Von Thomas Kistner

Auch nach kurzem Dialog bleibt das Verhältnis zwischen DFB-Chef Zwanziger und Trainer Löw angespannt. Der Prügelknabe aus Sicht des DFB heißt Bierhoff.

Belebend war der gemeinsame Wochenendausflug nach Polen für die Spitzenkräfte von Deutschem Fußball-Bund und Nationalteam nur insofern, als das frostige Innenverhältnis nun in aktuelle Fernsehbilder gekleidet werden konnte. Bewegt hat sich die Kältefront nicht, Eiszeit herrscht zwischen den DFB-Granden, Verbandschef Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach, sowie den leitenden Angestellten, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff.

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Nur zu zweit zu haben: Joachim Löw (hinten) und Oliver Bierhoff. (© Foto: AP)

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Ändern dürfte sich daran wenig in den nächsten Monaten, die zur WM in Südafrika hinführen. Löw will vor dem die Welt berührenden Ereignis "auf keinen Fall noch mal verhandeln" und sieht eine Zukunft über die WM hinaus beim DFB nur an Bierhoffs Seite. Auf den hat sich indes die DFB-Spitze samt beigeordnetem Medientross eingeschossen.

Ein Prügelknabe muss her beim finalen Freistil-Ringen um Fußball-Deutschlands liebstes Kind, die Nationalelf. Die Gemengelage beim Zwangsausflug zur EM-Auslosung stellte sich so dar: Während in Warschau von DFB-Seite weiter der Eindruck befördert wurde, man habe sich erstens mit so dreisten Forderungen von Löw, Bierhoff und Co, konfrontiert gesehen, dass sich jedes klärende Wort dazu erübrigt hätte, und zweitens festgestellt, das Ganze sei sowieso nur ein Bierhoffsches Ego-Projekt, dem der brave Jogi und seine Trainergesellen Flick und Köpke auf den Leim gingen, zeigte der Bundestrainer mit bemerkenswerter Leidenschaft, dass zumindest letzteres nicht zutrifft.

Vor jeder Kamera legte er dar, dass Bierhoffs Vorgehen beim Vertragspoker in Absprache und vollem Einklang mit dem Trainertrio stattgefunden habe - und er verknüpfte sein Angestelltenschicksal beim DFB mit der Personalie Bierhoff. Was eingedenk der DFB-Version, dass Bierhoff ihn nur für seine Zwecke gebrauche, zwei Schlüsse anbietet:

Entweder sie ist falsch, und Bierhoff hat doch für alle agiert, die sich dabei im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte befanden - oder es hat eine Gehirnwäsche stattgefunden, die weiter anhält und schlimmste Befürchtungen für die WM nähren muss. Löw nämlich erläuterte am Sonntag: "Bierhoff war jahrelang mein Partner, er hat immer hervorragende Arbeit geleistet und mich und unser Team im DFB-Präsidium immer gut vertreten" - sie stehen weiter fest zusammen.

Die Schwarzweiß-Nummer mit dem lieben Jogi und dem bösen Olli funktioniert nicht so recht, da wartet eine harte Nuss auf Zwanziger und seinen General. Auch sonst gibt es mancherlei Klärungsbedarf in dieser Causa, aus der sich gerade die Verbandsleute nicht mit Diskretionsverweisen manövrieren können. Unbeantwortet ist die Schlüsselfrage zum Verständnis des Zerwürfnisses: Wie sind vertrauliche Inhalte aus den Vertragsgesprächen samt dem unpopulären Teil der Forderungen von Löw und Co. immer wieder bei Bild gelandet?

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