Von Ralf Wiegand

Ein Spiel ohne Atempause: Torschuss hier, Treffer dort, und das alles im Minutentakt. Bremens 5:2 gegen Wolfsburg ist ein Genuss für die Zuschauer - und ein Höllenritt für die Trainer.

Manchmal braucht es solche Abende, da Anarchie herrscht auf dem Fußballplatz und an die Stelle irgendwelcher Systeme der nackte Wahnsinn tritt. In solchen Momenten erkennt auch der böseste Mensch, dass das Multimillionengeschäft Fußball sich aus einem Spiel heraus entwickelt hat. Dann bricht der Trieb zu spielen durch, so hemmunglos, dass alle Vorsicht flöten geht. Für Trainer allerdings müssen solche Spiele wie das im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen Ritte durch die Hölle sein, und zwar ohne Sattel.

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Bremen (im Bild Jensen und Pellatz) siegt in einem flotten Spiel 5:2 gegen Wolfsburg. (© Foto: ddp)

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Einerseits haben sie ja ihren Anteil daran, dass Offensivkünstler wie Dzeko, Misimovic und Grafite, Diego, Özil und Pizarro auf dem Platz stehen. Andererseits denken sie, sie hätten ihren Mannschaften so etwas wie Ordnung beigebracht. Und dann steht so ein Spiel nach zehn Minuten 1:2, bringt bündelweise Torschüsse, und am Ende geht eine Elf als Sieger vom Platz, obwohl auch die andere hätte gewinnen können. In diesem Fall darf der SV Werder Bremen, 5:2 (2:2)-Sieger in Wolfsburg, im Halbfinale noch mal ran.

Um den Unterhaltungswert dieser Partie kurz zu skizzieren, seien nur die ersten fünf Torschüsse erwähnt - für mehr reicht leider der Platz nicht aus. Nach dem ersten Schuss in Spielminute drei stand es 0:1, Diego traf von der Strafraumgrenze mit einem wohlgezielten Roller neben den Pfosten. Torschuss Nummer zwei in der siebten Minute brachte das 0:2. Es war Özil, der zielstrebig über links in den Sechzehnmeterraum eindrang, abzog, traf. (Wolfsburgs Keeper Benaglio sah nicht gut aus.) Torschuss Nummer drei, weitere drei Minuten später, blieb den Wolfsburgern vorbehalten, dafür haben sie einen gewissen Dzeko in ihren Reihen, Edin Dzeko. Flache Flanke von links, trockener Abschluss, 1:2.

Nachdem also die ersten drei Torschüsse zu drei Toren geführt hatten, war es ein bisschen enttäuschend, dass Versuch Nummer vier so kläglich daneben ging. Claudio Pizarro vergab aus fünf Metern freistehend vor dem schleusenartif geöffneten Wolfsburger Tor. Der fünfte Versuch war dann wieder drin. Pizarro verlängerte einen Freistoß von Diego per Kopf ins Netz, wobei er aber im Abseits stand. Bis dahin waren erst 20 Minuten gespielt.

Rechnet man dann noch - Achtung, Bandwurmsatz - Gentners formidablen Fehlschuss dazu, frei vor Werders Ersatz-Ersatz-Torwart Pellatz übers Tor, den Pfostenschuss von Schäfer, den kuriosen Versuch des VfL-Torwarts Diego Benaglio, den Ball wie zwei Gläser Pils auf dem Tablett an der Strafraumgrenze entlang zu balancieren, dazu Özils von jenem Benaglio parierten Scharfschuss, Pizarros zweite vergebene Großchance, zwei gelbe Karten binnen fünf Sekunden (Naldo, Frings), schließlich das 2:2 durch, ächz, Dzeko (42.) - puh, es war eine atemlose erste Halbzeit.

Setzen, Pause, Seitenwechsel.

Nicht, dass die zweite Hälfte nennenswert schlechter gewesen wäre, ihr fehlte nur diese Alles-ist-möglich-Komponente. Vielleicht, wenn Dzeko nach 75 Minuten nicht an einer dieser Hochgeschwindigkeitshereingaben von Grafite vorbeigerutscht wäre und es 3:4 gestanden hätte - dann wäre der Deckel wohl noch mal vom Fass gefolgen. So aber hatte Werder das Spiel mit drei weiteren Toren - Diegos Elfmeter nach Foul an ihm selbst (55.) und endlich auch Pizarro (71./89.) - aufs Gleis gebracht. Es könnte sie mal wieder direkt nach Berlin führen.

VfL Wolfsburg: Benaglio - Pekarik, Simunek, Barzagli, Schäfer - Schindzielorz (57. Dejagah), Josue - Misimovic (79. Okubo), Gentner - Dzeko, Grafite. - Trainer: Magath. SV Werder Bremen: Pellatz - Fritz (34. Boenisch), Mertesacker, Naldo, Pasanen - Frings - Jensen, Özil (86. Tziolis) - Diego - Pizarro, Rosenberg (69. Hugo Almeida). - Trainer: Schaaf. Tore: 0:1 Diego (3.), 0:2 Özil (7.), 1:2 Dzeko (10.), 2:2 Dzeko (42.), 2:3 Diego (55., Foulelfmeter), 2:4 Pizarro (71.), 2:5 Pizarro (89.). - Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne). - Gelbe Karten: Benaglio, Pekarik, Josue (2) - Frings, Naldo (2), Mertesacker, Rosenberg. - Zuschauer: 24115.

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(SZ vom 05.03.2009)