Beim 2:1 im EM-Viertelfinale gegen Italien zeigt die Frauen-Auswahl des DFB, dass ihre Neuordnung gelingen kann. Sorgen bereitet nur die prominenteste Spielerin.
Die erste gute Nachricht für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft lautet, dass sie die 0:1-Niederlage gegen die Italienerinnen beim Algarve-Pokal vor zwei Jahren in einer dunklen Ecke verstauen kann, wo sie so schnell keiner wiederfindet. Die Partie ist seit Freitag überholt, jetzt führt die Statistik das EM-Viertelfinale 2009 als neuesten Vergleich dieser beiden Mannschaften. 2:1 (1:0) gewannen die Deutschen vor etwa 2000 Zuschauern in Lahti durch zwei Tore der rechtzeitig von einer Knieprellung genesenen Inka Grings bei einem Gegentreffer von Patrizia Panico - die zweite gute Nachricht für die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid lautet also, dass sie sich in Finnland weiter um die erfolgreiche Titelverteidigung bemühen darf.
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Linda Bresonik (links) und die deutsche Elf stehen nach dem 2:1 gegen Italien im Halbfinale. (© Foto: AP)
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Sechsmal haben die Deutschen das Europaturnier schon gewonnen, sollte ihnen dies auch in diesem Jahr gelingen, wäre es ihr fünfter EM-Titel nacheinander. Im Halbfinale trifft die deutsche Auswahl am Montag in Helsinki auf die Siegerelf des Spiels Schweden gegen Norwegen. "Wir haben riesig gekämpft, und können stolz sein, das Halbfinale erreicht zu haben", sagte Grings.
Die Italienerinnen hatten sich in der Gruppenphase als tückisches Kollektiv präsentiert, sie besiegten England (2:1) und Russland (2:0), obwohl sie in keinem der Spiele die bessere Mannschaft waren. Über ihre Angreiferinnen Panico und Gabbiadini war bekannt, dass sie in der Lage sind, aus Situationen zu treffen, die sich eigentlich nicht zum Torschuss eignen, weshalb Silvia Neid ihre Fußballerinnen zu erhöhter Vorsicht mahnte: "Sie sind beide unglaublich gefährlich und machen aus dem Nichts Tore - von daher muss man dieses Spiel erst einmal gewinnen."
Dass der deutschen Mannschaft dieses Unterfangen im Stadion unterhalb der Salpausselkä-Skisprungschanze trotz eines Panico-Tores in der 63. Minute gelang, deutet darauf hin, dass die personelle Neuordnung gelingen kann, die Neid ihrer Mannschaft im Hinblick auf die Heim-Weltmeisterschaft 2011 verordnet hat. Wie in den ersten beiden Gruppenspielen kombinierte die Trainerin erfahrene Kräfte (Grings, Prinz, Hingst, Garefrekes) mit jungen Spielerinnen (Peter, Kulig, Schmidt), und wie die Generationen harmonieren können, führte die Mannschaft in der 17. Minute vor. Grings leitete den Ball mit der Hacke zu Kulig, diese konnte frei auf das Tor der Italienerinnen zulaufen.
Sorgen bereitet weiter Birgit Prinz, die auch im vierten Turnierspiel trotz ordentlicher Leistung keinen Treffer erzielte. Und noch eine bedenkliche Personalie zeichnet sich ab: Ariane Hingst musste das Feld in der Halbzeit mit Verdacht auf einen Meniskusschaden verlassen.
Das Spiel gegen Italien, das erst nach dem Anschlusstreffer ein bisschen Spannung bot, hat aber auch gezeigt, dass die erfahrenen Spielerinnen weiter entscheidend sind. Kulig konnte die Hackenvorlage nicht in einen Treffer verwandeln, sie legte sich den Ball zu weit vor. Besser machte es Grings, 30, mit ihren Toren in der vierten und 47. Minute.
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(SZ vom 05.09.2009)
Die wenigen schönen Aktionen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Mehrzahl der Fälle Pässe unmotiviert in die Beine der Gegnerinnen gespielt wurden und mancher Spielerin Spielverständnis und Ballsicherheit fehlt. Wenn die Leistungsdichte international endlich höher wird, dann werden (wie im Übergang von der D- zur A-Jugend) nicht mehr die athletisch überlegenen Akteurinnen, sondern die mit mehr Spielwitz und besserer Technik das Geschehen bestimmen und die Titel gewinnen. "Hauptsache gewonnen" will heute kaum jemand mehr sehen, oder?