, in kurzer Zeit alles verlieren zu können.
Für Werder Bremen war dagegen die Saison schon gelaufen. In der Liga hatten sie nie den Kontakt zu den internationalen Plätzen, in die Winterpause gingen sie mit Pokalauslosungen, die das schnelle Aus verhießen: In Dortmund im deutschen Pokal, gegen den AC Mailand im Uefa-Cup. Aber Werder setzte sich in diesen Vergleichen durch und unverhofft auch in den folgenden, beim VfL Wolfsburg, in Udine.
HSV mit drei Stürmern
Plötzlich tat sich eine Tür auf, um die schon verlorene Saison noch mit einem womöglich historischen Doppel-Pokal-Triumph zu retten, ja sogar komplett zu drehen. Diegos Ex-Gespielin Sarah Connor hatte das mal so besungen: From Zero to Hero. Werder sieht die Chance, unverhofft alles zu gewinnen.
Druck kann Angst erzeugen, eine Chance Mut machen - so ließ sich das Spiel auch an in der Hamburger Arena. HSV-Trainer Martin Jol setzte zwar augenscheinlich auf totale Offensive, in dem er Guerrero, Olic und Petric gleichzeitig aufbot, bremste seine Elf aber im Mittelfeld aus, weil er Trochowski aus der Elf nahm und es dreifach defensiv besetzte.
Jol korrigiert seine Aufstellung
So blieben von den drei Angreifern nur zwei, weil Guerrero hinter die Spitzen rücken musste, wo er sich so schnell in Zweikämpfen verschliss, dass er schon nach einer halben Stunde ernsthaft in die Nähe eines Platzverweises geriet. Zur Pause ersetzte ihn Jonathan Pitroipa.
Die HSV-Elf war eine, die überraschte, die aber nicht so funktionierte, wie Jol sich das wohl erhofft hatte. Denn Werder-Coach Thomas Schaaf, kein Tüftler, sondern ein Gewohnheitstier, ignorierte jedes Aufstellungsexperiment des Kollegen und bot stattdessen einfach seine elf besten Spieler in altbewährter Raute auf mit dem Auftrag, möglichst schnell zu gewohnter Ballsicherheit zu kommen und damit Dominanz über das Spiel zu erlangen.
Und das gelang ihr. Die Angriffe von Diego, Özil und Pizarro endeten häufig mit Hamburger Fouls, David Jarolim tat sich dabei hervor - so auch in der elften Minute gegen Claudio Pizarro, halblinks vor dem Strafraum. Dummerweise ist Diegos Lieblingsposition für feine Freistöße.
Frank Rost, ohnehin ungewohnt nervös, patschte den Ball aus dem Winkel in die Mitte und vor die Füße von Per Mertesacker - 0:1. Das Tor passte zur ersten Halbzeit, in der Werder besser blieb, wenn auch ohne Tore.
Nach dem Wechsel entwickelte sich eine offenere Partie, Martin Jol hatte fast alle seine Aufstellungs-Schrulligkeiten korrigiert und Trochowski gebracht. Olic belohnte die Rückkehr seiner Elf ins Spiel mit dem Ausgleich (67.). Danach entwickelte sich das, was man einen Pokalfight nennt. Fortsetzung am 30. April im Uefa-Cup.
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(SZ vom 23.04.2009)
Journalisten, Kommentaroren, Interviewer kurzum alle Medienmenschen brauchen eine Geschichte. Eine "Story" wie das so schön heisst. Gibt es nichts zu berichten - ja dann muss man eben irgendetwas (er-)finden. Reiner Reflex. Man "wittert" den Skandal.
Die Interviews mit Spielern, Trainern, Managern und den Experten müssen ja trotzdem geführt (und gefüllt) werden.
Das das Gespann Schaaf/Allofs eine Rote Karte gefordert hätte ist doch nur eine Spekulation/Interpretation von Bela Rety gewesen. Weder Bela noch wir Zuschauer haben doch gehört was dort tatsächlich GESAGT wurde. Und was die Gestik angeht. Wie reagiert man, wenn der eigene Spieler direkt vor den Augen, in voller Fahrt und ohne Rücksicht auf eine Verletzungsgefahr, umgerannt wird? ...
Da war nix. Kein Skandal und keine Story. Alles ganz normal. Deswegen blieb auch Beiersdorfer so cool, welches ihm jetzt als besondere sportliche Geste ausgelegt wird. Das sei ihm gegönnt.
Alles aufgeblasen - wie üblich - "Ballack/Frings" Skandal, "Wiese heizt die Stimmung an" Story ...
Es ist mir völlig schleierhaft, warum die rote Karte so umstrittig sein soll. Jarolim war letzter Mann und Özil wäre durch gewesen.
Wenn das nicht so gewesen wäre und die schnellen HSV-Verteidiger den ohnehin den kürzeren Weg zum Tor hätten uund so weiter und so weiter... Tja, dann hätte Jarolim ja nicht dieses sonnenklar taktische Foul begehen müssen. Hat er aber. Und das im vollen Bewusstsein - das war keine Grätsche im verzweifelten Versuch noch den Ball zu treffen oder so...
Diese Situation war glasklar. Entweder man entscheidet auf taktisches Foulspiel des letzten Mannes und das heisst Rot oder auch nicht. Das sind dann auch keine "Fingerspitzengefühl" Entscheidungen die der parteiische, sogenannte Fussballexperte herumschwadroniert. Anderes Beispiel. Abseitsfrage. Entweder man steht im Abseits oder auch nicht. Die Schiedsrichter (also inkl. Linienrichter) können unmöglich alle möglichen Laufwege und Laufgeschwindigkeiten aller Spieler abschätzen und darüber ob, wie und wann der Verteidiger noch jemanden erreicht hätte usw.
Das sollte ein Experte eigentlich wissen...
...hat für Werder das wichtigste Spiel der Saison gewonnen :o)) Wenn sie den Pokal holen kicken sie nächste Saison doch noch international!
Beim Rauslaufen war alles korrekt, er hat Pietroipa(?) nicht gefoult sondern den Ball gespielt. Bei den Elfern ist er rumgehampelt wie ein Handball Torwart, inwieweit das erlaubt ist weiss ich nicht, aber der Schiri hatte offenbar nichts dagegen ;-)
Die rote Karte für Jarolim war hart, aber vertretbar: Er war letzter Mann und hat Özil von seitlich hinten im vollen Lauf ausgehebelt. Gelb wäre aus meiner Sicht zwar auch OK gewesen, aber ich bin ja auch kein Schiri.
Unterstellungen Schaaf hätte versucht den Schiri zu beeinflussen halte ich übrigens für überzogen. Allerdings versient der HSV Manager für seine besonnenen Worte zu dem Thema Respekt.
So, und jetzt bitte dasselbe im UEFA Pokal nochmal :o))
Gruß Balldieb
"wer fliegt am 29.4. nach Hannover?
Richtig, Uli Hoeness und KHR, diesmal aber ohne Otmar Hitzfeld. Und treffen sich dort konspirativ mit - diesmal Tim Wiese. Immer schön kleinhalten, die Konkurrenz aus dem Norden."
Keine Sorge... ich glaube nicht dass sich die Bayern für Wiese interessieren. Wiese ist ein guter Mann, aber man sollte die Kirche schön im Dorf (bzw. Wiese in Bremen) lassen und ihn nicht gleich über den grünen Klee zum FC Bayern loben...
Erinnert mich ein bissl an Hoffenheim, die haben viele nach der Hinrunde auch schon sicher in der CL gesehen ;-)
"der Rempler war ziemlich rüde, und in Verbindung mit der gelben Karte, die Jarolim für diverse Fouls in der ersten HZ unterschlagen wurde, wäre er dann eben mit gelb-rot geflogen, was auf's gleiche rausgelaufen wäre."
Gut, eigentlich sollte man ja jede Situation für sich bewerten, aber, wenn dem wirklich so war (was ich nicht mehr auf dem Schirm hab), dann hast du sicher Recht.
Und diego hat gestern mal wieder auf die Mütze bekommen, dass war schon nicht mehr feierlich.
Paging