DFB: Debatte um Zwanziger Was ist ein Demagoge?

DFB-Chef Theo Zwanziger wehrte sich vor Gericht erfolglos gegen die Bezeichnung "unglaublicher Demagoge". Nun versucht der DFB, das Thema per Pressemitteilung zu erledigen.

Von Johannes Aumüller

Die Auseinandersetzung zwischen DFB-Chef Theo Zwanziger und dem freien Sportjournalisten Jens Weinreich um die Verwendung des Begriffes "Unglaublicher Demagoge" spitzt sich immer weiter zu. Nach zwei erfolglosen Versuchen, vor Gericht eine Unterlassung dieser Bezeichnung zu erwirken, hat der DFB am Wochenende eine Pressemitteilung abgegeben, die für neuen Zündstoff sorgt.

Nach dieser Mitteilung habe Weinreich, der auch für die Süddeutsche Zeitung schreibt, am 11. November über seinen Anwalt dem DFB eine Erklärung zukommen lassen, die Zwanziger als ausreichende Entschuldigung und Eingeständnis eines Fehlverhaltens von Weinreich akzeptiert. Weinreich bestreitet jedoch, eine solche Entschuldigung abgegeben zu haben. Vielmehr erklärt er, in dieser Mitteilung gebe es "18 Lügen".

Damit steuert die Auseinandersetzung auf einen neuen Höhepunkt in dem nun knapp vier Monate währenden Konflikt zu. Den Stein ins Rollen brachte Weinreich im Juli mit einem Kommentar in dem Blog "Direkter Freistoß". In dem Eintrag "Killt das Kartellamt unseren schönen Fußballstandort?" hatte Blogger Rene Martens den Eingriff des Kartellamtes auf die TV-Rechte-Situation in Deutschland und die Reaktionen auf diese Entscheidung beschrieben; in einem Kommentar zu diesem Blog bewertete Weinreich Zwanzigers Haltung zu diesem Thema, beschrieb einen Auftritt des DFB-Chefs zu einem anderen sportpolitischen Thema und nannte ihn einen "unglaublichen Demagogen".

"Beim Stichwort 'Demagoge' denke ich an Goebbels"

Genau an diesem Wort störte sich Zwanziger. Offenbar fühlte sich der DFB-Chef mit diesem im politischen Schlagabtausch ziemlich häufig benutzten Begriff in die Nähe eines "Volksverhetzers" gerückt. In einem Interview mit dem Fußball-Blog direkter-freistoss.de erklärte Zwanziger: "Beim Stichwort 'Demagoge' denke ich an Goebbels."

Schon im August begann Zwanzigers Versuch, den Sportjournalisten Weinreich zur Rücknahme dieses Begriffes zu bewegen. Kurz nach den Olympischen Spielen forderte er Weinreich auf, eine einstweilige Verfügung zu unterzeichnen - Weinreich unterzeichnete nicht. Im September und im Oktober versuchte Zwanziger, vor dem Landgericht und dem Kammergericht Berlin das Unterlassungsbegehren durchzusetzen - ohne Erfolg. Mehrere Blogs begleiteten die Auseinandersetzung ausführlich. Die DFB-Pressemitteilung erwähnt die beiden verlorenen Gerichtsentscheide pikanterweise nicht.

Zu einer dritten gerichtlichen Bemühung kam es nicht, obwohl die Klage laut DFB-Pressemitteilung schon vorbereitet war. Vielleicht auch deswegen, weil sich mittlerweile folgende Situation ergeben hatte: Auf einer Podiumsveranstaltung in Gießen soll Theo Zwanziger laut Berichterstattung des Gießener Anzeigers vom 8. November sowie diverser Aussagen von Augenzeugen eine Frage des Moderators ausgerechnet mit den Worten "demagogische Fragen" gekontert haben.