Deutschland gegen Griechenland im SZ-Liveticker Sieg mit Schweppes-Gesicht
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Bekommt Löw einen Heiligenschein? Das nicht, aber die Personalpolitik ist so korrekt wie das Ergebnis. 4:2 gewinnt Deutschland gegen die Griechen, weil Lahm auf Costa Rica macht und Klose auf Gomez. Ach, und ein paar Fehler gibt es auch. Die Partie im SZ-Liveticker zum Nachlesen.
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Die Ehrfurcht vor den defensiven Griechen war da, jedoch letztlich zu Unrecht: Dank einer starken zweiten Halbzeit siegt Deutschland verdient 4:2 und zieht ins Halbfinale ein. Dort warten die Italiener - oder England.
Treffer zum 4:1 - Mesut Özil jubelt mit Marco Reus. Das Spiel endet 4:2.
(Foto: dapd)22:57 Uhr Löw lobt: "klasse Leistung" - "Wir können stolz sein"
Löw hat das Hemd gewechselt. Jetzt im grauen V-Neck-Shirt im ZDF-Studio. Das ist womöglich politisch korrekter. Eine "klasse Leistung" bescheinigt er seiner Mannschaft. "Wir können stolz sein auf diese Mannschaft." Und die Griechen? Seien eine "kuriose Mannschaft" - da wird Merkel kurz gezuckt haben - und hätten "aus einer Chance zwei Tore erzielt". Seine Mannschaft habe jedoch "klasse" reagiert, sei "nicht hektisch geworden" und die Tore seien dann "zwangsläufig gefallen".
Wir fassen zusammen: "klasse", "kurios" und "konsequent". Was will man mehr? Damit bedanken wir uns für die Aufmerksamkeit und melden uns wieder zum Halbfinale am Donnerstag, wenn Deutschland auf den Gewinner der Partie England gegen Italien trifft.
22:45 Uhr "Wir haben es uns unnötig schwer gemacht"
Friede, Freude, Torjubel: Miroslav Klose (links) und Philipp Lahm.
(Foto: AFP)Freudiges, aber nicht euphorisches Abklatschen der deutschen Spieler. Müller macht ein Schweppes-Gesicht, das passt zum Ergebnis. Sami Khedira hat für Mimik keine Zeit, er muss ans Fernsehmikrofon und abgeklärt wirken. "Es ist selbstverständlich, dass wir glücklich sind", sagt der Spieler von Real Madrid. "Wir haben es ein wenig spannend gemacht. Aber als wir das Tempo hochgefahren haben, haben wir auch die Tore gemacht." Ganz ähnlich klingt das bei Philipp Lahm: "Wir haben es uns unnötig schwer gemacht, weil wir erst die Tore nicht gemacht und später die Führung hergegeben haben."
22:41 Uhr Aus! Deutschland steht im Halbfinale!
Abpfiff: Das war nicht nur leicht und nicht immer ansehnlich, aber letztlich hochverdient. Deutschland steht dank eines 4:2-Sieges gegen Griechenland im EM-Halbfinale. Erneut zahlen sich die Personalentscheidungen von Joachim Löw aus. André Schürrle präsentiert sich aktiv, Marco Reus und Miroslav Klose schießen jeweils ein Tor. Wichtiger ist allerdings der Treffer von Sami Khedira, der nach dem überraschenden Ausgleich zum 1:1 eine Nervenschlacht abwendet. Kaum minder wichtig ist das Tor von Lahm zum 1:0 - ein Kraftakt, der eines Kapitäns würdig ist.
Ein wenig verwunderlich ist die "2" der Griechen auf der Anzeigetafel. Bei beiden Gegentoren sieht Boateng nicht gut aus, aber da ist er nicht der einzige.
22:35 Uhr Elfmeter für Griechenland - Salpingidis trifft! 2:4!
89. Minute: In Gedanken schon wieder bei der Finanzkrise, und dann das: Boateng leistet sich ein Handspiel im Strafraum. Den anschließenden Elfmeter verwandelt Salpingidis zum 4:2 - und das Ergebnis wird politisch etwas korrekter. Merkel wirkt ganz zufrieden.
22:31 Uhr Samaras just got hummeled
86. Minute: Der Grieche Samaras wähnt sich schon beim Torschuss aus sieben Metern, als der Dortmunder Hummel ihm in allerschönster Manier den Ball abgrätscht. Auf der Gegenseite schießt abermals Özil, und abermals hält Sofakis den Ball nicht fest. Gomez kommt für den Abpraller zu spät.
22:27 Uhr Özil schießt - Gomez mit der Sohle
81. Minute: Özil kann es mit rechts und mit links und dribbeln kann er ohnehin und so steht er alleine im Strafraum und schießt. Dummerweise darf der Torwart die Hände zur Hilfe nehmen. Den Abpraller trifft Gomez mit der Sohle, was im Vergleich etwas unbeholfen wirkt und auch nichts einbringt.
22:25 Uhr Götze und Gomez für Klose und Reus
80. Minute: Um nochmal ein bisschen in Löws Personalpolitik herumzupfuschen: Jetzt wäre es an der Zeit, die Unberücksichtigten und womöglich Unzufriedenen einzuwechseln. Also: Mario Götze und Mario Gomez. Und siehe da: Hansi Flick geht mit den beiden den Matchplan durch. Also das, was ihm Urs Siegenthaler aufgeschrieben hat. Klose und Reus verlassen das Feld.
22:19 Uhr TOR! Reus! 4:1! Darf der das?
74. Minute: Ist das noch politisch korrekt? Merkel fasst sich auf der Tribüne ans Herz. Deutlich höher sollte das Ergebnis jetzt nicht ausfallen ... da kommt der Nicht-Diplomat und Neu-Dortmunder Marco Reus daher und schießt das 4:1! TOR!
In der Zeitlupe: Schöner Ball auf Klose, der mit dem rechten Außenrist an Torwart Sofakis scheitert. Den Abpraller nimmt Reus aus 14 Metern volley und schießt ihn ins rechte obere Eck, so dass Lucien Favre daheim in Mönchengladbach feuchte Augen bekommt und sich Jürgen Klopp in Dortmund den Bart abrasiert.
22:13 Uhr TOR! Klose! Kopfball! 3:1! Abpfeifen!
68. Minute: So, jetzt aber, DAS ist beruhigend. Klose mit seinem ersten Torschuss - und Tor.
In der Zeitlupe: Klose mit einem gomezesken Spiel. 68 Minuten ist nichts zu sehen, er schießt kein einziges Mal aufs Tor, und erzielt dann mit dem Kopf diesen wichtigen Treffer. Die Vorlage geht auf das Konto von Özil, der einen Freistoß scharf vors Tor bringt.
22:11 Uhr Müller für Schürrle
66. Minute: Die Griechen jetzt mit drei Mann im deutschen Strafraum. Wahnsinnsoffensive. Richtig beruhigend wirkt das alles nicht, deshalb nochmal die Zeitlupe: Khedira SPRINGT in diesen Ball und wemmst ihn mit dem SCHIENBEIN ins Netz.
Auch ein bisschen beruhigend: Schürrle wird jetzt ausgewechselt, Müller kommt. Müller, das ist der, der mit den Bayern im Champions-League-Finale stand und dort... ach, lassen wir das.
22:08 Uhr TOR! 2:1! Khedira! Wahnsinn!
61. Minute: Khedira trifft zur neuerlichen Führung. Merkel in Ekstase!
Das Tor in der Zeitlupe: Boateng flankt von rechts, Klose springt geschickt unter dem Ball durch. Khedira schießt volley aus elf Metern und pölzt das Spielgerät mit dem Schienbein mittig unter die Latte.
22:05 Uhr 4-1-4-1
61. Minute: Die Griechen jetzt mit einem 4-1-4-1-System. Das heißt für die Nicht-Fachleute: furchtbar defensiv ausgerichtet, geradezu spielzerstörerisch. Schürrle jetzt mit überhasteten Aktionen im Angriff. Für die Nicht-Fachleute: Er bolzt den Ball weit drüber.
Gute Nachrichten: Gomez und Müller machen sich warm.
22:03 Uhr Boateng und die Zuckerwatte
59. Minute: Die Zeitlupe schlägt dem deutschen Fan aufs Gemüt. Was macht der Boateng da? Grabscht hinter Samaras her, als wäre es Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt. Wagen wir eine Prognose? Noch 60 Minuten bis zum Elfmeterschießen. Und dann lässt Chelsea schön grüßen. So viel Fatalismus muss erlaubt sein.
22:02 Uhr GEGENTOR! Samaras! 1:1
55. Minute: Das Unmögliche ist wahr geworden. Samaras trifft zum Ausgleich. Es steht 1:1.
50-Meter-Steilpass auf Salpingidis, Lahm mit Stellungsfehler und Sprintschwäche. Salpingidis legt den Ball herausragend in die Mitte. Dort Stellungsfehler und Sprintschwäche Boateng gegen Samaras, den Ministerpräsidenten-Jesusdarsteller, der den Ball aus vier Metern über die Linie drückt.
Griechenland hat die Eurokrise soeben überwunden.
21:59 Uhr Gekas in Hummels' Windschatten
53. Minute: Badstuber im Bild. Hat man auch nicht so häufig. Die Griechen imitieren jetzt tatsächlich Angriffe, kommen aber nicht sonderlich weit. Gekas hält sich in Hummels' Windschatten auf und wartet auf Steilpässe über 50 Meter, über die Hummels bislang nur lachen kann. Aber dann muss Neuer doch mal eingreifen - und gibt den Ball noch im Fallen an die Vorderleute weiter.
21:53 Uhr Schürrle stark - Klose runderneuert
47. Minute: Schürrle empfiehlt sich für die Startelf. Hoppla, er ist schon drin! Jedenfalls heute. Klose sieht hingegen aus, als wäre er gerade eingewechselt worden. Stimmt nicht, hat nur das Hemd gewechselt. Es klebte zu viel Strafraum an ihm, das war nicht länger haltbar.
21:51 Uhr Beginn der zweiten Halbzeit - Gekas kommt
46. Minute: Es geht weiter. Gott sei Dank. 15 Minuten ohne Fußball, das hält ja niemand aus. Die Griechen reagieren auf den Rückstand mit der Einwechslung von Gekas, der Vollbart kann, aber auch Tore. Bekannt von seinen Gastspielen bei Bochum (sehr erfolgreich), Leverkusen (nicht erfolgreich), Frankfurt (erfolgreich) und Berlin (gar überhaupt nicht erfolgreich).
21:40 Uhr Aus den Tiefen der Statistik
Halbzeit: Seit Lahm in der Nationalelf spielt, trifft er in schöner Regelmäßigkeit: alle zwei Jahre. 2004 im Freundschaftsspiel gegen Rumänien zum 5:1, 2006 gegen Costa Rica, 2008 das 3:2 gegen die Türkei im EM-Halbfinale, 2010 beim Freundschaftsspiel gegen Bosnien-Herzegovina zum 1:1, und nun gegen Griechenland. Das lässt für die WM 2014 in Brasilien hoffen, allerdings nicht für das Halbfinale oder Finale dieser EM. Da muss dann wieder Gomez ran.
21:35 Uhr Schürrle ans Außennetz - und Pause
45. Minute: Wieder Schürrle, wieder ein Schuss, wieder daneben. Aber das ist schon deutlich knapper, das Außennetz zittertert nicht nur aus Respekt. Der Leverkusener will seinen Platz in der Startelf wohl unbedingt verteidigen.
Kurz darauf ist Schluss - Deutschland führt zur Halbzeit mit 1:0. Angela Merkel hebt beim Blick auf Politik-Kollegen unschuldig die Schultern, Philipp Lahm marschiert mit Ballack-Blick in die Kabine.
21:30 Uhr Lahm mimt Ballack - Schürrle daneben
44. Minute: Beim Torschuss hat der Capitano-Killer Lahm den Capitano-Gesichtsausdruck. Und sinkt anschließend wie Gerd Müller nach dem WM-Finale 1974 auf die Knie. Bilder für die Ewigkeit. Kurz darauf versucht es Schürrle mit einem ähnlich verwegenen Schuss, hat dabei aber den Schürrle-Gesichtsausdruck und trifft die Werbebande.
21:24 Uhr TOR! Philipp Lahm macht wieder Costa Rica!
39. Minute: Tooooooooooor! Bayern-Superverteidiger Lahm zieht von der linken Angriffsseite nach innen und schießt ins rechte mittelobere Eck.
Die Szene erinnert frappierend an das Eröffnungsspiel der WM 2006, aber das hat Lahm vermutlich schon tausend Mal gehört. Merkel womöglich auch. Sie jubelt trotzdem. Deutschland führt mit 1:0, und weil Griechenland ohne Offensive spielt, stellen wir den SZ-Liveticker an dieser Stelle ein.
Tun wir nicht. Wagen auch keine Prognose ("Deutschland steht im Halbfinale!"). Wenn wir es täten, hätten wir bald Frau Merkel am Telefon.
21:21 Uhr Szenen wie im Handball
35. Minute: Das ZDF könnte zwischendurch Szenen aus dem Dänemark-Spiel einfließen lassen, das würde kaum auffallen. Von der Trikotfarbe mal abgesehen. Die DFB-Elf kreiselt jetzt um den Strafraum und schießt aus allen Lagen. Torwart Sofakis hält jeden Ball, aber er hält keinen Ball fest.
Die Uefa spielt Bilder von verzweifelten Mienen deutscher Spieler ein, die angesichts der Uefa-Livebild-Politik aber auch vor drei Jahren aufgenommen worden sein könnten.
21:18 Uhr Was man eben so Konter nennt
31. Minute: Der griechische Strafraum sieht aus, als hätte Marc Wilmots seine Karriere reaktiviert. Kloses Trikot ist entsprechend braun eingefärbt. Er sieht von da vorne, wie immer mal wieder ein einzelner Grieche auf Neuer zuläuft, hin und wieder auch mit Ball, und dann womöglich ein zweiter Grieche mit aufrückt.
Und tatsächlich, ein Torschuss, der diesen Namen auch verdient: Neuer macht sich lang und rutscht und lenkt den Ball zur Seite. Wo aber niemand steht, denn so weit wagen sich die Griechen nicht aus der eigenen Hälfte.
21:12 Uhr Löw garstig - Neuer hellwach
(Foto: dapd)
26. Minute: Löw rudert mit den Armen wie ein Erstklässler beim 400-Meter-Lauf. Reus hat jetzt schon gefühlte zehn Mal aufs Tor geschossen, pardon, neben das Tor. Sifakis brennen die Hände. Und auf der Gegenseite läuft Salpingidis alleine auf Neuer zu - allerdings ohne Ball. Den hat Neuer, der fantastisch aufgepasst hat und aus seinem Tor herausgeeilt ist. Löw stemmt die Hände in die Hüften wie ein Siebtklässler nach einer vergeigten Mathe-Arbeit.
21:10 Uhr Chancen, Chancen und Chancen
25. Minute: Immer noch kein Tor. Wo ist Gomez, wenn man ihn braucht?
Reus bedient jetzt künstlerisch Özil, der aus fünf Metern das Kunststück vollbringt, Torwart Sifakis anzuschießen. Kurz darauf scheitert Reus selbst mit einem Schuss aus elf Metern am Keeper. Kurz darauf rutscht Klose drei Meter vor dem Tor am Ball vorbei. Kann Merkel bei Löw anrufen, damit er Gomez einwechselt?
21:06 Uhr Erinnerungen an Alcatraz
19. Minute: Die Befreiungsschläge und Entlastungsangriffe der Griechen sind in etwa so, als würde ein Gefangener schwimmend von Alcatraz fliehen wollen: bemüht, aber letztlich erfolglos. Allerdings sind die deutschen Angriffe auch so, als würde jemand in Alcatraz einbrechen wollen.
21:03 Uhr Rudelbildung im Strafraum
15. Minute: Recht ordentliche Schlagzahl, was erwähnenswerte Szenen betrifft. Soeben gibt es die Miniaturausgabe einer Rudelbildung im griechischen Strafraum, nachdem Torosidis den deutschen Aushilfsstürmer Khedira leicht rempelte. Der Deutsch-Tunesier fiel jedoch, als sei er stark angerempelt worden. Und Torosidis plädiert im Zwiegespräch mit dem Schiedsrichter dafür, gar nicht gerempelt zu haben. Entscheidung des Referees: weiterspielen.
21:00 Uhr Gelbe Karte für Samaras, den Fußballspieler
13. Minute: Samaras, der so heißt wie der neue griechische Ministerpräsident und aussieht wie ein Jesus-Darsteller bei den Passionsspielen in Oberammergau, sieht die gelbe Karte für ein Foul an Schweinsteiger. Zuvor hatte er sich zweimal bei Khedira unbeliebt gemacht.
20:58 Uhr Reus daneben - Sifakis angeschlagen
11. Minute: Gibt es Heiligenscheine als Armreifen für glückliche Händchen? Wieder läuft Reus aufs Tor der Griechen zu, zielt aber zu weit nach links und am Außenpfosten vorbei. Keeper Sifakis macht nach der Abseits-Tor-Szene von vorhin keinen allzu frischen Eindruck - Klose war in ihn hinein gerasselt.
20:55 Uhr Schürrle auf Klose - zu weit, zu hoch
10. Minute: Wie lange dauert es, bis die Löw-Kritiker aus ihren Redaktions-Wuthöhlen kommen? Nach einer Flanke von Schürrle steigt Klose nicht hoch, sondern hebt nur den Daumen. Der 3,15-Meter-Mann Gomez hätte gewiss Ball und Schürrle ins Tor geköpft. Mehr dazu demnächst auf Bild.de.
20:54 Uhr Eilmeldung: Griechenland schießt aufs Tor
8. Minute: Die DFB-Elf aggressiv in der Defensive, aber Grigoris Makos kommt trotzdem bis 20 Meter vor dem Tor von Manuel Neuer und schießt so gefährlich, dass der Schiedsrichter auf Rückpass hätte entscheiden können. Wenn es nicht der Gegenspieler gewesen wäre. Sie wissen schon.
20:52 Uhr Tor - aber Klose im Abseits
4. Minute: Tor! Tor! Heiligenschein für Jogi! Schürrle war es! Nein, es war Klose! Nein, es war gar kein Tor. Der Schiedsrichter entscheidet auf Abseits. Knapp, aber zurecht. Khedira schießt aus 20 Metern, Keeper Sifakis wehrt den Ball nach vorne ab und legt ihn für Schürrle und Klose vor, die beide heranstürmen. Klose ist schneller, stand aber im Moment des Schusses im Abseits.
20:49 Uhr Reus auf Klose - gefährlich!
2. Minute: Wenn das geklappt hätte, wäre Löw noch in der Halbzeit ein Heiligenschein verliehen worden. Reus legt auf Klose, der aber etwas zu weit gelaufen ist - und auf dem holprigen Rasen ausrutscht. Andernfalls hätte es hier 1:0 gestanden. Aber vorerst kein Heiligenschein - nur ein weißes Nadelstreifenhemd.
20:45 Uhr Erster Anstoß abgepfiffen - jetzt läuft die Partie
Anpfiff: Ganz ungewohnt, Müller auf links neben Kroos und Gomez neben Mertesacker auf rechts zu sehen - auf der Ersatzbank. Und dann das: Der Anstoß muss wiederholt werden. Die Griechen waren zu voreilig. Zwischenstand nach 20 Sekunden: Die griechische Elf dominiert die Partie - und Klose läuft überhaupt nicht.
20:44 Uhr Ein Rasen?
Passend zur befürchteten Abwehrschlacht: Der Rasen im Danziger Stadion ist ein holpriges Geläuf, aus der Nähe betrachtet hat es den Anschein, als wären gerade 40 mittelschwere Haflinger darüber getrampelt. So ein Unterboden kommt natürlich den Griechen eher gelegen als der deutschen Elf.
20:42 Uhr "Bankrottisiert sie!"
Zum Abschluss der Aufwärmphase der traditionelle Blick in die Presse: "Löws Wirbel-Stürmer treffen auf Griechenlands Betonabwehr", schreibt Spiegel Online. Gewohnt kalauernd hingegen die 11Freunde: "Die Herkulesaufgabe", titeln sie. Bei der Bild heißt es beinahe flehentlich: "Bring uns ins Halbfinale, Jogi!"
Etwas drastischer formulieren es die griechischen Medien. "Bankrottisiert sie!", ruft die Zeitung Sport Day. "Schmeißt die Deutschen aus dem Euro!", fordert Adesmestos Typos. Und Goal News zitiert Trainer Fernando Santos: "Für 90 Minuten gibt es keine Armen und Reichen." So viel zum Thema: Fußball ist unpolitisch.
20:35 Uhr Schiedsrichter Skomina ist Löw bekannt
Joachim Löw mit Schiedsrichter Damir Skomina (Mitte) bei der EM 2008.
(Foto: dpa)Ein Wort zu Schiedsrichter Damir Skomina: Der ist vor allem Joachim Löw bestens bekannt. War der Slowene doch bei der EM 2008 jener vierte Offizielle, der den Bundestrainer beim Spiel gegen Österreich auf die Tribüne schickte.
Skomina gilt gemeinhin als souveräner Referee, der ähnlich wie der Brite Howard Webb das Spiel laufen lassen möchte und gewiss nicht kleinlich pfeift. Das Spiel gegen Österreich endete übrigens 1:0 - Michael Ballack wuchtete einen Freistoß ins Netz. Ballack ist dummerweise diesmal nicht dabei. Aber Schweinsteiger soll das auch ganz gut können.
20:32 Uhr Merkel am Mikrofon
Und da ist sie: Angela Merkel, live und direkt am ZDF-Mikrofon. Wird zur politischen Tragweite dieses Spiels befragt. Wie hoch darf Deutschland gewinnen, um den griechischen Volkszorn auf die Berliner Sparkommissarin nicht ausufern zu lassen?
"Na, wie es so ist", sagt Merkel. Das ist schon mal eine diplomatische Einleitung. "In Griechenland sitzen die Menschen und schauen auf ihre hervorragende Mannschaft, die Deutschen schauen auf ihre." Sehr gut, das ist offensichtlich, da kann man nichts falsch machen.
Dann aber ein eindeutiges Statement: "Ich bin hier, um der deutschen Mannschaft die Daumen zu dürcken. Ich hoffe auf spannendes Spiel." Und, aufgepasst: "Der Gastgeber Polen ist auch ganz toll."
20:21 Uhr Das ZDF mit geballter, äh, Kompetenz
(Foto: AP)
Im ZDF analysiert Oliver Kahn die taktische Ausrichtung der deutschen Elf, wie immer mit staatsmännischen Gesten, viel Pathos und noch mehr Kompetenz. Daneben steht wie immer eine Frau in eigenwilliger Kleidung. Ihren Namen lassen wir aus Protest unerwähnt. Glücklicherweise ist die Nummer der Kanzlerin noch im Display gespeichert, wir müssen nur zurückrufen: Ob Frau Kate Abdo, Moderatorin beim Bezahlsender Sky, künftig die deutsche Elf ansagen kann? Wir würfen freiwillig mehr Steuern zahlen!
20:10 Uhr Beckenbauer sieht ein 2:0 kommen
Um gleich bei der Fachkompetenz zu bleiben, hier noch einige Promi-Tipps, gesammelt von übereifrigen Konkurrenzmedien: Boris Becker setzt auf ein 3:1 für Deutschland, Franz Beckenbauer sieht ein 2:0 für die Löw-Elf kommen. Oliver Kahn prophezeit ein 1:0 für Deutschland. Und auch Verona Pooth darf tippen: "Erstmal bin ich natürlich für Deutschland. Aber ich muss ehrlich sagen: Wenn die Griechen gewinnen würden, würde ich es ihnen gönnen." Frau Pooth ist gewissermaßen für alles, das ist löblich. Frau Merkel sollte sie in den diplomatischen Dienst erheben.
20:07 Uhr "Daaaaaa-da-da-da-da-daaaa-daaaaaaaaa"
Eben rief die Kanzlerin an und bat darum, bloß nicht zu sehr über die Griechen zu witzeln... gut, ganz so war es nicht. Aber so ähnlich. Hätten wir eh nicht gemacht. Hier gibt es nur die gewohnt-nüchterne Kommentierung, ganz sachlich und ballorientiert.
Und damit zu den Songs, die während der Busfahrt der deutschen Elf vom Hotel zum Stadion liefen: Die Toten Hosen mit "Tage wie diese", ein schmissiger Krautsrocksong mit hohem Mitgröl-Faktor. Roger Cicero - "Für nichts auf der Welt", die offizielle EM-Hymne des DFB, ohne Schmiss, ohne Krautrock, ohne Mitgröl-Faktor. Die White Stripes mit "Seven Nation Army", die inoffizielle Hymne aller Sportveranstaltungen aller Länder (Text-Auszug: "Daaaaaa-da-da-da-da-daaaa-daaaaaaaaa").
Etwas irritierend ist die Wahl des Songs "Three Lions" von den Lightning Seeds, einst von der englischen Band für das englische Team bei dem englischen Heim-Turnier 1996 komponiert.
19:50 Uhr Was Sie zu Deutschland wissen müssen
Sollten Sie im Urlaub gewesen sein oder die vergangenen zwei Wochen verschlafen haben, hier ein paar grundsätzliche Informationen: Deutschland "marschierte" (O-Ton Philipp Lahm) mit neun Punkten und ohne Niederlage durch die Vorrunde. 1:0 gegen Portugal, 2:1 gegen die Niederlande, 2:1 gegen Dänemark. Trotzdem war nicht alles souverän, und der Schiedsrichter half zum Schluss auch noch ein bisschen mit (indem er ein Foul an Dänen-Stürmer Bendtner übersah). Schwamm drüber.
Es gab zum Teil hitzige Personaldebatten über Jérôme Boateng, Mario Gomez und Mesut Özil, die an Löw aber abperlten. Und an den Spielern irgendwie auch. Außerdem blamierte sich das deutsche Fernsehen bei der Berichterstattung bis auf die Knochen, und auch die Uefa stellte sich nicht allzu geschickt an ... aber wir schweifen ab.
19:33 Uhr Was Sie zu Griechenland wissen müssen
Gesperrter Torschütze: Giorgos Karagounis.
(Foto: dpa)Dass die Griechen noch im Turnier sind, ist eigentlich eine Ungerechtigkeit. So sah das zumindest ARD-Experte Mehmet Scholl, der die Uefa aufforderte, seinen Vorrundenmodus zu überprüfen. Der europäische Fußballverband lässt bei Punktgleichheit nämlich den direkten Vergleich entscheiden, nicht - wie bei der WM üblich - das Torverhältnis.
In der Torbilanz waren die Russen besser, aber das spielte nun keine Rolle, weil sie sich im letzten Vorrundenspiel gegen die Griechen ein 0:1 leisteten. Das Ergebnis wiederum darf den Deutschen eine Warnung sein. Und die griechischen Bundesliga-Legionäre stehen auch für eine gewisse Qualität.
Mit Sokratis Papastathopoulos (Bremen) und Kyriakos Papadopoulos (Schalke) stehen zwei Spieler aus der deutschen Premiumklasse in der Startelf. Gesperrt ist Giorgios Karagounis (Panathinaikos Athen), der gegen Russland seine zweite gelbe Karte gesehen hat - zu Unrecht, wie in diesem Kommentar zu lesen ist.
Der einzige Akteur, der bereits beim EM-Sieg 2004 dabei war und heute von Beginn an spielt, ist Kostas Katsouranis. Ein Portrait des treuen Götterboten finden Sie hier.
19:20 Uhr Positiv nach vorn - mit neu formierter Offensive
Liebe Leser, herzlich willkommen zum EM-Viertelfinale, wo es wieder heißt: Deutschland sucht die Lücke im Abwehrbollwerk. Wie unangenehm das sein kann, ist im SZ-Liveticker zum Dänemark-Spiel nachzulesen, als die Aufgabe beinahe schief gegangen wäre. Aber wir wollen nach vorne schauen, oder auch "positiv nach vorn", wie Joachim Löw sagt. Die Vorrunden-Rechenspiele haben ein Ende, der K.o.-Modus greift - und es geht gegen Griechenland.
Auch das kann unangenehm werden, denn im Vergleich zu Griechenland ist Dänemark eine bis an die Zähne bewaffnet offensive Mannschaft. Ein AbwehrBOLLWERK ist diesmal zu erwarten. Und was macht Löw? Schaut "positiv nach vorn" und baut seine Mannschaft um: Gomez raus, Podolski raus, Bender raus - damit sitzen die bisherigen Torschützen der deutschen Elf nur auf der Bank. Auch Müller muss weichen. Stattdessen dürfen es Klose, Schürrle und Reus erstmals von Beginn an versuchen und Boateng kehrt zurück ins Team. Ist das mutig? Oder verrückt? Oder hat Löw wieder das gewohnt glückliche Händchen? Beim Zeus, wir wissen es nicht. Aber wir werden es erleben.