WM-Vergabe Jetzt wird's happig in der DFB-Affäre

Seit Jahren gemeinsam unterwegs auf der Weltbühne des Fußballs: Franz Beckenbauer (links) und der bestens vernetzte Fedor Radmann.

(Foto: Ursula Düren/dpa)
  • In der DFB-Affäre um die ominösen 6,7 Millionen Euro macht sich Fedor Radmann nun über einen Zahlungsbescheid des DFB lustig.
  • Derweil eskaliert im Verband ein Streit.
  • Und es mehren sich Fragen, wer die Kosten der Aufarbeitung bezahlen soll.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

In der Regel operiert Fedor Radmann eher diskret im Hintergrund. Doch im Zuge der Sommermärchen-Affäre rückt der langjährige Intimus von Franz Beckenbauer und umstrittene Stratege der WM-Bewerbung 2006 zunehmend in den Fokus. Nun hat er selbst ein wenig Aufregung erzeugt: Zu Jahresbeginn habe er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Zahlungsaufforderung über 6,7 Millionen Euro erhalten, tat er am Dienstag kund und bezeichnete das Begehr als "völlig absurd". Ihm sei bekannt, dass auch "alle" anderen aus dem damaligen WM-Organisationskomitee so ein Schreiben erhalten sollen, also Beckenbauer sowie die damaligen OK-Leute Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger, sagte er laut dpa.

Radmann verweigert sich

Die Auseinandersetzung zwischen aktueller Verbandsführung und alter Garde des deutschen Fußballs eskaliert; Radmanns Ausbruch beruht allerdings auf einer etwas komplizierten juristischen Gemengelage. Ende 2015 steuerten die DFB-Verantwortlichen bei der Aufarbeitung der WM-Affäre auf eine schwierige Situation zu.

Noch immer sind die Umstände jener mysteriösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro unklar: 2002 hatte der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus den Deutschen angeblich ein Darlehen in dieser Dimension gewährt. 2005 will es das WM-OK dann unter einem fingierten Betreff via Weltverband Fifa zurückgezahlt haben. Der Bericht der externen Freshfields-Ermittler zur Affäre soll am 4. März vorliegen, auch die Frankfurter Steuerfahnder sind aktiv.

"Große Gelassenheit" bei Ex-Präsident Zwanziger

Ihn treffe "keine Verantwortung" in der WM-Affäre, sagt der Ex-DFB-Präsident zum Vorgehen des Verbands, der etwaige Schadenersatzansprüche sichern will. Er verweist auf andere, ohne aber Namen zu nennen. Von Klaus Ott mehr ...

Der DFB muss sich etwaige Schadenersatzforderungen gegen die damals Verantwortlichen offenhalten, das Gros solcher Ansprüche verjährt nach zehn Jahren. Deshalb wandte sich der Verband an die Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle in Hamburg (SZ vom 6. Februar). Das Kalkül: Die etwaigen Millionen-Ansprüche sollen so abgesichert werden, dass sie nicht verjähren, aber die Beteiligten sollten davon nicht unmittelbar etwas erfahren. Es könne ja sein, heißt es, dass solche Ansprüche nach Erkenntnissen des Freshfields-Berichts nicht bestehen; dann ließe sich die Sache ohne zusätzliches Aufsehen beilegen. Bei der ÖRA dauert es zuweilen Monate, bis solche Bescheide versandt werden.

Dabei hatte der DFB offenkundig einen Umstand nicht auf der Rechnung. Die ÖRA in Hamburg ist nur für einige Betroffene zuständig, bei anderen Akteuren lief der Weg über deren Wohnsitze in der Schweiz: Hier sind Radmann, der Weltverband Fifa und der Testamentsvollstrecker des angeblichen Darlehensgebers Dreyfus ansässig.

Die Dramaturgie des Vorgehens, aber auch die zeitlichen Abläufe in der Schweiz sind in solchen Fällen anders als in Deutschland. Hier vergehen nicht Monate, bis die zuständigen Stellen aktiv werden, sondern Tage - weshalb die Schweizer Gruppe den Bescheid Anfang Januar auf dem Tisch hatte. Danach soll Radmann die anderen alarmiert haben; seit Mitte Januar laufen offenbar intensive Gespräche in dieser Causa.