DFB-Affäre Wie einst bei Al Capone

  • Wenn Strafverfolger bei Delikten wie Untreue oder Betrug wegen der Verjährung nicht mehr ermitteln dürfen, schauen sie auf die Steuer.
  • Für die Herren vom DFB könnte das verheerende Folgen haben.
  • Niersbach und Zwanziger müssen mit Konsequenzen rechnen.
Von Johannes Aumüller, Hans Leyendecker und Klaus Ott

Gegen 9.30 Uhr klingelte es am Dienstag bei Theo Zwanziger in Altendiez. Acht Steuerfahnder standen vor der Tür und begehrten Einlass, anschließend sichteten sie gut eine Stunde lang Unterlagen. Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) klang danach so, als sei er froh gewesen über den unangemeldeten Besuch. Geärgert habe ihn nur, dass manche Medien schon von der Aktion berichteten, noch ehe die Fahnder bei ihm gewesen seien.

Deshalb habe er, Zwanziger, Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Ansonsten sei das alles kein Problem gewesen. Der ehemalige Verbandschef gibt sich wieder einmal als großer Aufklärer und lässt durchblicken, er habe längst mit der Razzia gerechnet. Zwanziger will den Eindruck erwecken, er sei völlig entspannt. Erst am Montag habe er in einem Schreiben an den DFB noch einmal darauf gedrängt, alles offenzulegen.

Zwanziger ist Jurist, er war sogar eine Zeit lang Verwaltungsrichter. Der 70-Jährige kennt sich aus mit Paragrafen; er weiß, wie das läuft. Wenn Strafverfolger bei Delikten wie Untreue, Betrug oder Bestechung wegen der erfolgten Verjährung nicht mehr ermitteln dürfen, schauen sie streng auf die Steuer. Da kann man oft noch was machen.

Steuerliche Aspekte hat Zwanzigers Anwalt offenbar nicht geprüft. Wohl ein Fehler

Juristen erinnern gerne an den Mafia-Gangster Al Capone, der einst in Chicago als große Figur galt. Dann wurde ihm der Prozess gemacht. Nicht wegen Mord, Raub oder Erpressung, sondern weil er ein für ihn selbst viel gefährlicheres Verbrechen begangen hatte: Er hatte seine Steuer nicht ordentlich bezahlt und wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.

Zwanziger und dessen Intimfeind Wolfgang Niersbach, seit 2012 sein Nachfolger als DFB-Chef, sind natürlich keine Mafiosi, sondern Fußball-Funktionäre. Aber die Ermittler haben schon den Verdacht, dass sie dasselbe Verbrechen wie einst Al Capone begangen haben könnten: Steuerhinterziehung. Allerdings nicht zu eigenen Gunsten, sondern für den DFB. Kurz vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Bevor Zwanziger vor gut zwei Wochen mit den Millionen-Schiebereien rund um die WM 2006 in die Öffentlichkeit gegangen war, hatte er vorsichtshalber seinen Anwalt eingeschaltet. Der prüfte, ob sein Mandant sich strafbar gemacht haben könnte. Zwanziger war einst auch Vizechef des Organisationskomitees (OK) für die WM gewesen, zuständig für die Finanzen. Er hatte 2005 eine Überweisung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband Fifa freigegeben. Das Geld sollte an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet werden; als Rückzahlung eines Darlehens, das Louis-Dreyfus den Deutschen vermutlich drei Jahre vorher gewährt hatte, aus ebenfalls noch ungeklärten Gründen.