DFB-Pokal Berlin schlägt Heidenheim: "Jetzt wollen wir ins Finale"

Trifft doppelt: Vedad Ibisevic

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Mit einer souveränen Leistung nach einem frühen Rückstand zieht Berlin ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.
  • Allerdings muss der bisherige Top-Torschütze Salomon Kalou verletzt ausgewechselt werden.
  • Das Halbfinale des DFB-Pokals im Überblick
Von Matthias Schmid, Heidenheim

Der kürzeste Weg zu Fuß aus der Innenstadt hinauf zum Fußballstadion in Heidenheim führt am Schloss vorbei. Viel übrig gelassen vom alten Glanz der ursprünglichen Stauferburg hat der Brand aus dem Jahre 1530 allerdings nichts mehr. Sie wurde fast vollständig zerstört, nur noch die Ruinen des Rittersaals sind stehen geblieben, die die stimmungsvolle Kulisse für die jährlich stattfindenden Opernfestspiele bilden.

Am Mittwochabend pilgerten mal wieder Heerscharen von Heidenheimern hinauf zum Hellensteinfelsen, sie liefen weiter zur Arena, wo sie ebenso ein Festtag erwartete, im DFB-Pokal trafen Zweitligakicker des 1. FC Heidenheim auf Hertha BSC, den Tabellendritten der Bundesliga. Schon einmal konnten die Heidenheimer hier einen Erstligisten besiegen, 2011 gewannen sie noch als Drittligist gegen Werder Bremen. Gegen die Berliner blieb die Überraschung im mit 11 900 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Stadion allerdings aus. Mit einem 3:2 erreicht die erste Mannschaft von Hertha BSC zum ersten Mal seit 1981 wieder das Halbfinale im DFB-Pokal. Dort empfängt Berlin den BVB.

"Von mir aus könnte es jede Woche so laufen, mit einem Doppelpack", sagte Matchwinner Ibisevic. Am 21. Mai, dem Tag des Finales, habe er "noch nichts vor", fügte er lachend an. "Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und haben am Ende noch mal locker gelassen. Aber sonst haben wir ein überragendes Spiel gemacht, Heidenheim hatte keine Chance", meinte Verteidiger Mitchell Weiser: "Jetzt wollen wir ins Finale." Trainer Pal Dardai ergänzte: "Wir haben zwei Tore geschenkt. Es war ein guter, aggressiver Gegner. Aber das müssen wir lernen, wir sind in einem Lernprozess."

Schmidt kennt sich eigentlich mit Pokal-Überraschungen aus

In der Tat hatte das Spiel begonnen, wie es sich Heidenheims Trainer Frank Schmidt gewünscht hatte: mit einem frühen Tor für seine Mannschaft. Nach einem Eckball von Kapitän Marc Schnatterer reagierte am kurzen Pfosten Arne Feick schneller als Herthas Torhüter Rune Jarstein und spitzelte den Ball zum 1:0 über die Linie, da waren gerade einmal neun Minuten gespielt.

Schmidt kennt sich ja aus mit Pokalüberraschungen, es war damals sogar hautnah als Spieler bei der Mutter aller Sensationen dabei, als 1994 der kleine TSV Vestenbergsgreuth den großen FC Bayern besiegte. Schmidt war in der Partie seinem Gegenspieler Jean-Pierre Papin sogar bis auf die Toilette verfolgt, damit der Franzose den Spaß am Fußballspielen verlor. Seit dem Tag hält der 42-Jährige im Fußball nichts mehr für unmöglich, auch nicht einen Heidenheimer Aufstieg in die erste Liga. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ibisevic trifft doppelt nach der Zahnarztbehandlung

Gegen Hertha hatten einige Fans noch gefeiert, als die Berliner vier Minuten später humorlos zum Ausgleich kamen. Nach einer Flanke von Vladimir Darida von der rechten Seite verlängerte Mitchell Weiser mit dem Kopf, der Ball landete vor den Füßen von Vedad Ibisevic, der nur noch einzuschieben brauchte. Hertha spielte gefälliger, schneller und direkter. Sie nahmen die Mannschaft von der Ostalb so ernst wie einen Bundesligisten. Das Team von Pal Dardai will unbedingt mal mitspielen, wenn in Berlin das Endspiel im Pokalwettbewerb stattfindet, erst einmal war es im Olympiastadion zu einem Heimspiel gekommen, doch 1993 unterlagen nicht die Profis Bayer Leverkusen 0:1, sondern die zweite Mannschaft, die als Hertha-Bubis in die Annalen des deutschen Fußballs gefunden haben.

Ein Bubi geht Ibisevic nicht mehr durch, eher als ziemlich abgezockter Routinier, nachdem er am Montag auch noch eine Zahnarztbehandlung überstanden hatte. Der 31-Jährige war es auch, der nach einer Weiser-Flanke auf 2:1 erhöhte (21). Die Berliner ließen erst gar keine große Spannung aufkommen in diesem Spiel. Sie traten seriös auf, respektvoll. Und die Gäste ließen sich auch nicht vom dichten Schneetreiben auf der Ostalb beeindrucken, im Gegenteil. Nach dem Seitenwechsel umkurvte Genki Haraguchhi zwei Gegenspieler so leichtfüßig wie Felix Neureuther die Slalomstangen und schloss zum 3:1 platziert ab (58). Anschließend verkürzte Heidenheim zwar noch mal durch einen Elfmeter von Schnatterer (nach Foul von Weiser an Robert Leipertz) auf 2:3 (82.). Aber der Treffer kam zu spät, sodass Berlin weiter von Berlin träumen darf, während der Festtag für Heidenheim doch etwas enttäuschend endete.