Die Vereinsverantwortlichen sind sich nicht einig in ihrem Urteil. Von Bruno Labbadia selbst sind keine wegweisenden Erläuterungen zur zwiespältigen sportlichen Lage zu erwarten. Eine tiefere Analyse würde "den Rahmen sprengen", sagt er am Tag vor dem Mainz-Spiel, "das kann man nicht in ein paar Sätzen erklären". Er betont dann aber doch, dass die schlechten Resultate "nicht dazu passen, wie die Mannschaft und wie wir alle zusammenarbeiten". Er sagt, dass "viele Faktoren" zusammentreffen, und nennt, wie es Jürgen Klinsmann in München auch häufig zu tun pflegt, "Entwicklungsprozesse auf dem Platz und auch außerhalb". Später deutet er an, dass die Mannschaft noch um die innere "Balance" bemüht sei, ein leiser Vorwurf steckt darin.

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Die Leverkusener Mannschaft ist sehr jung, am Samstag beim 1:2 in Wolfsburg hatte Kapitän Rolfes im Mittelfeld zwei 21-Jährige (Vidal, Renato Augusto) und einen 19-Jährigen (Kroos) zur Seite. In der Abwehrkette ist Friedrich 29-jährig bei weitem der Älteste. Labbadia hätte dem Kader im vergangenen Sommer gerne etwas mehr Erfahrung hinzugefügt, er hätte ohnehin gerne mehr Einfluss auf die Gestaltung des Teams genommen, so wie er es aus seiner Zeit als Trainermanager beim Zweitligsten SpVgg Fürth gewohnt war.

Aber das hat ihm Bayer verwehrt, voran die Sportchefs Rudi Völler und Michael Reschke, dahinter der Stab alteingesessener, einflussreicher Bayer-Leute: Ulf Kirsten, Jürgen Gelsdorf, Norbert Ziegler. Im Gegenzug wehrt sich der Bundesliga-Trainerneuling Bruno Labbadia dagegen, über seine Auffassungen von Training, Taktik und Personalführung zu diskutieren.

Auch die Spieler erleben den 43-Jährigen, der in der Öffentlichkeit professionell und gewinnend auftritt, bei der Arbeit als unnachgiebig. Kapitän Rolfes etwa warb bei seinem Chef vergeblich darum, dass ihm im defensiven Mittelfeld ein Partner zur Seite gestellt wird. Es gibt aus dem Spielerkreis auch Klagen über das harte Training, über Sitzungen und Video-Lehrstunden, in denen der Coach angeblich mit "nervender Akribie" zur Sache geht.

Bei Bayer weiß man noch nicht, wie die Lage um Labbadia zu bewerten ist. Dem Express versicherte Geschäftsführer Holzhäuser: "Wir stehen zu ihm. Wir sind von ihm voll überzeugt. Er bleibt auch unser Trainer, wenn es Dienstag schiefgehen sollte." Dass dieser letzte Trumpf tatsächlich verloren gehen sollte, will sich aber lieber keiner vorstellen.

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(SZ vom 21.04.2009)