Deutschland verpasst das EM-Finale Dringende Fragen an den Bundestrainer

Nach dem EM-Aus gegen Italien muss auch der zuvor so gelobte Bundestrainer sein Wirken hinterfragen. Joachim Löw ist ein gewissenhafter Fußball-Fachmann, ein Tüftler. Aber ist er auch ein Wettkampf-Typ? Einer für Titel? Warum gelingt es dem Bundestrainer in den entscheidenden Momenten nicht, seiner Auswahl Mitreißendes zu entlocken? Das Muster des Scheiterns zieht sich durch sein Wirken als Nationaltrainer.

Ein Kommentar von René Hofmann

Deutschland war am Donnerstag in Feierlaune. Zwei Stunden vor dem Anpfiff des Halbfinales mussten an der Fanmeile in Berlin schon Eingänge geschlossen werden. So groß war der Andrang. So groß war die Vorfreude. Und so groß waren nach den Auftritten der Nationalelf bei der EM die Erwartungen an das Team von Joachim Löw. Was folgte, war mehr als eine Ernüchterung. Es war eine Offenbarung: Warum gelingt es Löw in den entscheidenden Momenten nicht, seiner Auswahl Mitreißendes zu entlocken?

Das Muster zieht sich durch sein Wirken als Nationaltrainer. Es begann schon bei der WM 2006, als er noch an der Seite von Jürgen Klinsmann arbeitete und das Team im Halbfinale gegen Italien ausschied. Es setzte sich 2008 bei der EM fort: 0:1 gegen Spanien, chancenlos. Beim 0:1-Halbfinal-Aus zwei Jahre später bei der WM in Südafrika gaben die Deutschen überhaupt nur einen Schuss aufs Tor der Spanier ab.

Die Serie wirft eine Frage auf. Eine Frage, die auch vor Beginn der EM schon gestellt wurde: Löw ist ein gewissenhafter Fußball-Fachmann, ein Tüftler, ein Entwickler. Aber ist er auch ein Wettkampf-Typ? Einer für Titel? Diese Fragen werden nun wiederkommen. Und sie werden nachdrücklicher gestellt werden, denn das Halbfinal-Aus gegen Italien legt eine Antwort nahe.

An der Niederlage war besonders ernüchternd, wie sie zustande kam: Gegen die Italiener, die im Schnitt mehr als drei Jahre älter waren als die Deutschen, die zwei Tage weniger Pause gehabt hatten und ein Elfmeterschießen in den Knochen, verzichtete Löw auf alles, was Sturm und Drang versprach. Statt wie im schwungvollen Viertelfinale gegen Griechenland Reus und Schürrle bot er in der Anfangself wieder Podolski und Gomez auf.

Statt selbst ein hohes Tempo anzuschlagen, ließ sich die Elf zunächst auf den Trott der Italiener runterdimmen. Statt sich - wie gegen Griechenland - selbst aggressiv an der Linie zu zeigen, vergrub Löw sich nach den Gegentoren in seinem Sitz. Er wirkte konsterniert und apathisch.

Desorientiert, aber gut frisiert

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