Von Thomas Hummel, Berlin

Ohne die beiden Leitwölfe enttäuscht Deutschland beim 1:2 gegen England, bei dem es nur wenige Lichtblicke gibt. Und schon kommen wieder freundliche Worte zu Ballack und Frings.

Eine Stunde nach Spielende in den Katakomben des Berliner Olympiastadions standen die Spieler in Anzug und Krawatte gekleidet vor den Kameras und durften angenehme Sätze sagen. Zum Beispiel: "Die jungen Leute haben sich wunderbar eingefügt." Der Torwart gab den kuriosen Umstand zu Protokoll, dass Spieler auf dem Platz standen, "die ich noch nie zuvor gesehen habe", und der Kapitän vervollständigte: "Es hat immer geheißen, dass wir keine guten jungen Spieler haben. Jetzt hat der Trainer ein Problem, wenn die etablierten zurückkommen."

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Auch Torhüter René Adler leistete sich gegen England einen Fehler. (© Foto: Getty)

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Diese Sätze hätte der Trainer Joachim Löw nur zu gerne von seinen Spielern nach dem Freundschaftsspiel gegen England gehört. Doch da standen die schick gekleideten Shaun Wright-Philipps, David James und John Terry. Und das Problem einer sich aufdrängenden zweiten Reihe hat seit Mittwochabend der Kollege Fabio Capello. Joachim Löw hat seit dem 1:2 am Mittwochabend ganz andere Probleme. Auf jeden Fall größere.

Denn während auf dem Weg zum Bus die Anzugträger aus England mitunter strahlend und scherzend plauderten, schlüpften dahinter im blauen DFB-Trainingsanzug Simon Rolfes und Bastian Schweinsteiger so schnell vorbei, dass man sie fast übersehen hätte. Von Jermaine Jones war überhaupt nichts mehr zu sehen, und man befürchtete schon einen neuen Schalker Fluchtversuch.

Rolfes und Jones vergeben ihre Chance

Diese drei Spieler hatten zuvor den Generationswechsel im deutschen Mittelfeld manifestieren sollen. Sie sollten den 75.000 Zuschauern im Stadion und Millionen in Deutschlands Wohnzimmern und Kneipen beweisen, dass die öffentliche Kritik nach mehr Respekt von Michael Ballack und Torsten Frings nicht nur schlechter Stil, sondern auch inhaltlich daneben war.

Vor allem für Jones und Rolfes bedeutete das Testspiel nach all dem Ärger um die Stammplatzforderer die Chance, sich dauerhaft ins Gespräch zu bringen. Ballack und Frings fehlten, eine gute Leistung hätte ihrer Karriere womöglich einen entscheidenden Schub gegeben. Doch das Unternehmen geriet gründlich daneben.

Rolfes und Jones boten in der ersten Halbzeit im zentralen Mittelfeld eine Leistung, die mit dem Wort Überforderung beschrieben werden muss. Sie waren überfordert mit den energischen Attacken der Engländer, mit der Last des Spielaufbaus sowie mit der Aufgabe, nach dem schlechtem Beginn die Mannschaft aufzurütteln und eine Wende herbeizuführen. Vor allem aber waren sie überfordert mit der Wucht der Aufgabe, beide spielten deutlich schlechter als zuletzt in ihren Klubs. Vor allem Rolfes wurde seit vielen Monaten nicht mehr derart unsicher gesehen. "Es ist schwer, wenn einige Spieler zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind", sagte Manager Oliver Bierhoff.

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