Deutschland beim Davis Cup Im deutschen Tennis entflammt Zuversicht

Alexander Zverev (Mitte) und Boris Becker (re.) freuten sich gemeinsam beim Davis Cup in Brisbane.

(Foto: dpa)
  • Deutschlands Davis-Cup-Team zeigt sich beim Sieg in Australien stark - besonders Alexander Zverev kann glänzen.
  • Teamchef Michael Kohlmann hat gemeinsam mit Head of Tennis Boris Becker eine eingeschworene Gemeinschaft mit den Spielern geschaffen.
Von Gerald Kleffmann

Das Ende war dann für einen Moment wie bei einem normalen Match. Ein Aufschlag, ein Rückhand-Return, ein zu langer Vorhandball ins Aus. Kurz schrie Alexander Zverev auf, blickte hoch, dann herrschte völlige Kontrolle. Zverev ging seelenruhig ans Netz, als sei er auf dem Weg zum Check-in in einem Hotel. Nick Kyrgios flanierte ihm entgegen. Ein Händedruck, der Dank an den Schiedsrichter, an den Teamchef des anderen Teams.

Im Viertelfinale geht es gegen Spanien, das wahrscheinlich ohne Rafael Nadal auskommen muss

"Ich denke nicht, dass Alter ein Kriterium ist"

Die Australian Open haben gezeigt, dass Roger Federer das Tennis so dominiert wie selten zuvor - er hat dafür eine ganz eigene Erklärung. Experten trauen ihm schon bald den 21. Grand-Slam-Titel zu. Von Gerald Kleffmann mehr ...

Und dann war es doch mit der Selbstbeherrschung vorbei. Deutschland hatte ja in Brisbane Australien 3:1 besiegt, Zverev hatte mit dem überraschend einseitigen 6:2, 7:6 (3), 6:2 gegen Kyrgios den entscheidenden dritten Punkt noch vor dem letzten Einzel zwischen Alex de Minaur und Jan-Lennard Struff geholt, das storniert wurde. Erstmals seit vier Jahren steht das DTB-Team damit wieder im Viertelfinale des Davis Cups, des traditionsreichen Teamwettbewerbs im Tennis.

Mit der Brust voraus sprangen sich Zverev und Teamchef Michael Kohlmann an, umarmten einander. Von hinten stürzten wie aus einem Hut gezaubert weitere Personen herbei, ein Kreis formierte sich, der "Hey, hey, hey!" rief. Viel mehr Symbolkraft konnte es in diesem Augenblick kaum geben, als Kohlmann, Zverev, Struff und Tim Pütz ihren Zirkel der Einigkeit bildeten.

Ersatzmann Peter Gojowczyk stieß auch noch dazu. Dennoch sollte noch ein stärkeres Motiv folgen, zumindest eines, das eine Brücke bildete an diesem besonderen Sonntag in Brisbane, auf der anderen Seite der Erde. Als Alexander Zverev sich die deutsche Fahne schnappte, sie sich auf den Rücken legte, über den Platz schritt und sich mit der rechten Faust pathetisch ans Herz klopfte, drängten sich zart Erinnerungen auf: an 1987 und an Boris Becker, als der nach einer Sechsstundenschlacht John McEnroe besiegt hatte. Damals packte sich Deutschlands bester Profi eine Fahne und lief durch das Civic Center von Hartford in Connecticut.

Es war eine bemerkenswerte Sequenz, dass nun Becker wieder zugegen war und mit jubelte. Als "Head of Men's Tennis" war er in der Pat Rafter Arena. "Es gibt eine Wiedergeburt des deutschen Tennis", teilte der sechsmalige Grand-Slam-Gewinner später dem deutschen Tennis-Magazin mit: "Sie begann mit dem Erfolg von Kerber, und sie setzt sich fort mit dem Sieg heute und den guten Ergebnissen der anderen Frauen." Er meinte damit etwa Julia Görges, die an diesem Wochenende erstmals die Top Ten erreicht hat, nach dem Erreichen des Halbfinals in St. Petersburg (das sie gegen Petra Kvitova in drei Sätzen verlor); oder Sabine Lisicki, die in Taipeh unverhofft das Semifinale erreichte.

Wozniacki erlöst sich von quälenden Gedanken

Caroline Wozniacki erfüllt sich in einem packenden Finale gegen Simona Halep den Traum vom Grand-Slam-Triumph - und befreit sich von dem Makel, noch nie einen großen Titel gewonnen zu haben. Von Gerald Kleffmann mehr ...

"Wir sind superglücklich, aber hoffentlich ist das erst der Anfang für uns", sagte Zverev. Der Weltranglisten-Fünfte, der 20 Jahre alte Aufsteiger aus Hamburg, der russische Eltern hat und in Monte Carlo lebt, hat in Australien erstmals seine Rolle so interpretiert, wie es in diesem Teamwettbewerb sein muss: Es braucht einen starken Führungsspieler, der fähig ist, seine zwei Einzel als Basis des Gesamterfolgs zu gewinnen. Und dann braucht es Adjutanten, die den dritten Punkt beisteuern. So wie Becker einst Eric Jelen oder Michael Westphal oder Carl-Uwe Steeb hatte.

"Wir haben gezeigt, dass wir viele gute Spieler haben", sagte Kohlmann auf der Pressekonferenz. Im Viertelfinale muss das DTB-Team vom 6. bis 8. April in Spanien antreten und hat bereits einen Vorteil. "Ich habe immer gesagt, solange wir gewinnen, spiele ich auch", sagte Zverev. Der beste gegnerische Spieler, der angeschlagene Weltranglisten-Erste Rafael Nadal, wird sicher fehlen. Noch ein Pluspunkt: "Wir haben auch nach langen Jahren wieder ein starkes Doppel", erkannte Zverev.