Deutschland verliert bei Handball-WM Erst verkrampft, dann glücklos

Niederlage für Deutschland: ungläubiger Blick auf die Anzeigetafel

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dem holprigen Auftaktsieg folgt eine Enttäuschung: Bei der Handball-WM muss sich das deutsche Team Tunesien geschlagen geben. Die Mannschaft von Martin Heuberger findet trotz guter Chancen nie ins Spiel - der Bundestrainer ist trotzdem stolz.

Von Joachim Mölter, Granollers

An Spaniens Mittelmeerküste war es in den vergangenen Tagen frühlingshaft warm, man konnte sich gut im Freien aufhalten. In Barcelonas Vorstadt Granollers, wo die Teams der Gruppe A ihre Vorrundenspiele bei der Handball-Weltmeisterschaft austragen, hatten sie auf den großen Plätzen der Fußgängerzone kleine Handballfelder aufgemalt, Knirpse beiderlei Geschlechts lieferten sich dort hitzige Matches. In dem für die Olympischen Sommerspiele von 1992 erbauten Palau d'Esports selbst war es hingegen kühl, deutlich kühler als draußen. Die Spanier müssen derzeit an allem sparen, sogar an der Heizung. Aber nicht nur deswegen zitterte die Auswahl des Deutschen Handballbundes dem Turnierauftakt entgegen.

Es wusste ja keiner, wie sie einzuschätzen war. Bundestrainer Martin Heuberger hatte wegen verletzungsbedingter Absagen einiger Routiniers notgedrungen einen recht unerfahrenen Kader mit gleich sechs WM-Neulingen mitgenommen. Wie die neu formierte Mannschaft mit dem Druck einer WM umgehen würde, das war die Frage. Das erste Wochenende brachte da noch keine endgültige Antwort: Die deutschen Handballer gewannen ihr Auftaktspiel am Samstag gegen Brasilien 33:23 (12:10) und verloren tags darauf gegen Tunesien 23:25 (13:13).

Nach der ersten Niederlage überhaupt gegen den Afrikameister fand es Heuberger "etwas schade, dass wir nicht wenigstens ein bisschen belohnt worden sind mit einem Punkt". Der siebenfache Torschütze Sven-Sören Christophersen (Berlin) stimmte zu: "Wir haben nicht schlecht gespielt. Wir haben im Angriff Lösungen gefunden und Chancen herausgespielt - wir sind nur beim Abschluss gescheitert." Dreimal trafen die Deutschen nur Pfosten oder Latte, in anderen Szenen habe die Cleverness gefehlt, fand Heuberger. Rechtsaußen Patrick Groetzki sagte selbstkritisch: "Wir haben den tunesischen Torhüter wie einen Weltmeister aussehen lassen."

Die beiden Begegnungen verliefen nach dem gleichen Muster: Das deutsche Team hatte Anlaufschwierigkeiten, weil es zum einen in der Abwehr nicht sicher stand und zum anderen im Angriff eine Chance nach der anderen vergab; gegen Tunesien waren sogar zwei Siebenmeter dabei. Nach jeweils knapp zwanzig Minuten nahm Heuberger eine Auszeit, gegen Brasilien lag sein Team zu diesem Zeitpunkt 7:9 zurück, gegen Tunesien sogar 6:10.