Nach einer späten Steigerung erreicht Bayer 04 Leverkusen durch ein 4:1 nach Verlängerung über Mainz zum dritten Mal das Pokalfinale.
Leverkusen gewinne nie etwas, hat der brasilianische Mittelfeldspieler Emerson geflucht, als Bayer04 in einem stolzen Fußballdorf namens Unterhaching ziemlich spektakulär seine erste deutsche Meisterschaft verspielte. Nun ja, Emerson (der übrigens am Dienstagabend seinen Vertrag bei Inter Mailand auflöste) irrte sich damals natürlich, wenn auch nur geringfügig. Uefa-Cupsieger und Gewinner des DFB-Pokals sind die Leverkusener ja zuvor schon mal gewesen, der humorlose Mittelstürmer Ulf Kirsten köpfelte beispielsweise im Juni 1993 im Berliner Nieselregen das einzige Tor gegen die Hertha-Amateure zum ersten nationalen Titel für den Werksklub.
Arturo Vidal erzielt das 2:1 für Bayer Leverkusen. (© Foto: dpa)
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In diesem Jahr soll es nun mal wieder klappen, und zumindest die Finalteilnahme in Berlin hat Leverkusen am Dienstagabend erreicht: Nach einer späten Steigerung gewann Bayer das Halbfinale gegen den letztlich deutlich unterlegenen Zweitligist Mainz05 4:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung und steht damit zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Pokalendspiel. "Wir haben eine Riesenmoral gezeigt", sagte der schwer erleichterte Trainer Bruno Labbadia hinterher, "wir haben einen gut organisierten Gegner müde gespielt."
Einen wie Kirsten ("der Schwatte") könnten sie im Rheinland zurzeit gut gebrauchen - jemanden, der den Ball aus dem Nichts einfach mal mitsamt des Verteidigers über die Linie drückt. Auch am Dienstagabend kontrollierte Bayer zwar die komplette Partie, gefährlich wurde es für die Mainzer jedoch zu selten. Nach einer konstruktiven Startphase merkte man der jungen Leverkusener Mannschaft eben den Druck an, mit diesem einen Spiel eine inzwischen verkorkste Saison unbedingt retten zu müssen.
In der Hinserie, als Leverkusen noch erfrischend auftrat und bisweilen die Bundesliga anführte, hatten die Leverkusener ja oft vor der Pause zugeschlagen; doch von dieser Leichtigkeit ist bei ihnen schon lange nichts mehr sehen. Ein früher Versuch von Renato Augusto, der Kießlings Flanke nicht richtig traf (3.), dazu Kadlec' abgefälschter Distanzschuss (18.) und Helmes' vermeintlicher Abstauber nach einem Querschläger von Noveski (20.) - mehr aufregende Szenen musste der einstige Leverkusener Torhüter Dimo Wache (1990 bis 1992) im Tor der 05er bis zur Pause nicht überstehen.
Der Plan der Mainzer schien somit aufzugehen. Schon im Viertelfinale gegen Schalke (1:0) hatten sie den Favoriten mit konsequentem Pressing gestört und auf Konterchancen gelauert. Gegenstöße zeigten die Mainzer allerdings so gut wie gar nicht, auch sie stecken ja zurzeit in einer mittelschweren Formkrise und müssen als aktueller Tabellendritter um den angestrebten Aufstieg bangen. Im Duell zweier angeschlagener Teams, das war spätestens zur Halbzeit klar, würde ein offener Schlagabtausch eher ausbleiben. "Wir haben gut angefangen, aber die Mainzer machen das sehr geschickt", sagte Leverkusens angespannter Sportchef Rudi Völler zur Pause, "aber wir werden unsere Chancen bekommen."
Nicht nur Völler wartete auch nach Wiederbeginn lange vergebens. Leverkusen erhöhte zwar minimal das Tempo, doch Mainz stand diszipliniert, massiv und konzentriert. Eine unangenehme Aufgabe hatte Bayer hier zu bewältigen, denn für einen lockeren, von allen Experten und vor allem von den Verantwortlichen im Klub erwarteten Sieg über den Außenseiter kombinieren die talentierten Leverkusener im Frühjahr 2009 einfach mit zu wenig Esprit und Präzision. Mainz wiederum tat wenig fürs Spiel, Bancé, die einzige Spitze, sah den Ball meist nur aus der Entfernung und schuftete vorne als erster Verteidiger.
Die ignorierte Verletzung
Als die Leverkusener Ratlosigkeit ihren Höhepunkt erreicht hatte, reagierte Trainer Labbadia und brachte zwei frische Offensivkräfte: Barnetta für den soliden Ballverteiler Kroos und der Wintereinkauf Charisteas anstelle des erneut enttäuschenden Nationalstürmers Helmes. Die Mannschaft verstand das Signal. Augusto prüfte Wache (78.), und Kießling drückte den Ball dann sogar ins Tor. Doch nach Vidals Versuch und Rolfes' Nachschuss gegen den Pfosten stand der fleißige Stürmer im Abseits (80.).
Aber Bayer 04 drängte jetzt auf eine Entscheidung, zumal die Mainzer Angriffsbemühungen mehr als kläglich ausfielen. Und so zog der starke Augusto abermals fulminant ab, Wache ließ den Ball unglücklich abprallen - und Charisteas, zur Rückserie aus Nürnberg geholt, staubte ab. Leverkusen schaltete jedoch etwas zu früh ab, vor allem nach Charisteas Verletzung im eigenen Strafraum, die sowohl Schiedsrichter Weiner als auch die Gäste ignorierten. Pekovic durfte also noch flanken, und Bancé hielt seine Stirn zum Kopfballaufsetzer ins Eck hin - 1:1, die unverhoffte Verlängerung.
Bayer hatte nun aber die Favoritenrolle endgültig angenommen, man stemmte sich nun mit Mumm und Leidenschaft gegen die Blamage und bestrafte umgehend die kleine Unsportlichkeit der Mainzer. Nach einem der zahlreichen Eckstöße kam Kießling im Strafraum zum Schuss, und Waches Parade ließ Vidal einen Nachschuss zum 2:1 folgen (92.). Kießling hätte die Partie frei vor Wache vorzeitig entscheiden können (97.), ebenso Friedrich per Kopfball, den Wache parierte (103.). Eine Minute später sangen die Bayer-Fans dann aber doch befreit von Berlin, nach Friedrichs zweiten Kopfball hielt Rolfes den Fuß hin. Kadlec erhöhte mit einer Einzelleistung noch auf 4:1 (117.). Ein spätes Solo und gleich drei schmucklose Tore aus kurzer Distanz, der Tribünengast Kirsten wird sehr zufrieden gewesen sein.
(SZ vom 22.04.2009/jüsc)
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Es ist doch immer nett zu lesen, wie man sich gewisse Geschehnisse in der Vergangenheit so zurechtlegt, dass sie für eine nette Schlagzeile zu gebrauchen sind.
Lieber Herr Burkert, ich ich schätze ihre Arbeit als Reporter und Journalist sehr, sie sind zu einem großen Maß mitverantwortlich, dass ich selbst den Sportteil der SZ den vieler anderer Zeitungen vorziehe.
Der Grund der Abgänge waren zumeist finanzielle und sportliche Aspekte , die weitreichender waren, wie das Versagen in Unterhaching oder das ominöse "Triple" aus dem Jahre 2002, als man gleich dreimal Zweiter wurde.
Sollte Ribery zum Ende der Saison die Bayern (oder Diego Bremen) verlassen so machen sie dies aus dem identischen Grund, wie es schon Größen wie Emerson, Ballack, Ze Roberto, und viele andere getan haben. Er macht es des Geldes und der größeren Reputation des zukünftigen Klubs wegen.
Weder Ballack noch andere Spieler hätten nach den möglichen Titeln 2002 gesagt - man kann hier ja Titel und Pokale holen - na gut, dann bleibe ich im beschaulichen Leverkusen am Rhein.
Dass es sich bei dem Spiel bis zur 80.min, um ein wirklich ärgerliches Spiel handelte war zu erwarten. Es ging hier ja schließlich um den Finaleinzug und den möglichen Platz im Uefa- Pokal.Dass Mainz wohl kaum gestalterisch auf dem Platz tätig werden würde war nach dem Spiel gegen Schalke wohl von Vorne herein klar.
Dass Leverkusen ängstlich und ohne den absoluten Sturmlauf auf Fehler warten musste eine logische Konsequenz aus den Misserfolgen der Liga.
Aus diesem Grunde ist die bessere und auch couragiertere Mannschaft ins Finale eingezogen, in dem man sich auf ein ganz anderes Spiel freuen kann, soviel dürfte jedenfalls sicher sein.
Ob sich der Schwatte dann wieder auf der Tribüne freuen darf, mag ich selbst nicht zu sagen, zu wünschen jedoch wäre es ihm...
zunächst muss ich natürlich erwähnen, dass ich uneingeschränkter fan des sz-sportteils bin und uneingeschränkter gegner des rumnölens: kommt ja nichts besseres nach.
aber bei so einem bonmot (leverkusen gewinnt nie was) sollte einem nicht der fehler unterlaufen, dass emerson sich wie im falschen verein fühlt. und das noch im nachsatz (der übrigens...).
also ohren gespitzt und nachsitzen: emerson begann in brasilien bei botafogo und grêmio porto alegre, begann in europa bei bayer leverkusen, wechselte dann zur roma, danach zu juve, spielte ein jahr bei real und landete schließlich bei milan, nicht internazionale, baby! seine karrierestationen kann selbst ich als fußballdauerglotzer (und gerade als solcher, der tagein tagaus vom sportreportergelaber ruhiggestellt wird) herunterbeten. und emersons kateznhafter eleganz, seiner sachlichen spielführung, seiner taktischen und spielerischem klasse ist man das schließlich schuldig.
à propos sportreporter: das spiel der werkself gegen mainz war ja fast bis zum schluss der regulären spielzeit ein grottenkick. das langweiligste und, fast könnte man versucht sein anzumerken: wie immer auch das ärgerlichste, war der reporter (den namen hab' ich, gott sei dank, wieder vergessen und der waldi hartmann hat sich ja vornehm zurückgehalten).
mainz hat gnadenlos abgeriegelt, auf den seiten gleich mit mehreren leuten (nicht nur mit dem vielbesprochenen pärchen). mainz' trainer anderson hat dazu immer die geste gemacht, dass man gedacht hat, man ist beim handball. leverkusen hat dafür, wie's der scholli gesagt hat, zu wenig und zu langsam verlagert und deshalb keine überzahl geschafft. wer aber zu wenig nach vorne entlastet und den gegner in der defensive beschäftigt, muss sich nicht wundern, dass nach 90 minuten die konzentration und damit der verteidigungswall nachlässt: es geschehen fehler und gegentreffer. und weil man nun versäumtes nachholen sollmusswill, kriegt man eben gleich noch welche eingeschenkt. das ist der gerechte lohn für solchen antifußball.
insofern spielt nicht mainz, sondern bayer die rolle der tapferen schneiderlein. und insoweit sehe ich leverkusen seit jahren immer gerne zu, weil sie nach vorne spielen. unumstößlich ist die fußballweisheit: gegen die großen (wie die armen bayern) trumpfen sie auf, weil die auch nach vorne spielen. aber hamburg mit trochowski/olic/guerero oder bremen mit diego/pizarro, die auch nach vorne spielen, sind nicht real mit zidane/figo/raùl, die immer nach vorne gespielt h
Die Entscheidung von Labbadia Charisteas und Barnetta einzuwechseln, war goldrichtig. Auch wenn ich es hasse, dass die stürmende Mannschaft den Ball auf den langen (in dem Fall Charisteas) nach vorne schlägt, um den Ball abtropfen zu lassen. Das war Leverkusens letztes Mittel, da sie mit dem Kurzpass Spiel nicht durch die Mainzer Mauer durchkamen.
Ich mag die Spielweise von Leverkusen, sie pressen sehr früh, versuchen mit schnellem Kurzpass Spiel bis zum Strafraum zu kommen. Das ist taktisch der Fußball, den ich von einer Spitzenmannschaft erwarte, der mich unterhält.
Daher drück ich Leverkusen die Daumen fürs Finale. Es wird jedenfalls ein spannendes Finale.
Das war ein völlig korrektes Tor. Charisteas ist im Gewusel von Adler getroffen worden, ging zuerst in die Knie und blieb dann liegen. Foul kann er da nicht pfeifen und dann das Spiel weiterlaufen zu lassen ist korrekt.
Anstatt rumzugestikulieren und sich mit der vermeintlichen Fehlentscheidung zu beschäftigen, sollten sich die Abwehrspieler in solchen Situationen auf das Spiel konzentrieren ;-)
Gruß Balldieb
Tut mir leid, aber Werder muss unbedingt den Pokal holen, dann kicken sie nächste wenigstens UEFA Cup (...den sie gegen Donezk auch holen ;-). Wenn die Verteidigung heute abend steht, ist es machbar. Der HSV darf dafür ausnahmsweise mal Meister werden (wenn sie es packen...)
Gruß Balldieb
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