Von Christof Kneer

René Adler folgt Robert Enke nach dessen Handbruch in der Rolle der vorläufigen Nummer eins der Nationalmannschaft. Doch die Rotation im Tor dürfte anhalten.

Jetzt wüsste Robert Enke, dass er spielt, aber jetzt ist es leider zu spät. "Alles wäre auf Robert zugelaufen", sagt DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke. Er sitzt in der Lobby des Düsseldorfer Mannschaftshotels, es ist kurz nach 13 Uhr, die Spieler kommen gerade aus ihren Zimmern. Jetzt kommen die Abwehrspieler, sie bilden eine schön kompakte Kette. Später kommen die Stürmer, und dann kommt René Adler, er bildet heute einen eigenen Mannschaftsteil. Tim Wiese, der andere Torwart, sitzt noch in der Lobby und gibt ein Interview. Und Robert Enke ist schon auf dem Weg nach Hamburg.

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Vor dem ersten Länderspiel: Leverkusens Torwart Rene Adler. (© Foto: Getty)

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So ein Länderspiel gegen Russland ist ja eine spannende Sache, aber richtig prickelnd wird ein Länderspiel in Deutschland erst dann, wenn man über den Torwart debattieren kann. Würden die DFB-Trainer diesmal vielleicht dem wiedergenesenen Leverkusener René Adler, 23, die heiligste deutsche Position anvertrauen, weil der Hannoveraner Robert Enke, 31, in den vergangenen drei Länderspielen zu wenig positive Fakten geschaffen hat? Oder würde Enke doch wieder aufs deutsche Tor aufpassen dürfen, weil er auch keine negativen Fakten geschaffen hat?

Dies waren zwei herrlich dramatische Torwartfragen, die sich vorübergehend auch die DFB-Trainer stellten, bis sie sich intern für Enke entschieden. Am Donnerstagmorgen aber waren all die schönen Fragen plötzlich nichts mehr wert. Eine Kernspintomographie ergab, dass sich Enke einen Kahnbeinbruch an der linken Hand zugezogen hat. Enke selbst rechnete mit einer mindestens achtwöchigen Pause, beim DFB ließen sie sich zunächst auf keine Prognose ein. "Wie lange er ausfällt, hängt auch davon ab, was die Untersuchung beim Spezialisten in Hamburg ergibt", sagte Köpke.

Der Schuss von Philipp Lahm

Am Abend wurde dann aber bekannt, dass Enke noch am Freitag operiert wird und mindestens zwölf Wochen ausfällt. Das Länderspieljahr 2008 ist für ihn beendet, fürs Testspiel gegen England (19.11.) wird es nicht reichen, weshalb Adler fürs Erste - ja, was eigentlich ist?

René Adler ist seit Donnerstagmorgen die vorläufige Nummer eins, so wie Robert Enke bis Donnerstagmorgen die vorläufige Nummer eins war. Zur Umkehrung der Verhältnisse hat es nur einen Sechzehnmeterschuss von Philipp Lahm beim Sechs-gegen-Sechs-Spielchen am Mittwochnachmittag gebraucht, einen Schuss, der "nicht mal so doll" war, wie der Augenzeuge Arne Friedrich berichtet.

Enke riss die Arme hoch, der Ball flatterte und prallte ihm gegen die Fäuste. "Sah eigentlich nicht schlimm aus", sagt Friedrich, und auch Köpke berichtet, "dass Robert alles bewegen konnte und eigentlich nur vorsichtshalber das Training abgebrochen hat". Am Donnerstagmorgen wachte Enke noch als vorläufige Nummer eins auf. Erst nach dem Kernspin wusste er, dass er ab sofort die ehemalige vorläufige Nummer eins ist.

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