DFB-Pokal Fanprotest gegen Ticketpreise: Stunk im Bälleparadies

Bälle, nichts als Bälle: In Stuttgart sah einiges nach Tennis aus an diesem Abend.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim DFB-Pokal-Spiel in Stuttgart werfen BVB-Anhänger hunderte Tennisbälle auf den Rasen, um gegen Ticketkosten zu demonstrieren.
  • Auch ein Spieler des eigenen Vereins wurde getroffen.
Von Matthias Schmid, Stuttgart

Eine Packung mit 36 Methodik-Tennisbällen kostet im Fachhandel zwischen 70 und 80 Euro, inklusive Versandkosten. Das ist wichtig zu erwähnen, weil sich die Fans von Borussia Dortmund diesen Luxus geleistet haben am Dienstagabend im Pokalspiel beim VfB Stuttgart (3:1). Mit ihrer durchaus originellen Aktion zur besten Sendezeit wollten sie auf überteuerte Preise in Fußballstadien aufmerksam machen - speziell das Spiel in Stuttgart hatte für Debatten gesorgt. Was war passiert?

Nachdem Teile der BVB-Ultras zunächst nur 18 statt der vereinbarten 20 Minuten ihrem Block in der Stuttgarter Arena ferngeblieben waren, regneten in der 26. Minute plötzlich auch noch gelbe und gelb-rote Tennisbälle auf den Rasen. Gleichzeitig entrollte das Protestvolk in der Kurve Banner mit Aufschriften wie "Großes Tennis" oder "Fußball muss bezahlbar sein".

DFB-Pokal Dortmund frönt dem Überlebenskampf

Diese Farbtupfer sollten mit einem Augenzwinkern darauf hinweisen, dass sich nach Meinung der eingefleischten Fans der Volkssport Fußball gefährlich auf den vermeintlich elitären und überteuerten Tennissport zubewegt. Die schlaffen Bälle, die vornehmlich im Kindertraining verwendet werden, tun niemandem weh, aber sie unterbrachen die Partie kurzzeitig. Aus der Dortmunder Ecke purzelten so viele Weichknäuel auf den Rasen, dass sich die Spieler wie im Eingangsbereich von Ikea vorkommen mussten.

"Wir hatten im Vorfeld von der Thematik erfahren", bekannte Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels hinterher, "es war eine sehr unglückliche Geschichte, aber ich weiß auch nicht genau, wie sie abgelaufen ist." Eine Aussage, die im Vagen blieb. Dabei wusste Hummels durchaus, worum es ging. Er gehörte schließlich neben Ilkay Gündogan und Marco Reus zu den eifrigsten Balljungen, die die Bälle wieder einsammelten.

Zum Protest hatte die Dortmunder Initiative "Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar sein" aufgerufen, die sich schon seit Jahren gegen die steigenden Eintrittspreise in deutschen Fußballstadien auflehnt. Beim Spiel gegen den VfB kostete ein Viertel der verfügbaren Karten mehr als 70 Euro - ein stattlicher Preis, der dazu führte, dass die Partie nicht ausverkauft war. Die beiden Klubs hatten sich schon im Vorfeld einen Schlagabtausch um die Deutungshoheit geliefert. Während die Dortmunder Seite über "Preise auf Champions-League-Niveau" schimpfte, wies Stuttgart daraufhin, dass sie die Tarife seit der Saison 2012/2013 nicht erhöht hätten. Zudem ließ man nicht unerwähnt, dass der BVB darüber hinaus noch Vorverkaufs- und Versandgebühren erhoben habe. Konstruktiv war das nicht.

Im Endeffekt meldeten sich in sozialen Netzwerken sogar Dortmunder Fans, die die Aktion ziemlich danebenfanden, auch weil einige BVB-Anhänger die Bälle beim Eckball sogar auf den eigenen Spieler Henrikh Mkhitaryan warfen. Andere begegneten der Vorführung humorvoll und riefen "Eltern" dazu auf, dass die spielenden Kinder nun aus dem Bälleparadies abgeholt werden könnten. Auch der Gag "New balls, please" machte die Runde im Netz. Den ernsten Hintergrund des Bällewerfens hatte BVB-Kapitän Hummels immerhin erkannt. "Es ist ja momentan nicht so, dass das ganze Leben billiger werden würde", sagte der Nationalspieler, "deshalb ist es für viele schwer, auch noch für ihr Hobby Fußball so viel aufzubringen."

Tennisbälle in Fußballstadion sind in der Bundesligageschichte nicht neu. Im Dezember 2012 warfen Anhänger von Hertha BSC während des Zweitligaspiels beim SC Paderborn ebenfalls sportartfremde Rundlichkeiten aufs Spielfeld. Dazu enthüllten sie ein Leintuch mit der Aufschrift: "Tennis-Publikum nicht mit uns". Ob sie wie ihre Dortmunder Kollegen in Stuttgart auch Kinderbälle warfen, ist nicht überliefert. Aber den Spaß hatten sie sich ebenfalls einiges kosten lassen.