Deutschland gewinnt gegen Frankreich Königliche Kombination im Abseitstrubel

Erster Sieg gegen Frankreich seit 1987: In einer hochklassigen Partie bezwingt die deutsche Elf die Franzosen 2:1. Zweimal gibt es Abseits, zweimal zählen die Treffer trotzdem - am Ende liefern Özil und Khedira ein feines Zusammenspiel.

Angela Merkel saß oben auf der Ehrentribüne und sah richtig vergnügt aus - und das, obwohl doch in Bastian Schweinsteiger einer ihrer Lieblings-Nationalspieler wegen einer Sprunggelenksverletzung gar nicht mitwirken konnte. Doch zum einen war diese Partie zwischen Frankreich und Deutschland ja nicht irgendein beliebiges Freundschaftsspiel, sondern auch als Teil der allgemeinen Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrages zu verstehen. Und zum anderen bestritt die deutsche Mannschaft auch in Abwesenheit von Schweinsteiger und diverser anderer verletzter Spieler (Götze, Reus, Klose) das erste Länderspiel des Übergangsjahres 2013 über weite Strecken ziemlich schwungvoll. 2:1 (0:1) hieß es am Ende für die Gäste - und auch wenn es sich dabei nur um ein Freundschaftsspiel handelte, könnte es mithelfen, dass sich nach all dem Italien- und Schweden-Frust des Vorjahres die Stimmung rund um das Team ein wenig verbessert. "Das war ein sehr temporeiches Spiel mit vielen guten Aktionen nach vorne", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Heute haben wir viele Dinge gut umgesetzt. Wir haben nach Ballgewinn schnell nach vorne umgeschaltet und eine gute Passsicherheit gehabt. Was uns manchmal gefehlt hat, war der letzte Pass."

Von Beginn an waren die Deutschen sehr engagiert und lauffreudig aufgetreten. Vor allem Thomas Müller und Mesut Özil rannten und passten, flankten und dribbelten, als gäbe es im Leben nichts Erfüllenderes als rennen und passen, flanken und dribbeln - und nicht von ungefähr resultierten die beiden besten herausgespielten deutschen Chancen aus Müller/Özil-Co-Produktionen (6./17.). Daneben erwies sich jedoch die von Löw eigentlich nicht sonderlich geschätzte Standardsituation als gefährlich: Ecke Özil, Kopfball Per Mertesacker, doch Frankreichs Torwart Hugo Lloris und die Latte verhinderten im Verbund den deutschen Führungstreffer (21.).

Allerdings waren die Deutschen an diesem Abend nicht die Einzigen, denen die Lust am Rennen, Passen und Dribbeln anzusehen war. Die Franzosen waren zwar im Kollektiv nicht so stark, aber dafür hatten sie einen gewissen Franck Ribéry in ihren Reihen. Der war formal auf dem linken Flügel aufgeboten, aber immer nur auf dem linken Flügel zu verweilen, hätte ja bedeutet, dass er permanent gegen seinen Münchner Teamkollegegn Philipp Lahm hätte anrennen müssen. Also schlich sich Ribéry des Öfteren in die Mitte oder nach rechts draußen. Und weil er dabei zunehmend von Mathieu Valbuena unterstützt wurde, kamen die Franzosen etwas besser in die Partie und erspielten sich zwei große Tormöglichkeiten; beide jedoch unter Mithilfe der Unparteiischen.

In der 27. Minute tauchte Mittelstürmer Karim Benzema frei vor René Adler auf, doch der Torwart des Hamburger SV hielt hervorragend. Joachim Löw sprang erbost auf und lief mit einem hoch gereckten Daumen in Richtung Spielfeld - womit er wohl signalisieren wollte, dass Benzema einen Meter im Abseits stand, und damit dürfte er so falsch nicht gelegen haben. Andererseits sollte sich Löw nicht zu sehr über diesen Moment aufregen. Immerhin ergab sich so zumindest die Möglichkeit, dass sich der für Manuel Neuer gebrachte Adler auszeichnen konnte.

Folgenreicher war da schon die zweite Szene. Gerade als die beiden Teams mal einen Moment zu verschnaufen schienen, erhielten die Franzosen einen Freistoß. Benzema schoss, der Ball flog an die Latte, und danach reagierten die Franzosen schneller als die deutsche Hintermannschaft. Vorarbeit Moussa Sissoko, Kopfball Valbuena, 1:0 in der 44. Minute - jedoch hatte Sissoko bei der Ausführung des Freistoßes von Benzema knapp im Abseits gestanden.

Erfolgreich gegen Frankreich: Sami Khedira (re.) macht das 2:1

(Foto: AFP)

Verdienter Ausgleich

Die DFB-Elf ließ sich von dem Rückstand aber kaum irritieren. Nur sechs Minuten nach dem Seitenwechsel gelang der verdiente Ausgleich: Nach einem Aufbaufehler der Franzosen eroberte Ilkay Gündogan den Ball und bewies mit einem feinen Pass auf Thomas Müller seine Übersicht - und der vollstreckte souverän. Damit rückte ein fast schon historischer Triumph wieder ein bisschen näher, denn der letzte deutsche Sieg gegen Frankreich war ja fast so lange her gewesen wie die Unterzeichnung des Élysée-Vertrages; im August 1987 hatte es ein 2:1 gegeben - dank zweier Treffer eines gewissen Rudi Völler.

Nun ist aufgrund der aktuellen Vereinszugehörigkeit der Weg von einem gewissen Rudi Völler zu einem gewissen Stefan Kießling nicht weit. Der Leverkusener war ja trotz offensiver Personalsorgen nicht nominiert worden, und nach einer knappen Stunde wurde dieses Thema noch einmal interessant. Denn dann ging Mario Gomez vom Feld, und weil außer Gomez kein Stürmer im Kader gestanden hatte, kam Toni Kroos. Fortan versuchte sich die Offensive an einem halbspanischen Modell mit wechselnder Besetzung der Sturmposition, meist eingenommen von Özil.

Zugleich begann aber auch die schwächste Phase der DFB-Elf. Zwischen der 64. und der 73. Minute kamen die Franzosen durch Valbuena, Ribéry und Benzema zu drei guten Chancen. Doch kurz darauf konterten die Deutschen in Form einer königlichen Kombination: Real-Spieler Özil bediente mit einem Pass seinen Teamkollegen Sami Khedira, der vollendete - ebenso leicht im Abseits stehend wie Sissoko vor dem 1:1 - zur Führung (74.). Danach wurde es etwas ruhiger, ehe in der 89. Minute Ribéry zu einer großen Chance kam. Doch weil Adler eine weitere starke Parade zeigte und kurz darauf ein Schuss von Yohan Cabayé noch abgefälscht werden konnte, blieb es beim 2:1 für die DFB-Auswahl. "Zur Pause war es ein ungerechtes Ergebnis, weil wir schon in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt haben", sagte Sami Khedira. "Das Siegtor war eine perfekte Kombination. Mesut kann den Ball so gut spielen wie fast kein Zweiter auf der Welt. Er kennt meine Laufwege."