DFB-Pokal Dortmund frönt dem Überlebenskampf

Pierre-Emerick Aubameyang würde derzeit wohl mit einem Socken das Tor treffen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Im DFB Pokal erreicht Borussia Dortmund dank einer starken Leistung in Stuttgart das Halbfinale.
  • Beim 3:1 der Dortmunder zeigt sich die taktische Flexibilität des BVB unter Trainer Tuchel.
  • Doch auch die Schwaben liefern ein gutes Spiel ab.
Von Matthias Schmid, Stuttgart

Als Pierre-Emerick Aubameyang in die Stuttgarter Nacht verschwand, trug er nur noch einen Socken. Sein linker Fuß war pflichtgemäß mit einem weißen Tennissocken umhüllt, rechts war der Stürmer von Borussia Dortmund nach dem Pokalspiel gegen den VfB dagegen nackt in seinen Laufschuh geschlüpft - wie man es normalerweise nur bei Slippern macht.

Irgendetwas stimmte nicht mit seinem rechten Fuß, er zog ihn nach, er humpelte, als er in den Bus steigen wollte. Doch die Fans, die hinter dem Absperrgitter auf ihn und die übrigen Dortmunder warteten, riefen seinen Namen. Lautstark. Aubameyang blieb stehen, stellte seinen Trolley ab und wackelte zum Zaun, wo er sich einige Minuten Zeit nahm, geduldig fotografierte und sich fotografieren ließ und Unterschriften verteilte.

Afrikas Fußballer des Jahres war wieder einer der prägenden Menschen des Abends gewesen. Natürlich auch wegen seiner Schnelligkeit, selbst wenn in diesem Moment nichts darauf hindeutete. Mit seinem sehenswerten Führungstor und seiner Vorlage zum Endergebnis von 3:1 hatte er großen Anteil daran, dass der BVB im dritten Jahr nacheinander im Halbfinale des Pokalwettbewerbs steht.

"Auba weiß, dass er, wenn er die Chance bekommt, sie auf jeden Fall reinmacht", lobte sein Mitspieler Marco Reus: "Für uns ist das extrem wichtig." Die alte Stürmergleichung vom Selbstvertrauen und Toreschießen verleiht dem Team derzeit eine Garantie auf Erfolg. Aubameyang machte sogar im siebten Pokalspiel hintereinander ein Tor - das ist bisher in der Historie des BVB noch keinem anderen Spieler vor ihm gelungen.

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Aber nicht nur wegen Aubameyangs Bestmarke und des Halbfinaleinzugs war Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hinterher hochbeglückt. Für seine oft nüchtern vorgetragenen Nachbetrachtungen war er sogar regelrecht euphorisiert. "Zu diesem Zeitpunkt und gegen einen starken Gegner und bei diesen schwierigen Bedingungen haben wir ein perfektes Spiel gemacht", fand Tuchel also. Und der gebürtige bayerische Schwabe, der als Student einst in einer Stuttgarter Bar gejobbt hatte, übertrieb mit seiner Einschätzung nicht einmal.

Es war in der Tat eine Partie mit gehobenem Unterhaltungswert, ein puristisches Spiel wie es in England gerne vorkommt. Es gab zahlreiche Torraumszenen, Fehler für ein ganzes Jahresvideo, astreine Grätschen und vier Tore - bei besserer Chancenauswertung (auf beiden Seiten!) hätten es auch locker neun werden können. Was Tuchel besonders imponierte, waren Spieltempo, Raffinesse sowie die Hingabe, mit der alle Beteiligten auf dem schwer ramponierten Rasen dem Überlebenskampf frönten.