Von Jürgen Schmieder, Basel

Eine Mannschaft braucht bei einem Turnier eine Initialzündung - ein Spiel, das den weiteren Verlauf bestimmt. Dieses Spiel hat die deutsche Mannschaft am Donnerstag abgeliefert und hat nun höhere Ziele.

In der 87. Minute tat Joachim Löw etwas, das er während eines Fußballspiels wohl noch nie getan hat. Er zündete sich eine Zigarette an und nahm nervös einige Züge. Der Trainer Löw raucht nie, nun aber war Löw kein Trainer, sondern gewöhnlicher Zuschauer auf der Ehrentribüne des Basler Stadions. Gerade hatte die portugiesische Mannschaft auf 2:3 verkürzt, der Schiedsrichter zeigte eine Nachspielzeit von vier Minuten an. "Es war ganz schlimm da oben", sagte Löw nach dem Spiel. Ersatz-Trainer Hans-Dieter Flick ergänzte: "Zu diesem Punkt wurden wir auf der Bank sehr nervös." Flick ist Nichtraucher, also hüpfte er lieber an der Linie herum.

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Entscheidend im Mittelfeld: Michael Ballack (links) und Simon Rolfes. (© Foto: dpa)

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Es war ein Spiel, das der Trainer Joachim Löw schon vor dem Spiel entscheidend prägte - mit der Festlegung der taktischen Ausrichtung. Vom gewohnten 4-4-2-System, das Löw zu Beginn des Turniers quasi heilgesprochen hatte, stellte er auf eine 4-2-3-1-Formation um. Ziel: In der Defensive sicher stehen gegen die portugiesischen Feingeister Ronaldo, Deco, Moutinho und Simão. Es entpuppte sich als die richtige Entscheidung, die ballsicheren und zweikampfstarken Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld agieren zu lassen. Davor spielten Michael Ballack, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger.

Letztgenannter hatte nicht nur von Löw das Vertrauen ausgesprochen bekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich hatte ihm gesagt, was er zu tun habe. "Sie hat gesagt, ich soll keine Dummheit mehr machen und lieber wieder so spielen wie damals gegen Portugal. Ich habe beides gemacht", sagte Schweinsteiger nach dem Spiel und fügte hinzu: "Wenn die Bundeskanzlerin einem das sagt, dann muss man das auch machen." Schweinsteiger wurde zum "Man of the Match" gewählt - obwohl diese Ehre eigentlich dem Trainer Joachim Löw gebührte.

Aus der Taktikänderung von Löw resultierte der Führungstreffer durch Schweinsteiger. Weil Ballack offensiver spielen durfte, gab es vor dem 1:0 einen Spielzug, der wohl eher den Portugiesen zugetraut wurde: Doppelpass Podolski und Ballack. Noch ein Doppelpass Podolski und Ballack. Flachpass nach innen von Podolski. Tor durch Schweinsteiger. Der konnte nur deshalb an diesen Ort im Strafraum gelangen, weil kein zweiter Stürmer auf dem Platz stand und den Raum belegte. "Das sah schon sehr gut aus", sagte Flick.

Auch die anderen beiden Treffer darf Löw sich ans Revers heften. "Wir wissen, dass wir kopfballstarke Leute haben und dass die Portugiesen dort nicht besonders gut sind", sagt Flick. Auf die Nachfrage, ob diese Standardsituationen deshalb besonders trainiert wurden, meinte Flick nur: "Ja, das wurden sie." Schweinsteiger schlug den Ball zweimal scharf in den Strafraum, zuerst verwandelte Miroslav Klose, in der zweiten Halbzeit Michael Ballack.

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