DFB-Pokal, Achtelfinale Gala mit Fußnote

Bayerns überzeugendes 5:1 gegen Stuttgart ist ein eindeutiges Zeichen an die nationale Konkurrenz. Allein Ribérys "Cirque du Soleil" ärgert die Münchner.

Von Johannes Aumüller, Stuttgart

Dass nach rund 55 Minuten Bastian Schweinsteiger zum Elfmeterpunkt schritt, um den Strafstoß auszuführen, hatten die höchsten Autoritäten des FC Bayern abgesegnet. Unabhängig voneinander. Der Manager Uli Hoeneß sei in der Halbzeitpause zu ihm gekommen und habe gesagt, er solle sich doch mal den Ball schnappen, erzählte Schweinsteiger nach dem Spiel. Trainer Jürgen Klinsmann rief außerdem sehr laut ins Spielfeld, wer denn nun den Elfmeter schießen solle. Was die allerhöchste Autorität, selbtredend Franz Beckenbauer, sagte, ist nicht übermittelt; es ist aber davon auszugehen, dass er sich inhaltlich den Herren Hoeneß und Klinsmann anschloss.

"Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Franck Ribéry zu seinem Elfmeter-Lupfer. Doch die Peinlichkeit ging am Ende unter im Angriffswirbel der Bayern.

(Foto: Foto: Reuters)

Normalerweise zeichnet der französische Mittelfeld-Filou Franck Ribéry für die Bayern-Elfmeter verantwortlich. Doch als nach einem Foul von Stuttgarts Torwart Jens Lehmann an Zé Roberto Schiedsrichter Heribert Fandel zum zweiten Mal auf den Elfmeterpunkt zeigte, durfte Ribéry nicht ran. Denn bereits in der ersten Hälfte hatte es beim Stand von 2:0 für die Bayern einen Strafstoß (Handspiel von Boka) gegeben - und diesen hatte Ribéry auf fahrlässigste Art vergeben. Ganz lässig wollte er den Ball über Jens Lehmann hinweglupfen, doch der blieb einfach stehen und hielt den Ball fest. "Das ist Cirque du Soleil, das hat mir gar nicht gefallen", schimpfte Hoeneß. Man mag gar nicht daran denken, was los gewesen wäre, wenn dieser verschossene Elfmeter die Partie zum Kippen gebracht hätte ...

So aber blieb Ribérys dreister Versuch eine Fußnote in einem Spiel voller überzeugender Bayern-Kapitel. Mit 5:1 (Tore: zweimal Schweinsteiger, Ribéry, Toni, Zé Roberto; Gegentreffer: Gomez) zerlegte der FCB die Schwaben und zog ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein - jene Schwaben, die noch im Bundesliga-Spiel kurz vor der Winterpause den deutschen Rekordmeister am Rande einer Niederlage hatten.

Natürlich hatten die Stuttgarter einen schlechten Tag; natürlich ließen sie ihren Gegenspielern zu viel Platz; und natürlich war aus der Rückschau betrachtet Babbels 4-5-1-Taktik zu passiv. "Wir waren viel zu ängstlich, haben alles vermissen lassen", sagte der Stuttgarter Teamchef. Doch den bayerischen Kantersieg allein auf schwache und ängstliche Stuttgarter zu schieben, wird dem guten Spiel der Klinsmann-Elf nicht gerecht.

Keine Aufstellungsexperimente mehr

"Die Mannschaft hat gespielt wie aus einem Guss", lobte Hoeneß zu Recht. Die Hintermannschaft drängte die Stuttgarter Offensive weit vom eigenen Tor weg. Das Mittelfeld um Mark van Bommel und Zé Roberto machte gut die Räume eng. Nach vorne kombinierte sie flüssig, Ribéry sorgte mal wieder für kreative Höhepunkte. Insgesamt unterlief dem FC Bayern kaum ein Fehler. Und zudem zeigte er in vielen Situationen einen deutlichen Fitnessvorsprung: Fast immer attackierten zwei Bayern-Spieler einen Stuttgarter. Die Bayern waren spritziger, schneller, einfach eine Klasse besser.

Diese 5:1-Gala war ein deutliches Signal an die nationale Konkurrenz, die sich ob solch einer starken Leistung fürchten muss. "Wenn wir so weitermachen, werden wir deutscher Meister", prophezeite Außenverteidiger Philipp Lahm. Hoffenheim hat Ibisevic verloren, Hamburg de Jong, der FC Bayern aber, so scheint es nach diesem ersten Pflichtspiel, das Trainingslager in Dubai genutzt, um noch weitere Prozent an Qualität zu gewinnen.

Anders als in der Sommer-Vorbereitung, auf die ein holpriger Start in die Saison folgte, konnte Klinsmann den kompletten Kader um sich versammeln. Und anders als im Sommer hat sich der Bayern-Trainer von jeglichen Aufstellungsexperimenten verabschiedet - wenngleich er weiter die Ausgeglichenheit der Mannschaft betont. "Wir haben einen sehr guten Kader, in dem mit Ausnahme der Position vom Philipp [Lahm] alle Positionen gedoppelt sind", sagte Klinsmann.

Wer schießt den nächsten Strafstoß?

Im Pokal und in der Meisterschaft reicht dieser Kader auf jeden Fall. Doch die Saison 2008/09 ist ja eine Saison, in der die Bayern nicht nur national, sondern auch international um Titel mitspielen wollen. Mit Blick auf die Champions League sind in der Tiefenanalyse noch ein paar Baustellen auszumachen: Zum Beispiel die rechte Seite, die trotz gegenteiliger Beteuerungen von Uli Hoeneß einfach nicht an die linke Seite heranreicht. Ein Spieler wie Christian Lell als Rechtsverteidiger, der von seinem Potential deutlich gegenüber dem Rest der Mannschaft abfällt. Und die Frage, ob die Fitness auch ausreicht, um mit der höchsten europäischen Konkurrenz mitzuhalten. Außenverteidiger Lahm jedenfalls wies fürsorglich daraufhin: "International müssen wir eine Schippe drauflegen."

Doch bis zu den ersten Champions-League-Auftritten (25. Februar und 10. März gegen Sporting Lissabon) hat Klinsmann noch ein wenig Zeit, um daran zu arbeiten. Zunächst geht es für die Bayern am Freitag mit dem Rückrundenauftakt beim Hamburger SV weiter. Und wenn sie dabei nur ansatzweise so zu Werke gehen wie gegen Stuttgart, wird die spannendste Frage des Abends sein, wer denn zum Elfmeterpunkt schreitet, falls der Schiedsrichter Strafstoß pfeift.